Hohenstaufen Viel Geld und Schweiß für altes Haus aufgebracht

Hans Kümmerle vor seinem stattlichen Bauern-Anwesen in Hohenstaufen in der Reichsdorfstraße, das nach einer Fassaden- und Fachwerksanierung nun auch außen wieder in authentischem Glanz erstrahlt.
Hans Kümmerle vor seinem stattlichen Bauern-Anwesen in Hohenstaufen in der Reichsdorfstraße, das nach einer Fassaden- und Fachwerksanierung nun auch außen wieder in authentischem Glanz erstrahlt. © Foto: Margit Haas
Hohenstaufen / Von Margit Haas 04.09.2018
In Göppingen kommt bei alten Häusern meist der Abrissbagger. Dass es auch anders geht, zeigt ein Beispiel aus Hohenstaufen. Eines der ältesten Gebäude, ein Baudenkmal, erstrahlt in neuem Glanz.

Eine entspannende Tasse Kaffee im gemütlichen Esszimmer – dazu war Hans Kümmerle im vergangenen Frühsommer kaum Zeit geblieben. Der Göppinger Antiquar bewohnt eines der ältesten Gebäude Hohenstaufens in der Reichsdorfstraße, das er bereits vor Jahren aufwendig sanierte. Nun mussten Fachwerk und Fassade erneuert werden. Nach Fachgutachten und Absprachen mit den Denkmalschutzbehörden konnten die Arbeiten – sie dauerten gut drei Monate – an ausgewiesenen Fachfirmen vergeben werden. Vieles haben Hans Kümmerle, seine Frau und die Familie aber auch selbst gemacht, um die Kosten einigermaßen niedrig zu halten. Denn die Vorgaben waren hoch. „Wir mussten eine genaue Beschreibung aller verwendeten Materialien vorlegen, bis zum letzten Beschlag.“ Denn das Kulturdenkmal sollte in jedem Fall in seinem Aussehen erhalten werden. „Das ist uns sehr gut gelungen“, freut sich der Hohenstaufener, der das mächtige Gebäude vor fast genau 40 Jahren gekauft hatte. „Damals stand eine Anzeige in der NWZ, dass ein Bauernhaus verkauft werden soll.“ Es war Liebe (fast) auf den ersten Blick.

Es hat dann aber viel Schweiß und Geld gekostet, es über Jahre für die Familie bewohnbar zu machen. Dank viel Liebe zum Detail ist es ein Schmuckstück geworden. Und Hans Kümmerle kann sich überhaupt nicht mehr vorstellen, in einer Wohnung zu wohnen. „Nie im Leben“, bekräftigt er ohne lange nachzudenken und erinnert sich an viele schöne Situationen, die seine beiden Kinder in dem Haus mit seinen schier unzähligen Räumchen, Kämmerchen und Eckchen für phantasievolle Spiele erlebten. Immer wenn es in dem alten Gebälk knarrt, „könnte dies ja auch ein Gespenst sein. Das würden wir aber ebenso in Kauf nehmen wie Türen, die manchmal verklemmt sind“. Auch die beiden Enkel Jakob und Leo besuchen die Oma und den Opa gerne. Als erstes schauen sie dann nach den Hühnern. Denn selbstverständlich gehört zu dem stattlichen Anwesen auch ein „Hühnerstall“.

Nicht nur für die Behörden, sondern auch aus persönlichem Interesse hat sich Hans Kümmerle auch intensiv mit der Geschichte seines Hauses auseinandergesetzt. „Vielleicht war es einmal ein Weingärtnerhaus.“ Darauf könnte der Kellerzugang von der Straße aus hinweisen. Über ihm hat sich auch eine Inschrift erhalten. An einem Eckbalken ist eine weitere Inschrift erhalten: „Bau Herr Leonhardt Seiz Wirth Rosine Seize Johann Georg Übele Zimmermann Anno 1786“. Hans Kümmerle vermutet – und mit ihm die Denkmalschützer – dass das Gebäude älter ist und damals umgebaut und nicht neu erstellt worden war (siehe Kasten).

In dem stattlichen Anwesen lebte 1839/40 der Ratsschreiber Johann Georg Weihmüller. Später gehörte es Christian Knauß. „Er war eine Sensation in Hohenstaufen, denn er hatte einen Papagei“. Einen lebendigen gibt es heute zwar nicht mehr, aber ein bunt bemalter aus Ton erinnert an diesen früheren Bewohner.

Geschichte des Hauses liegt weitgehend im Dunkeln

Gesicherte schriftliche Daten zur Hausgeschichte liegen ab 1821/22 vor, sagt Martin Mundorff vom Stadtarchiv. Damals überließ Johann Leonhard Kimmel, Bauer und Traubenwirt, das Gebäude seinem Schwiegersohn Johann Georg Weihmüller. „Wegen unsachgemäßer Aktenvernichtungen im Hohenstaufener Rathaus in der Zeit vor 1945 fehlen aussagekräftige Dokumente aus der Zeit vor dem 19. Jahrhundert“, bedauert der Diplom-Archivar.

Im Hauptstaatsarchiv Stuttgart gebe es zwar weitere Unterlagen „bis ins 15. Jahrhundert hinein“. Es fehle aber für die Zeit zwischen 1700 und dem frühen 19. Jahrhundert „die amtliche schriftliche Dokumentation“. Um nachzuweisen, dass die Inschrift von 1786 auf einen Um- und nicht Neubau hinweist, wie es die Denkmalschützer vermuten, „wären weitere umfangreiche Quellenstudien notwendig“.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel