Göppingen Unternehmer machen mobil

Fahren auf der Holzheimer Ortsdurchfahrt nachts weiterhin Lastwagen? Der Gemeinderat entscheidet heute.
Fahren auf der Holzheimer Ortsdurchfahrt nachts weiterhin Lastwagen? Der Gemeinderat entscheidet heute. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Susann Schönfelder 21.06.2018
IHK-Unternehmer reagieren mit Unverständnis auf geplante Nachtfahrverbote für Laster. Der Gemeinderat soll die Pläne heute verabschieden.

Heute ist der Tag der Entscheidung: Der Göppinger Gemeinderat soll Nachtfahrverboten für Lastwagen in Holzheim, Jebenhausen und Faurndau zustimmen. Mit dem überarbeiteten Lärmaktionsplan will die Stadt versuchen, die stellenweise extremen Verkehrsbelastungen zumindest zu mildern.

Das aktuelle Konzept hat nun die Wirtschaft auf den Plan gerufen. In der jüngsten Bezirksversammlung der Göppinger Industrie- und Handelskammer haben Unternehmer aus allen Branchen des gesamten Landkreises über den Lärmaktionsplan diskutiert und deutlich gemacht, dass der Schutz vor Verkehrslärm ein hohes Gut für Anwohner sei, teilt Gernot Imgart, stellvertretender Geschäftsführer der IHK-Kammer Göppingen, mit. Aber: „In der Abwägung sollten jedoch solche Maßnahmen Vorrang haben, die einen möglichst geringen Eingriff in den Straßenverkehr darstellen“, sind sich die Unternehmer einig.

„Mit Überraschung“ hätten betroffene Betriebe im Raum Göppingen und die IHK als Träger öffentlicher Belange zur Kenntnis nehmen müssen, dass der von der Stadt Göppingen vorgelegte, überarbeitete Lärmaktionsplan die Unternehmen „deutlich mehr belasten soll, als ursprünglich vorgesehen war“, sagt Imgart. Insbesondere seien die Vorschläge des von der Stadt beauftragten Ingenieurbüros weiter verschärft worden, kritisiert der stellvertretende IHK-Chef. So sollen nach dem aktuellen Lärmaktionsplan in Faurndau und Holzheim das ursprünglich nur für den Schwerlastverkehr vorgesehene nächtliche Durchfahrtsverbot auf alle Lastwagen ausgeweitet werden. „Außerdem wurden notwendige Ausnahmen für Anlieger-Unternehmen weiter eingeschränkt oder faktisch gestrichen“, führt Imgart ein weiteres Beispiel an.

Die Bezirksversammlung der IHK hatte sich in der Vergangenheit mehrfach auch öffentlich gegen Durchfahrtsverbote in Göppingen ausgesprochen. „Für die jetzt geplanten Verschärfungen fehlte erst Recht Verständnis“, sagt Imgart. Die Unternehmer sähen jedoch alle Vorschläge, die keine oder nur geringe Eingriffe in den Verkehr bedeuten, positiv. Dazu gehören Zuschussprogramme für Schallschutzfenster oder die Fahrbahndeckensanierung mit Flüsterasphalt, der bereits auf 26 000 Quadratmetern Straßenfläche eingebaut wurde.

„Durchfahrtsverbote aber stellen erhebliche Eingriffe in den Straßenverkehr und in die Betriebe dar, verursachen durch Umwege sogar deutlich mehr Umweltbelastungen sowie Kosten bei den Unternehmen und verlagern letztlich den Lärm nur auf andere Straßen und damit Nachbarn“, betonte Göppingens IHK-Präsident Wolf Martin in der Sitzung am Dienstag. Die Unternehmer seien sich einig gewesen, dass solche Fahrverbote kein Ersatz für fehlende Verkehrskonzepte der Kommune oder Umgehungsstraßen sein können.

Die Stadt Göppingen tüftelt seit Jahren an Lösungen, um die schlimmsten, vom Verkehr belasteten Strecken zu entschärfen. Mit dem Lärmaktionsplan versucht sie, dem stetig wachsenden Verkehr ein stückweit Herr zu werden. Doch selbst wenn der Gemeinderat heute grünes Licht für das überarbeitete Konzept gibt, ist die Umsetzung ungewiss. Der Lärmaktionsplan muss nämlich von der Region genehmigt werden. Und ein Lkw-Nachtfahrverbot in der Ortsdurchfahrt Jebenhausen ist erst dann möglich, wenn die Umgehungsstraße fertig ist. Wann dies soweit ist, steht in den Sternen.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel