Göppingen Von Spargelsalat und Winddrehern

ARND WOLETZ 30.10.2012
Die Debatte um Standorte für Windkraftanlagen wird im Göppinger Gemeinderat seit jeher kontrovers geführt. Jetzt war es wieder einmal so weit.

Noch ist es nichts als eine schraffierte Fläche im neuen Regionalplanentwurf. Dennoch gingen in der gemeinsamen Sitzung von Verwaltungs- und Umweltausschuss die Wogen hoch. Thema der Vorberatung war die Festlegung von Vorranggebieten für die Nutzung der Windenergie. Eine von der Region ins Gespräch gebrachte Fläche liegt im Buchwald beim Stadtbezirk Bezgenriet und zum Teil auf den Gemarkungen von Hattenhofen und Bad Boll.

Die Stadtverwaltung hält es für unrealistisch, dass sich an diesem Standort jemals ein Rotor drehen wird, denn er liegt unterhalb der Grenze der Wirtschaftlichkeit und im Vogelschutzgebiet. Dennoch, so stand es in der Vorlage, sei es grundsätzlich zu begrüßen, dass potenzielle Vorrangflächen ausgewiesen werden, auch wenn - wie im Fall Buchwald - eine Verwirklichung unwahrscheinlich ist. Der Beschluss, der am 8. November im Plenum gefasst werden soll, umfasst weitere mögliche Standorte knapp außerhalb des Göppinger Gebiets: im Bereich Todtländ 900 Meter vom östlichen Ortsrand Jebenhausens sowie im Gebiet Kuhnberg bei Schlat, 1100 Meter südlich von Ursenwang.

Der Vorschlag, die Standorte als Option offen zu halten, rief die Kritiker im Ausschuss auf den Plan: "Schauen Sie sich die Landschaft genau an, sie wird bald mit Spargelsalat belegt sein", orakelte Emil Frick (BAG). Auch der ehemalige Forstamtsleiter Klaus Fischer (CDU) forderte, man müsse unmissverständlich klar machen, dass es in Göppingen keine geeigneten Standorte gebe. Man könne sich einen Eingriff in die Vogelschutzgebiete nicht gefallen lassen. Das wiederum provozierte den Widerspruch von Christoph Weber (Grüne). Er wunderte sich, dass einst bei der Ausweisung der Vogelschutzgebiete vor allem Widerstand zu hören gewesen sei - und zwar genau von denen, die den Vogelschutz jetzt als Argument gegen Windkraft ins Feld führen.

Schon war der muntere Schlagabtausch im Gang. Die einen fürchteten den "rotgrünen Wind" (Emil Frick), die anderen frohlockten, der Wind habe sich nun mal gedreht (Christoph Weber). Nur Regionalrat Joachim Hülscher (VUB) wollte die Diskussion "runterzonen". Schließlich gehe es zunächst lediglich um die Anhörung der Kommunen für 96 gemeldete Standorte.