Göppingen / ANNEROSE FISCHER-BUCHER  Uhr
Ein insgesamt stolzes Ergebnis des Geschäftsjahrs 2014 konnte das Vorstandsduo Hermann Sonnenschein und Dr. Lukas Kuhn den 177 Vertretern der Volksbank in der Göppinger Stadthalle vorstellen.

Trotz großer Tagesordnung konnte der Aufsichtsratsvorsitzende Dr. Werner Kleinle eine halbe Stunde früher als geplant den offiziellen Teil der Vertreterversammlung der Göppinger Volksbank beenden. Schließlich hatte man allen Grund, anschließend nicht nur 150 Jahre Volksbank Göppingen mit Live-Musik und einem Büfett zu feiern, man war auch vom Ergebnis des Geschäftsjahrs 2014 beeindruckt, so dass Kleinle keine Mühe hatte, die Vertreterversammlung davon zu überzeugen, die Aufsichtsratsvergütungen, die seit 2006 gelten, von bislang 50.000 Euro im Jahr auf das Doppelte zu erhöhen. Nicht nur der Zeitaufwand sei aufgrund vieler Vorschriften enorm gestiegen, auch die Komplexität der Materie habe zugenommen.

Nachdem die Volksbank eine paritätische Doppelspitze hat, teilten sich die beiden Vorstände den Rechenschaftsbericht. Während Kuhn auf die Entwicklung der Bank mit genauen Zahlen und Fakten einging, legte Sonnenschein seinen Schwerpunkt auf die Rahmenbedingungen und die allgemeine Lage. Er ging auf Wachstum und Teuerungsraten im Euroraum ein und beleuchtete kritisch die Politik der Europäischen Zentralbank (EZB). So habe diese mehr als eine Billion Euro in den Markt gepumpt und ihn mit Liquidität überflutet, was zur Folge habe, dass die üblichen Marktmechanismen ausgehebelt seien. Das niedrige Zinsniveau führe zur Euroabwertung und die Anlagebereitschaft zu höheren Risiken. Die Verflachung des Zinsniveaus sei ein bedrohliches Signal und das Zinstief treffe Sparer und Anleger hart. Sonnenschein beklagte, dass es eine Blasenbildung gebe und die Renditen ins Bodenlose gefallen seien.

Kuhn ging auf "die Welt der Zahlen und Chancen" ein. So hätten die Kundeneinlagen und das Neukundengeschäft zugenommen. "Wir sind sehr zufrieden, im Wettbewerb können wir gut mithalten." Die Bilanzsumme sei um 6,9 Prozent auf 2192 Millionen Euro gestiegen. Die Bank habe 2014 einen Überschuss vor Steuern von 21,4 Millionen Euro erzielt (im Vorjahr 13,8 Millionen Euro) und liege bei fast allen Zahlen über Verbandsdurchschnitt. Man verfüge über eine angemessene Eigenkapitalausstattung und sei besonders stolz auf die Profitabilität.

Kuhn beschäftigte sich auch mit dem laufenden Jahr und sagte, dass sich die Filialstruktur ändern werde. Man habe die Mitarbeiterzahl um vier Prozent verringert, wolle aber gleichzeitig die Qualität steigern. Die Vertreterversammlung beschloss eine Dividende von fünf Prozent.

Der Göppinger IHK-Präsident Wolf Martin überreichte die Ehrenskulptur und Jubiläumsurkunde der IHK Region Stuttgart für die Förderung der regionalen Wirtschaft und lobte das Geschäftsmodell der Bank als solide und krisenfest. Bevor es ans Feiern ging, hatte Dr. Rainer Lächele, Firmenhistoriker aus Aalen, die Geschichte seiner Recherche zur Volksbank humorvoll gewürzt. So hat man in einem Keller nicht nur ein über 30 Jahre altes Destillat gefunden, sondern auch einen Buchband, in dem 29 Jahre Bankgeschichte aufgeschrieben waren.