Tempo Vorschlag für Tempo 30 in Göppingen hat kaum Freunde

Tempo 30 am Göppinger Nordring? Unsere Bildmontage nimmt das vorweg, was die Stadtverwaltung sich als Akut-Rezept gegen die Lärmbelastung vorstellt. Doch der vorgeschlagene Kriechgang auf den Hauptverkehrsachsen stieß bei den Göppinger Lokalpolitikern auf Kritik.
Tempo 30 am Göppinger Nordring? Unsere Bildmontage nimmt das vorweg, was die Stadtverwaltung sich als Akut-Rezept gegen die Lärmbelastung vorstellt. Doch der vorgeschlagene Kriechgang auf den Hauptverkehrsachsen stieß bei den Göppinger Lokalpolitikern auf Kritik. © Foto: Giacinto Carlucci / Montage: Staufenpress
Göppingen / ARND WOLETZ 23.04.2015
Geht es nach der Stadt Göppingen, dann fahren auf den Hauptverkehrsadern wie am Nordring, sowie in Holzheim oder Jebenhausen alle nur noch 30. Bei den Lokalpolitikern ist dieser Vorschlag aber sehr unbeliebt.

In der Göppinger Innenstadt gilt ab Montag flächendeckend Tempo 20. Jetzt sollen die Autofahrer auch auf den Hauptverbindungsstrecken wie dem Nordring und der Mörikestraße sowie in den Ortsdurchfahrten der Stadtbezirke Holzheim und Jebenhausen, aber auch in Faurndau abbremsen – auf Tempo 30. Das jedenfalls schlägt die Stadtverwaltung vor. Auf der Lorcher Straße zwischen Sternkreuzung und Zeppelinstraße sollen außerdem nur noch 40 Kilometer pro Stunde erlaubt sein.

Hintergrund ist der Einstieg in den Lärmaktionsplan, den die Göppinger Stadtverwaltung am Donnerstag präsentierte. Es geht darum, die lärmgeplagten Anwohner zu schützen, an deren Schlafzimmerfenster Tag und Nacht tausende von Autos und Brummis vorbei rattern. Da gelten Tempolimits als Akut-Medikament.

Mit solchen Vorschlägen ist Göppingen auch nicht allein. NachbarStädte wie Eislingen und Kommunen wie Heiningen planen ebenfalls längst Tempo 30 auf den Hauptachsen. In Göppingen haben die Lokalpolitiker da aber sehr gemischte Gefühle. Das jedenfalls kam am Donnerstag in der gemeinsamen Sitzung von Verwaltungs- und Verkehrsausschuss ans Licht. Während alle Redner die vorgeschlagenen Belagserneuerung an Krach-Strecken sowie das Lärmschutzfenster-Programm unterstützten, stießen Tempolimits auf überwiegende Ablehnung. Lediglich die Grünen signalisierten, dass sie sich sogar noch mehr Tempo-30-Passagen wünschen, weil es erhebliche Lärmreduzierung bringe.

Die SPD sei „ein bisschen unsicher“, gab Fraktionschef Armin Roos zu. Die übrigen Fraktionen kündigten Ablehnung an: Der Nordring sei ohnehin schon so überlastet, dass der Verkehr fast zum Erliegen komme, sagte Stefan Horn (FWG). Sein Fraktionskollege Emil Frick schimpfte: „Gar nichts zu machen ist immer noch besser als das, was hier auf dem Tisch liegt.“ Felix Gerber (CDU) meinte, es sei nicht sinnvoll solche Tempolimits ausgerechnet auf Straßen einzuführen, wo es schon jetzt nicht möglich sei, schneller als 30 zu fahren. Und Klaus Rollmann (FDP/FW) forderte von der Stadtverwaltung schlichtweg, das Konzept zu überarbeiten.

Abgestimmt wird über die Vorschläge am 7. Mai im Gemeinderat. Doch angesichts der drohenden Abstimmungsniederlage redeten OB Guido Till und Baubürgermeister Helmut Renftle den Stadträten am Donnerstag ins Gewissen. Renftle wies darauf hin, dass übergeordnete Behörden auf Gegenmaßnahmen pochen werden – es drohten sogar Strafen. Außerdem habe man lediglich auf einem Drittel der Lärm-Strecken solche Tempobeschränkungen vorgeschlagen. Der Oberbürgermeister mahnte, die Vorschläge seien ein pragmatischer Kompromiss. Die Stadt habe eine Verantwortung gegenüber den Anwohnern.

Auch die geplante, im Gemeinderat umstrittene Ortsumfahrung von Jebenhausen kam erneut in die Diskussion, denn deren Bau ist einer der weiteren Vorschläge der Stadt gegen den Verkehrskrach im Ort.

Der Aktionsplan gegen den Lärm

Ablauf: Wie alle Kommunen arbeitet die Stadt Göppingen an der EU-Richtlinie, für einen Lärmaktionsplan. Es wurde erhoben, auf welchen Strecken die Lärmbelastung am höchsten ist. Bei Überschreitung bestimmer Werte muss die Stadt handeln. Die aktuellen Vorschläge der Verwaltung sollen in den Entwurf einfließen, der dann ins Abstimmungsverfahren geht.

Tempolimit: Tempo 30 auf insgesamt 2,8 Kilometer langen Straßenabschnitten, Tempo 40 auf 600 Metern.

Lärmschutzfenster: Auf insgesamt knapp 10 Kilometer Länge werden Anwohner beim Einbau von Lärmschutzfenstern unterstützt.

Belagsanierung: Durch Ausgleichen von Unebenheiten sollen die Rumpelgeräusche verringert werden. Im Sommer sollen die Arbeiten zunächst in Jebenhausen und Faurndau beginnen.

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