Göppingen Milliardendeal: Wirtgen-Verkauf soll für Kleemann nichts ändern

„Für die Firma Kleemann wird sich nichts ändern.“  Der Generalbevollmächtigte für die Unternehmensentwicklung, Gerhard Schumacher und Marketing-Leiter Mark Hezinger (v.l.) sehen der Übernahme der Wirtgen Group durch Deere gelassen entgegen.
„Für die Firma Kleemann wird sich nichts ändern.“  Der Generalbevollmächtigte für die Unternehmensentwicklung, Gerhard Schumacher und Marketing-Leiter Mark Hezinger (v.l.) sehen der Übernahme der Wirtgen Group durch Deere gelassen entgegen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Joa Schmid / Arnd Woletz 01.06.2017
Mit der Übernahme von Wirtgen durch den Traktorhersteller Deere ändert sich auch der Eigentümer der Göppinger Firma Kleemann.

Vertreter des Landwirtschaftsmaschinen-  und Traktorherstellers  Deere haben vor ein paar Wochen schon einmal bei der Firma Kleemann im Göppinger Stauferpark vorbei geschaut. Am Donnerstag wurde offiziell klar warum: Das US-Unternehmen mit Sitz in Moline in Illinois hat mit dem Straßenbauspezialisten  Wirtgen Group mit Sitz in Windhagen auch den Göppinger Hersteller von Sieb- und Brecheranlagen übernommen. Das Göppinger Traditionsunternehmen, das dieses Jahr mit rund 500 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 260 Millionen Euro anstrebt,  hat im vergangenen Jahr sein bis dahin 13,5 Hektar großes Firmenareal  durch Zukäufe unter anderem von der Stadt um sieben Hektar vergrößert und will weiter expandieren. Daran soll sich auch nichts ändern, bestätigte Dr. Gerhard Schumacher, Generalbevollmächtigter für die Unternehmensentwicklung, am Donnerstag gegenüber unserer Zeitung. „Der Eigentümer hat gewechselt, die Strategie bleibt aber unverändert.“ Standort, Mitarbeiter und Führungsmannschaft blieben von dem Milliardendeal unberührt, so Schumacher. „Es wird kein Blut fließen.“   Der US-Landwirtschafts- und Baumaschinenhersteller John Deere ergänze das Produktportfolio der Wirtgen-Group ideal und beschere der Gruppe einen Zugang zum amerikanischen Markt. Die beiden Weltmarktführer passten sehr gut zusammen. Schumacher: „Damit hat Kleemann in Göppingen die Chance, Wachstum und Umsatz noch schneller zu steigern.

Nicht nur für Oberbürgermeister Guido Till, der am Donnerstag am frühen Abend  zu Beginn der Gemeinderatssitzung eine Erklärung zu dem  Deal abgab, ist das eine gute Nachricht. Der Erhalt der Übernahme-Nachricht  sei „ein Moment gewesen, in dem man zunächst mal schluckt“, sagte Till.  Seit dem Verkauf von Kleemann an die Wirtgen Group im Jahr 2006 habe das Unternehmen  einen deutlichen Sprung nach oben gemacht. „Es gab großes Vertrauen in das mittelständische und familiengeführte Unternehmen“, so der OB.  Auch ihm hatte Gerhard Schumacher versichert, dass die Stadt keine Befürchtungen  über den Standort Göppingen zu haben brauche.  Till  meinte, amerikanische Unternehmen träten zwar „zuweilen etwas ruppiger“ auf. „Das kann so sein, muss es aber nicht.“ Tills Fazit:  „Wir sehen  souverän und gelassen in die Zukunft.“

So sieht man das auch in der Führungsetage von Kleemann. Es sei vertraglich abgesichert, dass die Expansion mit allen Investitionen so weiter läuft wie bisher geplant, bestätigte Schumacher. Die Erweiterung des Firmenareals sei aufgrund der umfangreichen Auftragseingänge notwendig, berichtete der frühere Geschäftsführer. Man strebe an, die Produktion weiter zu vergrößern. Nach den Worten des Generalbevollmächtigten will Kleemann  unter anderem ein neues Entwicklungszentrum bauen, den  Kundendienstbereich vergrößern und neuen Lagerplatz schaffen. Die bisherigen Parkplätze würden Produktionsfläche und aus der  hinzugekauften Fläche würden Parkplätze. „Daran wird auch der Verkauf der Wirtgen Group an  Deere nichts ändern.“

Ausdehnung im Göppinger Stauferpark

Expansion : Die Wirtgen Group, die mit rund 2,5 Milliarden Euro Umsatz Marktführer bei Straßenbaufahrzeugen und -Maschinen ist,  hat die bis dahin in Faurndau ansässige Firma Kleemann  2006 gekauft und drei Jahre später in den Göppinger Stauferpark verlagert. Dort entstanden riesige Hallen für den Bau von Sieb- und Brecheranlagen. Vor einem Jahr hat der Gemeinderat dem Verkauf weiterer städtischer Flächen im  Stauferpark an  Kleemann zugestimmt. Doch die rund 5,5 Hektar waren offenbar nicht ausreichend: Außerdem erwarb Kleemann das Areal der  benachbarten Firma Lambert, die  Schirme und Markisen herstellt. Heute verfügt Kleemann über 20,5 Hektar Fläche.

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