Konzert Virtuoses Finale des 2. Göppinger Orgelsommers

Zum Abschluss des 2. Göppinger Orgelsommers bot Margareta Hürholz ein eindrucksvolles Programm.
Zum Abschluss des 2. Göppinger Orgelsommers bot Margareta Hürholz ein eindrucksvolles Programm. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 13.08.2018

So etwas bekommt man nicht alle Tage – nicht in Paris, nicht in London und nicht in New York. Wie Margareta Hürholz, Professorin für künstlerisches Orgelspiel an der Musikhochschule Köln, die Zuhörer in der Göppinger Stadtkirche in die faszinierende Welt der Orgelklänge entführte, zeichnet sie als große Künstlerin aus.

Zur Beherrschung des Handwerks kommt bei der Organistin  das Einfühlungsvermögen in die Struktur und Zeitumstände der jeweiligen Kompositionen hinzu sowie die Leidenschaft, eine eigene Interpretation kreieren zu wollen. All das konnte man beim virtuosen Finale des Orgelsommers erleben. Margareta Hürholz brachte nicht nur die genannten Fähigkeiten mit, sie verband musikalische Poesie und Verwundbarkeit mit klassischer Strenge in einem wohl durchdachten Programm, so dass diese eine Stunde Orgelmusik mit J. S. Bach, Jean-Louis Florentz, César Franck und Maurice Duruflé zu einer einprägsam-phänomenalen Stunde wurde.

Ohne Sperenzchen, klassisch registriert und die Themen in der Fuge durchsichtig herausgearbeitet, spielte Hürholz Bachs Präludium und Fuge in G-Dur, BWV 541. Die anschließende Partita über „Sei gegrüßt, Jesu gütig, BWV 768, war Wegbereiter für die drei folgenden französischen Komponisten des 19. und 20. Jahrhunderts. Der Choral als Thema mit einer Folge von zwölf Variationen enthielt abwechslungsreiche Klänge, dunkle und helle Farben, Dialoge eigenständiger Stimmen, das Pedal als Wortführer und Umspielungen in den anderen Stimmen, trioartige Teile und vollen Satz. Das Stück „Harfe der Maria“ aus dem Lobgesang von Florentz nahm hierauf Bezug, erweiterte aber die Tonalität durch Atonales über ostinaten Motiven und durchschritt neue Klangräume durch schwebende flatternde Schichtungen.

In Francks Choral in a-Moll türmten sich dann gewaltige Klänge auf. Durch Akkorde unterbrochen, in vielen Umdeutungen und fantasiereich präludierend strebte dieses Werk des Bahnbrechers des französischen Impressionismus einem strahlend tonalen Schluss zu.

Virtuoser Höhepunkt war jedoch die Toccata opus 5/III von Duruflé. Sämtliche Einflüsse von Gregorianik über Spätromantik bis zu Impressionismus und Moderne waren hier kombiniert. Ständige durchlaufende Bewegungen, wie Blitze einschneidende Klangschwerter in ausufernder Harmonik und Disharmonik sowie eine unglaubliche Mehrstimmigkeit, die eigentlich mehr als zwei Hände und zwei Füße verlangt hätte – damit beendete Hürholz, die in Paris studiert hatte, in französischer Tradition den Abend. Annerose Fischer-Bucher

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