Schon kurz vor 19 Uhr warten die ersten Besucher vor dem Bahnhofsvorplatz auf die Sonderbusse, die bis 1 Uhr auf zwei Routen die Stationen der 9. Göppinger Kultur-Nacht abfahren werden. So gelangt man zum Beispiel in wenigen Minuten zum Schlossplatz, auf dem der scheidende „Mister Kultur-Nacht“ Uwe Mayer mit seinem Wohnmobil steht und auf dem er – gemeinsam mit Giacinto Carlucci – Fotografien zeigt. Hier ist vor allem die Art der Präsentation spektakulär. Hier entdeckt man Werke im Wasser, als Teppichvorleger, Sitzgelegenheiten überdeckend oder hängend.

Gemeinschaftsausstellungen im Rahmen der Kultur-Nacht

Vom Schlossplatz aus gelangt man auch schnell in die kühle Stadtkirche. Den beeindruckenden Kirchenraum teilen sich die Künstler der Gruppe „ART 17“ – es ist eine von vielen Gemeinschaftsausstellungen im Rahmen der Kultur-Nacht. Die Stadtkirche bietet auch einen wunderschönen Rahmen für ein Vio­linenquartett der Jugendmusikschule Göppingen; später am Abend wird die Firma Kage ihr optisches Konzert „Raumzeit“ an die Wand projizieren.

Manchmal bekommt man beim Warten auf den nächsten Bus oder auf einer kurzen Fahrt in demselben mit, wohin es andere treibt oder was sie schon gesehen haben.  Zwei Paare diskutieren, ob sie an der Nördlichen Ringstraße aussteigen und die Ausstellung in der Kunsthalle besuchen oder doch lieber gleich am Bahnhof den „blauen Bus“ nehmen sollen, der Faurndau und Jebenhausen anfährt. Eine fünfköpfige Familie will zum Kinderhaus Don Bosco, wo Kunstwerke der Kinder und Schüler gezeigt werden, wo es auf einem Kunsthandwerkermarkt viel zum Zuschauen und Mitmachen gibt.

Krimilesung mit Jo Jung

Hier und da verweilt man gerne: ergattert noch einen Stuhl in der gut besuchten Stadtbibliothek und genießt eine Krimilesung mit Jo Jung, die Ruth Sabadino & Boogaloo aufs Stimmigste musikalisch begleiten; findet die Idee toll, wie in der Pfarrstraße, bei „Rahmen 18“, das tolle Wetter genutzt wird: Die Gigs und Theateraufführungen finden drinnen statt, Sitzgelegenheiten gibt es, mit Blick durchs Schaufenster, draußen. Verwunschen präsentiert sich der Innenhof der Galerie Brigitte Mauch, dort schlägt ein Gitarrist leise Töne an. Ratlos dagegen steht man mit wenigen anderen Besuchern in der Chapel im Stauferpark herum. Hier sollen sich  „temporäre Installation, Soundscape, Ausstellung und Fotolabor verzahnen“, das „flüchtige Kunstwerk“ soll sich nur „in Anwesenheit eines wahrnehmenden Besuchers manifestieren“. Aha.

Exkursion nach Faurndau

Als es schon dunkel ist, reicht es gerade noch für eine Exkursion nach Faurndau. Mit Mut zur Lücke sammelt man an den Stationen rund um den „meeting-point“ – Stiftskirche, Farrenstall und Galerie Stepanek – noch einmal ganz unterschiedliche Eindrücke. Künstler und Organisatoren zeigen sich hier ganz besonders zufrieden: Die ganze Zeit über war ein reges Kommen und Gehen in diesem Göppinger Stadtbezirk.

Auf der Rückfahrt ins Zentrum – der neue Tag ist bereits angebrochen – ist der Bus voll. Den meisten Kulturnacht-Besuchern ist anzumerken, dass sie lang unterwegs waren und viel erlebt haben. Eine kleine Gruppe, die sich mit großem Hallo auf dieser Route trifft und die Nacht Revue passieren lässt, denkt noch gar nicht ans Aufhören. Im Club Bambule ist schließlich noch eine After-Party angesagt ...

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