Auf Einladung des Vereins „Haus Lauchheimer“ erzählte der Holocaust-Überlebende Garry Fabian in der Stadtbibliothek aus seinem Leben

„Vielleicht werden wir einmal vergeben, aber wir werden nie vergessen“, sagte der 83-Jährige, der zu den wenigen Kindern gehörte, die das Konzentrationslager Theresienstadt überlebten. Nach den Gräueltaten des Nationalsozialismus zog es die Familie weg von Deutschland. Sie fanden in Australien eine neue Heimat, wo der geborene Stuttgarter bis heute mit seiner Familie lebt.

Auf dieser Grundlage der Vergebung fand in der Stadtbibliothek ein vorwiegend freies Erzählen des Überlebenden Garry Fabian statt. Er beschrieb seine Jahre in Theresienstadt: „Es war aufgebaut wie eine normale Stadt, aber es war keine normale Stadt.“ Am 20. November 1942 sei die Familie dorthin deportiert worden – 33 456 Menschen haben das Lager nicht überlebt. „Es ist wie eine Lotterie gewesen, dass ich heute hier bin“, so Fabian. An die Lesung schloss sich ein von Joachim Auch, Christine Lipp-Wahl und Fabians Tochter Carole Carr moderiertes Gespräch an, bei dem einige Fragen aus dem zahlreich erschienenen Publikum beantwortet wurden.

„Reisender in fremdem Land“

„Vielleicht werden wir einmal vergeben, aber wir werden nie vergessen.“ Dieser Satz zog sich wie ein Faden durch die Veranstaltung. Fabian erzählte, es habe 40 bis 50 Jahre gedauert, bis er sich Deutschland wieder annähern konnte. „Zunächst war ich ein australischer Reisender in einem fremden Land“, so beschrieb er seine erste Reise durch Deutschland im Jahre 1987. Die Wiedererlangung der deutschen Staatsbürgerschaft sei für ihn ein Zeichen gewesen, dass er das neue Deutschland anders sehe, so Fabian. Die Nationalsozialisten, die ihn entrechtet hatten, sollten nicht das letzte Wort haben. Jetzt möchte er Brücken bauen.

Fabians Buch „Blick zurück“ ist eine Botschaft wider das Vergessen. Es gebe viele Holocaust-Überlebende, die bis heute keine Worte für das Leid, das sie erfahren haben, finden. Worte hat Garry Fabian gegenüber seiner Tochter gefunden, die ihn 18-jährig nach einem Aufenthalt in Israel auf seine Vergangenheit ansprach. Auf die Frage, ob er Deutscher sei, erhielt sie zunächst nur eine knappe Antwort: „No, I am not.“ Die Bedeutung dieses kurzen Dialogs habe sie erst später verstanden, so Carole Carr. Ab diesem Zeitpunkt habe er seine Lebenserinnerungen aufgeschrieben – 2006 wurde seine Autobiografie veröffentlicht. Fabian: „Ich glaube, dass wir Überlebenden eine Verantwortung haben, diese Geschichte zu erzählen.“ spt