Göppingen Vom Mögy-Schulprojekt zum Sicherheitsrisiko

Der Spielhügel war vor 22 Jahren wichtiger Teil des Projekts Schulhofgestaltung am Mörike-Gymnasium. Nun wird er abgetragen.
Der Spielhügel war vor 22 Jahren wichtiger Teil des Projekts Schulhofgestaltung am Mörike-Gymnasium. Nun wird er abgetragen. © Foto: Carlucci
Göppingen / Arnd Woletz 18.01.2019
Die Schulhofgestaltung des Mörike-Gymnasiums war vielen Schülern und Lehrern vor 22 Jahren eine Herzensangelegenheit. Nun wird neu geplant. Der Hügel, Herzstück der Anlage, wird abgetragen.

„Ich habe den ganzen Prozess als etwas sehr Schönes, Gemeinschaftsstiftendes in Erinnerung. Schade drum“, sagt Professorin Katarina Bader, die vor 22 Jahren als Elftklässlerin eine der Schülersprecherinnen des Mörike-Gymnasiums war. Mit dem Gemeinschaftsstiftenden meint sie die Neugestaltung des hinteren Pausenhofs ihrer ehemaligen Schule, der Mitte der 90er Jahre als Projekt viele Schüler, Eltern und Lehrer zum Mitmachen anspornte. Es wurden Ideen entwickelt, aber auch bei der Umsetzung mitangepackt. „Manchmal standen ganzen Schulklassen zum Helfen da“, erinnert sich Ewald Locher, mittlerweile pensionierter Kunstpädagoge, der vor mehr als 20 Jahren die Pausenhofgestaltung von Lehrerseite mit in die Hand nahm und vor allem die 1997 erbaute Kletterwand vorantrieb. Teil des Projekts war das Volleyballfeld und viele andere Elemente.

Baufirmen für kostenlose Aktionen gewonnen

„Ein Herzstück der Umgestaltung war damals der Hügel“, erinnert sich Katarina Bader. „Die Fahne auf dem Hügel war ja auch eine Idee der Schüler selbst, jeder durfte da Vorschläge machen. Das war ein toller Ideenwettbewerb“. Der Spielhügel war aber auch ein finanzieller Kraftakt. Deshalb hätten die Schüler in verschiedenen Aktionen Geld gesammelt. Gleich mehrere örtliche Baufirmen wurden für einen oder mehrere kostenlose Einsätze gewonnen, andere Unternehmen für Sachspenden. Im Jahr 1998 war dann auch der Hügel fertig. Die damalige Kultusministerin Annette Schavan stattete dem Gymnasium einen Besuch ab, lobte die Aktion als vorbildlich und überreichte der Schulgemeinschaft einen Umweltpreis, erinnert sich Katarina Bader.

Rotes Absperrband vor dem Spielhügel

Nun aber hat zumindest dem Spielhügel das letzte Stündlein geschlagen. Ein rotes Absperrband flattert im Wind rund um die Anlage. In der kommenden Woche rücken die Bagger an und tragen das einstige Gemeinschaftsprojekt ab. Denn mittlerweile gilt es als Sicherheitsrisiko. Es hätten sich in der Vergangenheit mehrere Schüler Blessuren geholt, sagt der Schulleiter Karim Doosry. „Wir haben die Befürchtung, dass jemand sich auch mal schwerer verletzen könnte“.

Bauwerke mit gerundeten Kanten

Die Pressestelle der Stadtverwaltung sagt, sie komme dem Wunsch der Schulleitung nach, den Hügel wegzubaggern. Das sei in den vergangenen Jahren bereits mehrfach diskutiert worden. Der Spielhügel ist hauptsächlich aus Steinen aufgetürmt. Nach den heutigen Anforderungen müssten solche Bauwerke mit gerundeten Kanten gebaut werden und es dürfen keine Fangstellen für Finger oder Füße entstehen. Auch das zulässige Steigungsverhältnis der Steinquader sei vorgeschrieben. Der Mögy-Hügel habe auch unter der Zeit gelitten. Das verwendete heimische Juragestein sei nicht witterungsbeständig, der Wurzeldruck der Pflanzen sowie Bodensetzungen hätten „aus den Böschungen unwegsame Flächen gemacht“, heißt es in einer Stellungnahme. Es sei Aufgabe der Stadt als Schulträger Sicherheitsmängel abzustellen.

Neues Konzept für ganzen Schulhof

Die Stadt Wie es nun mit dem ganzen Mögy-Schulhof weiter geht, das soll gemeinsam mit der Schule in einer neuen Konzeption erarbeitet werden, sagt die Stadtverwaltung. In einem ersten Schritt sollen notwendige Sanierungsarbeiten an der Kletterwand vorgenommen werden.

Der Schulleiter Karim Doosry erklärt, ihm schweben erlebnispädagogische Elemente auf dem Schulhof vor, also eine Anlage für herausfordernde Übungen in der Gruppe, die Selbstvertrauen und Teamfähigkeit steigern sollen. Die Stadt habe derzeit Geld für solche Schulhofgestaltung. „Das Mögy wäre jetzt dran.“

Der Lehrer Pensionär Ewald Locher wünscht sich, wenn das damalige Gemeinschaftsprojekt nun überholt sein soll, auf jeden Fall für die Neugestaltung, „dass es etwas Kreatives wird“.

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