Kreis Göppingen / Kirchheim Vorreiter beim Energieatlas

Beispiel Biomasse: Die Stadt Kirchheim will regenerative Energien im ganzen Umland erkunden. Hoffnung setzt sie in ihr Kompostwerk. Die Voralbgemeinden planen so etwas seit Jahren mit ihrem EU-Leuchtturmprojekt. Foto: Archiv
Beispiel Biomasse: Die Stadt Kirchheim will regenerative Energien im ganzen Umland erkunden. Hoffnung setzt sie in ihr Kompostwerk. Die Voralbgemeinden planen so etwas seit Jahren mit ihrem EU-Leuchtturmprojekt. Foto: Archiv
Kreis Göppingen / Kirchheim / JÜRGEN SCHÄFER 29.02.2012
Wo schlummert Potenzial für erneuerbare Energien in der Landschaft? Das wollen fünf Kreisgemeinden zusammen mit Partnern rund um Kirchheim/Teck herausfinden. Sie starten eine gemeinsame Untersuchung.

Neue Wege geht die "Raumschaft" Kirchheim - im doppelten Sinn. "Soweit wir wissen, hat es so eine kreisübergreifende Zusammenarbeit noch nicht gegeben", sagt der zweite Mann im Kirchheimer Rathaus, der 1. Beigeordnete Günter Riemer. Und was daraus entstehen soll, ist eine wahre Pionierleistung. Was die Kirchheimer seit Oktober angeleiert haben, wird bald alle beschäftigen. Die Landesregierung hat nämlich gleiches im Sinn und fordert von den Gemeinden einen "Energieatlas". Die Kirchheimer nannten das bisher eine Potenzialanalyse. Die Idee: Alle Möglichkeiten für Wasserkraft, Windkraft, Solarenergie und Biomasse auf einer Markung soll erkundet werden. Gewissermaßen das theoretische Potenzial, ohne rechtliche und politische Einschränkung. Das hatte die Stadt unter der Teck als Beitrag zur Energiewende im Sinn.

Ein Alleingang blieb es nicht. Die Kirchheimer wollten die Umlandgemeinden mit ins Boot holen, weil sie selber wenig Windpotenzial haben und Partner vom Zweckverband Gruppenklärwerk Wendlingen brauchen. Sie haben nämlich die Idee, aus Abwasser Wärme herauszuholen, verrät Riemer. So kamen die Nachbargemeinden Zell und Aichelberg in den Blick.

Daraus wurde dann ein Rundumschlag - jedenfalls an der Flanke zum Kreis Göppingen. Schlierbach, Hattenhofen und Ebersbach, das mit Roßwälden an den Raum Kirchheim grenzt, schlossen sich an. Das lief wie am Schnürchen, freut sich Riemer. "Einmal angestoßen, machten alle mit." Das war auf Seiten des Kreises Esslingen nur bedingt der Fall. Acht Gemeinden schlossen sich an, fünf blieben fern. Abgesagt hätten die Kommunen der Verwaltungsgemeinschaft Weilheim, weil sie im Vogelschutzgebiet lägen.

Der Zeller Bürgermeister Werner Link findet das sinnvoll, was sich die Kirchheimer ausgedacht haben. Auch mit dem Preis von gerade mal 800 Euro ist er zufrieden. Insgesamt kostet die Analyse freilich schon 35 000 Euro. Den Löwenanteil trägt Kirchheim.

Link ist mal gespannt, was dabei herauskommt. In Sachen Biomasse rechnet er mit Überschneidungen, weil es ja schon die Untersuchung für das EU-Leuchtturmprojekt der zehn Voralbgemeinden gibt. Die wollen mit Biomasse eine Biogasanlage füttern. In Sachen Windkraft hat er auch gedämpfte Erwartungen. "Ich glaube nicht, dass die Zeller Markung Standorte für große Anlagen hergibt." Erwogen hat er schon ein Kleinwindrad auf dem Zeller Berg. Das sei noch nicht abgehakt, sagt Link, aber da schaue man auf Hattenhofen, wo der Ökopionier Wolfgang Liebrich die Voraussetzungen für ein Kleinwindrad austestet.

Wasserkraft ist für die Stadt Kirchheim schon ausgereizt. An Lauter und Lindach sitzen seit 150 Jahre Wasserkraftwerke, lächelt Riemer. Aber Sonnenenergie ist ein Thema: Eine neue Lärmschutzwand an der Autobahn könne wunderbar mit Solarmodulen kombiniert werden, sagt Riemer. Große Hoffnungen setzt er auf Energiegewinnung im Kirchheimer Kompostwerk.

Der Schulterschluss beschränkt sich aber nur auf die Untersuchung. Wenn die Ergebnisse vorliegen, wird jede Gemeinde für sich überlegen, was sie damit macht. Ausnahme ist nur das übergreifende Klärwerk-Projekt. Aber die Zusammenarbeit kann auch über den Tag hinaus Früchte tragen, meint Riemer. "Vielleicht machen wir mal wieder etwas gemeinsam."