Der Kammerchor Capella Nova und das Kammerorchester Nota Cambiata unter der Leitung von Gerald Buß schickten sich am Neujahrsabend in der Faurndauer Stiftskirche an, den Barock-Komponisten Jan Dismas Zelenka ins rechte Licht zu stellen. Der Titel des ausgewählten Werkes, Missa Votiva, weist auf seine Entstehung hin: Zelenka schrieb sie als Dank für seine Genesung nach langer Krankheit. Dieser Duktus zieht sich durch das ganze Werk: federnde Spannung, die sich immer wieder in Jubelausbrüche steigerte. Die Hauptaufgabe hatte dabei der durchweg präzise singende Chor; Gerald Buß hielt die Spannung bis zum Schluss hoch und vermied deshalb ausladende Schlüsse und breites Ausspielen. Äußerst engagiert und flexibel agierte das Kammerorchester, das die zahlreichen Wechsel im Charakter der Stücke stets sofort sicher erfasste. Auch das Wechselspiel mit dem Solistenquartett (Gundula Peyerl, Sopran; Sibylle Kamphues, Alt; Hans-Jörg Mammel, Tenor; Christian Hilz, Bass), das aber immer nur maximal in Trio-Kombination gefordert war, gelang nahtlos.

Zelenkas originelle und packende Musik ist gekennzeichnet durch eine ganz individuelle Tonsprache: durch die Fülle kompositorischer Ideen, pulsierende Rhythmen, verbunden mit ungewöhnlichen Harmonien und chromatischen Figuren. Dies machte das Ganze zu einem spannenden Hörvergnügen, und man akzeptierte auch die mitunter allzu häufigen Motivwiederholungen.

Besonders hervorgehoben waren daneben die expressiven Teile, allen voran die wunderbaren Sopranarien, in denen Gundula Peyerl ihre klare, schwebende Stimme über die mit Dämpfer musizierenden Streicher legen konnte. Das war zeitlose, lebendige Musik, frei von altbekannten Floskeln. Auch Sibylle Kamphues (Alt) konnte in gemessenem Tempo das "Et incarnatus" aussingen und gab damit ihrem Solo meditativen Charakter. Und die schlanke Stimme des Bassisten Christian Hilz passte gut zur Arie "Quoniam Tu solus". Atemberaubend gut waren die entsprechenden Expressivo-Partien des Chores, die voller ungewöhnlicher Harmonien und extremer Sprünge waren. Der Höhepunkt war erreicht, als das "Crucifixus" im Pianissimo verklang und eine lange Pause folgte. Dass die ausgezeichneten Musiker auch eine kunstvolle, anspruchsvolle Fuge souverän meisterten ("Osanna in excelsis") sei nicht übergangen.

Fazit: Dank für das Wagnis, einen weniger bekannten Komponisten vorzustellen - das beherzte und vitale Musizieren gewann die Zuhörer, die mit lang anhaltendem Beifall dankten.