Eine große Familie auf Zeit sei die Vesperkirche in der Göppinger Stadtkirche gewesen, sagte Teilnehmerin Dorothea Voss, die sich im Namen der Gäste besonders bei Wolfgang Baumung und den Ehrenamtlichen bedankte. In einem kurzen Bericht erzählte sie von der Begegnung mit einer vereinsamten alten Dame, für die aufgrund des Engagements in der Vesperkirche der Kontakt zu ihrem Sohn nach mehr als 20 Jahren wiederhergestellt werden konnte.

Voss äußerte die Hoffnung, dass es die Vesperkirche auch im kommenden Jahr wieder geben möge. 7740 Essen waren in diesem Jahr ausgegeben worden. Eröffnung war am 6. Januar und der Abschluss fand nach sechswöchiger Dauer am Sonntag mit einem Gottesdienst statt.

Dekan Rolf Ulmer, zugleich Vorsitzender des Vereins Haus Linde, leitete den Gottesdienst unter dem Thema Gerechtigkeit, Respekt und Toleranz. „Eine wertvolle Zeit mit Gesprächen, Anregungen und mit kleinen Zusammenstößen liegt hinter uns“, sagte er. Die Vesperkirche – eine der ältesten im Land – sei „ein kleiner Versuch, Gerechtigkeit auszuprobieren“. Reich und Arm bekämen dasselbe Menü. Der eine erlebe Dankbarkeit und der andere, dass er als Mensch wahrgenommen werde.

In das Zentrum seiner Rede hatte Ulmer einen Text aus dem Alten Testament gestellt, in dem der Prediger „vor einfachen und selbstsicheren Antworten“ warne. Einen Weg mitten in der Welt trotz aller Grenzen zu suchen, verbunden mit einer gemäßigten Ermahnung zu einem Pragmatismus ohne Fremdenfeindlichkeit und Hass, gebe der Text zu bedenken. Ulmer dankte für die Zeit der Nächstenliebe und wies auf die Unterschiede von viel Wohlstand und gleichzeitiger Bedürftigkeit hin, aus der eine Verantwortung gegen Ausgrenzung und Abgrenzung erwachse.

Im Rahmen des Gottesdienstes wurde auch der bisherige Gemeindediakon Christoph Alber verabschiedet, der am 1. Januar ganz zur Landeskirche gewechselt hat. Ulmer hielt eine kleine Laudatio auf Alber und der neue Diakon Wolfgang Ockert dankte Alber dafür, dass er Verantwortung für die Kollegen übernommen habe. Er überreichte ihm ein spritziges Getränk und einen Büchergutschein.

Wolfgang Baumung, Leiter des Hauses Linde, der Wohnungslosenhilfe im Landkreis, dankte dem Team des Hauses Linde, den 70 ehrenamtlichen Helfern, der Zentralküche der Wilhelmshilfe Bartenbach mit Klaus Dilgert, der Evangelischen Stadtkirchengemeinde Oberhofen, den Pfarrern für die Mittagsgedanken sowie allen Spendern und Sponsoren.

Die musikalische Begleitung des Gottesdienstes hatte der Posaunenchor der Stadtkirchengemeinde Oberhofen übernommen und die zahlreichen Besucher freuten sich über das Menü zum Abschluss der diesjährigen Vesperkirche in Göppingen: Schwammerlsuppe, Zwiebelrostbraten mit Serviettenknödel und Rotkraut sowie Kaffee und Kuchen.