Adelberg / Von Arnd Woletz  Uhr
Das Badeverbot am Herrenbachstausee bei  Adelberg wird zuweilen missachtet. Der Wasserverband Fils winkt bei der Frage nach einer möglichen Änderung jedoch ab.

Gestern am frühen Nachmittag im Herrenbachtal unterhalb vom Kloster Adelberg. Das Thermometer zeigt 32 Grad. Der Stausee liegt in der Nachmittagshitze. Einige Spaziergänger mit Hund und  ein paar Jogger sind auf dem schattigen Rundweg unterwegs. Die grüne Seeoberfläche glänzt  unberührt in der Sonne.

Unberührt? Nicht ganz. Am nördlichen Ufer, an einer Stelle, wo der dichte Bewuchs an der Uferböschung etwas zurückweicht, gehen zwei Frauen im Bikini ins Wasser und schwimmen einige Meter hinaus. Auch auf der südlichen Seeseite suchen zwei Schwimmer Abkühlung. Was sie vielleicht gar nicht wissen: Die Erfrischung ist eine Ordnungswidrigkeit, denn das Baden ist in dem Gewässer nicht erlaubt. Und obwohl es offenbar immer häufiger vorkommt, wird das Verbot wohl auch bleiben.

Ihr sei das Phänomen bekannt, sagt Adelbergs Bürgermeisterin Carmen Marquardt. Wenn die Sommer immer heißer werden, gebe es eben auch mehr Menschen, die Erfrischung suchen, lautet ihre Erklärung. Das illegale Bad im Stausee könne die Gemeinde aber nur verfolgen, wenn eine polizeiliche Anzeige eingehe, sagt sie. Als Spaziergängerin habe sie aber schon öfter die Delinquenten auf das Verbot hingewiesen. Dabei verhehlt sie nicht, dass die Gemeinde zu Beginn ihrer Amtszeit einen Vorstoß unternommen habe, eventuell das Bootfahren oder Schwimmen im See zu gestatten. Damals erfolglos.

Wenn es nach dem Betreiber geht soll das auch künftig so bleiben. Der Wasserverband Fils, der beim Landratsamt Göppingen angesiedelt ist und das Rückhaltebecken betreibt, beobachte bei den regelmäßigen Kontrollen der Dammanlagen nicht, dass mehr gebadet wird, verkündet die Pressestelle des Landratsamts. Wer es dennoch tut, verstößt gegen das Wassergesetz. Das Wassergesetz ist nämlich dafür verantwortlich, dass auf Speicherbecken wie dem Herrenbachstausee der sogenannte Gemeingebrauch, also beispielsweise Baden, Bootfahren oder Eislaufen nicht zulässig ist, erklärt die Behörde.

Beim Bau des Herrenbachstausees als Hochwasserschutz vor etwa 45 Jahren (siehe Infokasten) sei der Nebeneffekt zwar gewesen, ein reizvolles und naturnahes Naherholungsgebiet zu schaffen. Es sei dort aber nie eine Freizeitnutzung geplant gewesen.

Die Wasserbehörde könnte grundsätzlich eine Ausnahme vom Wassergesetz zulassen. Das allerdings wäre nicht so einfach: Denn dafür müsste die Behörde eine Rechtsverordnung erlassen und daran die betroffenen Stellen wie Forstamt, Naturschutz und Gemeinde beteiligen.

Doch das Landratsamt macht ganz deutlich: Der Wasserverband Fils habe „kein Interesse“, dass der See dem Gemeingebrauch zur Verfügung stehen soll und baden erlaubt wird. Es fehlen die notwendigen Infrastruktureinrichtungen und Erschließungen, also Parkplätze, Sanitäranlagen, Stege, Kiosk, Mülleimer und mehr. Tatsächlich gibt es weder am Ende der schmalen Zufahrtstraße bei der Herrenmühle unterhalb der Staumauer nennenswerte öffentliche Parkflächen noch beim ehemaligen Adelberger Feriendorf. Außerdem müsse dann jemand ständig die Wasserqualität des Sees im Auge behalten.

Und das sind noch nicht alle Vorbehalte der Behörde: „Das Gebiet ist ein ökologisch sensibler Naturraum. Der See liegt innerhalb eines Wasserschutzgebietes. Die Ruhe und Naturbelassenheit des Sees und seiner Umgebung sollen weiter gewährleistet werden, die Tier und Pflanzenwelt soll soweit wie möglich ungestört sein“, so der Wasserverband Fils. Weiteres Gegenargument: Der See ist an den Fischereiverein Uhingen für den Angelsport verpachtet. Das ungestörte Angeln wäre aber bei Bade- oder Bootsbetrieb nur noch eingeschränkt möglich.

Hochwasserschutz und Naherholung

Bau Der Herrenbach-
stausee wurde 1973 bis 1976 als Rückhaltebecken zum Hochwasserschutz für die unterhalb gelegenen Gemeinden gebaut. Erbauer und Betreiber des Speicherbeckens ist der Wasserverband Fils.

Dimensionen Laut der Infotafel an der Nordostecke des Sees beträgt die Staumenge 1,3 Millionen Kubikmeter, die Wasserfläche 17,4 Hektar und die größte Längenausdehnung 1,3 Kilometer. Die Wassertiefe an der Staumauer ist mit 22 Meter angegeben, bei Normalpegel entsprechend geringer.

Kurios 1995 wurde der See wegen Sanierungsarbeiten abgelassen, dabei wurde sogar ein gestohlenes Motorrad zu Tage befördert.