Weit über 100 Zuhörer kamen am Dienstag in die Stadtkirche zum "spirituellen Abend über Liebe und Tod" mit dem Theologen und Professor Fulbert Steffensky. "Wenn ich mit Menschen- und mit Engelszungen redete" war der Abend überschrieben, in dem der 79-Jährige in einzelnen Abschnitten Gedanken zum alttestamentarischen Buch Hiob äußerte.

Diese tiefgehenden Blocks wurden musikalisch unterbrochen - und gleichzeitig intensiviert durch Professor Phillip Langshaw aus Köln. Mit seinem Bassbariton intonierte er Johannes Brahms "Vier ernste Gesänge op.121", füllte allein mit seiner Stimme - ohne Mikrofon - den Kirchenraum aus und unterstrich die Tiefe der Texte. Begleitet wurde Langshaw von Kantor Thomas Rapp an der Orgel.

Fulbert Steffensky las Stellen aus dem Buch Hiob - nach eigener Aussage ein Buch der Weisheits-Literatur, ein Text tiefer Skepsis und großen Glaubens. Er legte dann sein Augenmerk direkt auf die Stellen, die manchem kritischen Bibelleser zu schaffen machen.

"Ich glaube nicht, dass wir für solche Geschehnisse eine Erklärung haben, auch nicht für alle Hiobs der Erde", gab der Professor zu. Die Frage "Wo bist du Gott?" sei der atheistische Schatten des Glaubens, der jedem nicht blind Glaubenden zu schaffen mache.

Dennoch sei es weder richtig, Gott zu verteidigen auf Kosten des Menschen wie es die Freunde Hiobs tun, indem sie rückwirkend schlussfolgern: Wenn es dir schlecht geht, hast du schlecht gehandelt. Noch solle der Glaubende die Widersprüche in der Bibel "glattbügeln" wollen. "Wir sollten lernen, die Widersprüche auszuhalten und mit den Betroffenen mitzuleiden", appellierte Fulbert Steffensky.Ein weiterer Aspekt im Buch sei der Zweifel des Teufels, für den "eine liebende Begegnung zweier Freiheiten - der göttlichen und der menschlichen - nicht vorstellbar ist". Die Frage "Ist interessensfreier Glaube an Gott überhaupt möglich oder ist Religion ein Deal, bei dem Menschen Belohnungen erwarten, wenn sie dafür Riten einhalten" stehe hinter der dubiosen Wette zwischen Gott und dem Teufel.

Wenn jedoch der Glaube nichts als ein solcher Handel sei, dann zerschelle er an der bitteren Ungerechtigkeit der Welt, machte der Referent deutlich. "Der Teufel jedoch verliert die Wette. Gott zu lieben heißt sich Gott zu geben - ohne Versicherung, ohne Rückzahlung. Und das hat Hiob getan."

Steffensky schloss seine Ausführungen mit dem Fazit: "Ich bin kein Atheist, weil ich Christus kenne - den zweiten Hiob in der Bibel - und in ihm das Antlitz Gottes finde."

Der Abend schloss mit Musik - Moll wechselte zu Dur und Phillip Langshaw schmetterte ein jubelndes Hallelujah. . .