„Jeder gibt, was er kann, jeder bekommt, was er braucht, und jeder zahlt, was er kann.“ Wenn Kirche ein Gast-Haus sei, dann sei der nötige Perspektivwechsel gegeben und die Epiphanias-Geschichte bekomme einen Sinn. Die vermeintlich sichere Position mit Herrschaft, Macht und Einfluss aus Ängsten heraus werde zugunsten von Aufbruchsfreude und Staunen ohne Anspruchshaltung aufgegeben und Lasten würden anders verteilt.

Diese Aussagen machte Pfarrer Andreas Weidle am Sonntag beim Eröffnungsgottesdienst zur Vesperkirche in der Göppinger Stadtkirche. Im Dialog mit Wolfgang Baumung, dem Leiter des Hauses Linde, der Wohnungslosenhilfe im Landkreis Göppingen, die für die Vesperkirche verantwortlich zeichnet, gestaltete Weidle die Eröffnung.

Vesperkirche steht für Respekt und Toleranz

„Jeder darf so kommen und gehen, wie er ist, und Leib und Seele sollen satt werden“, sagte Baumung, der auf die begleitenden Mittagsgedanken der Vesperkirche aufmerksam machte. Für Menschen mit wenig Geld werde Partei ergriffen und den Armen eine Stimme gegeben. Die Vesperkirche stehe für Respekt und Toleranz. Baumung dankte allen Spendern, die für die etwa 65 000 Euro Kosten im vergangenen Jahr aufgekommen waren, und drückte seine Hoffnung aus, dass auch in diesem Jahr wieder großzügig gespendet wird. Dank sagte der Leiter der Wohnungslosenhilfe auch den 70 ehrenamtlichen Helfern, die sechs Wochen lang täglich etwa 200 Essen vorbereiten und ausgeben.

Den Solidaritätspartnern der Stadtkirche/Oberhofengemeinde und der Zentralküche der Wilhelmshilfe Bartenbach mit Klaus Dilgert, die das Essen zubereiten und keine Personalkosten verlangen, dankte er besonders wie auch den Mitarbeitern des Hauses Linde, deren tägliche Arbeit trotzdem weiterlaufen müsse.

Weidle verglich im Gottesdienst den Palast von Herodes mit dem einfachen Stall, in dem Jesus geboren wurde, zeigte deren jeweilige Implikationen wie Oben und Unten auf und zog Parallelen im Bezug auf die Konzept-Vision einer heutigen Vesperkirche.

Rentnerbänd spielt zur Eröffnung

Die Begleitung hatte wie seit zwölf Jahren die „Rentnerbänd“, ein großes Blechbläserensemble aus dem Kirchenbezirk unter der Leitung von Gerald Buß, übernommen. Es hatte mit der Ouvertüre aus der Feuerwerksmusik von Händel die Vesperkirche feierlich eingeleitet und spielte zum Abschluss das Prélude aus dem Te Deum von Charpentier, bevor die Teller klapperten und feiner Essensduft die Kirche durchzog. Die vielen Besucher freuten sich über das erste Menu: Kürbis-Broccolisuppe, Sauerbratengulasch mit Haselnuss-Spätzle und Waldpilzgemüse sowie Kaffee und Kuchen.

Das Wichtigste zur Göppinger Vesperkirche


Öffnungszeiten Die Vesperkirche in der evangelischen Göppinger Stadtkirche ist bis 17. Februar täglich von 11.30 bis 13.30 Uhr geöffnet.


Spenden Die Vesperkirche ist auf
Unterstützung angewiesen. Spendenkonto: Haus Linde e.V., Konto 587248 bei der Kreissparkasse Göppingen, IBAN DE 10 6105 0000 0000 5872 48


Kuchen Wer einen Kuchen spenden möchte, wird gebeten, sich zur Koordination zwischen 10.30 und 12 Uhr unter Tel. (07161) 686834 zu melden.