Von Witz und Würde

LENA GRUNDHUBER 09.10.2014
"In Ulm, um Ulm herum und in Athen" hat Oliver Haffner seine Komödie "Ein Geschenk der Götter" gedreht. Nun kommt der Film in die Kinos.

Jetzt ist auch noch der Roller kaputt. Als wäre es nicht genug damit, dass man 36 Jahre alt ist und weder Mann noch Kind hat, dafür einen Rausch von der schlimmsten Sorte und einen entsprechenden peinlichen Abend hinter sich. Anna ist am Tiefpunkt angelangt, als sie ihr defektes Zweirad über die Brücke schiebt. Und ausgerechnet der höchste Kirchturm der Welt schaut zu. Ein so klägliches Bild kann sich nur das Schicksal ausdenken - oder ein Regisseur wie Oliver Haffner. Dessen Stärke liegt in solchen Beobachtungen, das sieht man in seinem Spielfilm "Ein Geschenk der Götter", für den er auch das Drehbuch geschrieben hat. Jetzt läuft die Komödie um die arbeitslos gewordene Schauspielerin Anna (Katharina Marie Schubert) an. Beim Filmfest München hatte der Film den Publikumspreis sowie den Förderpreis Neues Deutsches Kino in der Sparte Produktion verliehen bekommen.

Dass Haffner "In Ulm, um Ulm herum und in Athen" drehte, wie es im Abspann heißt, war bekannt. Die Stadt aber liefert nicht nur ein paar Bilder, sie ist Schauplatz dieser "Arbeitslosenparabel", wie Haffner sie nennt. Wer im wirtschaftlich starken Süden keine Arbeit findet, fühlt sich erst recht als Loser.

Das Berliner Kreativ-Prekariat ist weit, am Theater Ulm wird mit harten Bandagen um den Platz im Ensemble gekämpft, auch mit den ältesten Mitteln der Welt. . .

Zu Filmbeginn wird Anna gefeuert - begleitet von einem Glas Weißwein und ekelhaft warmgecoachten Worten. Im Jobcenter erklärt man ihr, dass es in Ulm nur ein einziges Theater gebe, mithin keine Arbeit. Doch der Zufall will es, dass sie just hier ein Betätigungsfeld findet. Mit einer Gruppe von Langzeitarbeitslosen soll sie theaterpädagogisch arbeiten. Es wird sinnigerweise Sophokles "Antigone" sein: Ein Stück über die Würde des Menschen, die sich gegen gesellschaftliche Widerstände behauptet, gegen den Kapitalismus schon gar. Klar, dass der alte Grieche den deutschen Arbeitslosen zu Selbstvertrauen und Bühnenerfolg verhelfen wird. Und Anna zu einer neuen Liebe mit einem jüngeren Griechen.

Info Dtld. 2014, 102 Minuten, FSK 0

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