Man sollte sich bei mehreren Firmen vorstellen, wann hat man schon mal die Gelegenheit dazu?“, raten Zoe und Clara. Zwei selbstbewusste 16-jährige Mädchen, die im nächsten Jahr die Schule beenden und „heute im besten Fall ein Praktikum ergattern wollen“. Vorausschauendes Planen in die Zukunft ­– an diesem Samstagvormittag sind die beiden Jugendlichen damit nicht allein, einige hundert dürften aus ähnlichen Beweggründen hier sein.

Heutzutage herrscht Bewerbermangel für Ausbildungsplätze

„Super hier, wir sind von Anfang an dabei“, verrät Birgit Braun, während sie ihren Acht- und Neuntklässlern der Albert-Schweitzer-Schule Göppingen noch letzte Instruktionen gibt. Längst ist es Usus auf der Bildungsmesse, dass vor dem offiziellen Messestart vor dem Uditorium schon richtig was los ist. Ob seitens der Schule, Mutter, Vater oder beider Eltern, ob alleine oder in kleinen Gruppen, die meisten der Heranwachsenden werden von Erwachsenen begleitet. Die Zeiten, in denen sich unzählige Schulabgänger auf einen einzigen Ausbildungsplatz bewarben, sind längst vorbei.

Platzangebot für die Aussteller ist ausgeschöpft

Inzwischen hat sich die Situation komplett gedreht, so Bürgermeister Matthias Wittlinger, der betont: „Die Bildungsmesse ist ein wichtiger Baustein im Jahresablauf“. Rainer Frey  nennt am Beispiel der Uhinger Haldenberg-Realschule Fakten: „Von 85 Schulabgängern machen 77 weiter, nur acht beginnen eine Ausbildung“.

Im Zwischengeschoss lädt Bernd Forstreuter von der Heldele-Geschäftsführung die jungen Leute unermüdlich zum „Azubi-Speed-Dating“ ein. „Eine fünf bis zehn Minuten dauernde Entscheidungshilfe, in welche Richtung die Ausbildung gehen soll“.

Ob Mitglieder aus der Direktion, Personalverantwortliche, Ausbildungsleiter oder Azubis und junge Studenten – die Bemühungen um neue Auszubildende sind kreativ und vielfältig.

Während das „Wackler-Zebra“ als lebensgroßes Maskottchen Infos zu den unterschiedlichen Ausbildungen im Speditionsbereich verteilt, machen die zwei Küchenleiter im Ruhestand, Hans-Jürgen Sührck (Hotel Stauferland) und Joachim Testdorf (Wilhelmshilfe), vor dem Gastro-Mobil buchstäblich Appetit auf ihren Beruf.

„80 Teilnehmer und hunderte von Besuchern, es wimmelt und wuselt“, freut sich Hauptorganisatorin Anke Kälberer über die Entwicklung der Bildungsmesse. Ganz „oldschool“, also altmodisch, gingen die Einladungen per Papierpost raus, etwa 150 Firmen seien im Verteiler. Eine Zahl, die keine neuen Aussteller mehr zulässt: „Unsere platztechnischen Kapazitäten sind restlos ausgeschöpft“.

„Bin gerne draußen und wollte etwas mit Holz machen“

Forstwirtschaftsmeister Rolf Wahl und sein Azubi Dennis Zimmat bereichern den Außenbereich, letzterer möchte den nur wenig Jüngeren von der abwechslungsreichen Arbeit eines Forstwirtes im Jahresverlauf berichten. „Ich bin gerne draußen, wollte etwas mit Holz machen“, erzählt der Kuchener, der wie er sagt „die Kälte im Griff hat“.

Am Nachbarstand versucht Bernd Franz sein Glück. Der Uhinger Malermeister verrät: „Wir bilden seit drei Jahren keine Azubis mehr aus“. Unfreiwillig, weil sich für dieses Handwerk einfach niemand bewerbe. Anlass genug für ihn, um sich zum ersten Mal auf der Bildungsmesse zu präsentieren. Sein Fazit nach fast vier Stunden: „Ich hätte mir mehr gewünscht“.

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Ihre Welt schimmert orangefarben


Hingucker Seit 1968 gibt es die Abteilung Sportakrobatik, eine der größten Abteilungen im Turnverein Uhingen. Und seit etwa 4-5 Jahren sind die „lebendigen Wegweiser“ in ihren orangefarbenen Ganzkörperanzügen (Funsuits) der Hingucker auf der Bildungsmesse. Heute sind es Laura (13), Leonie (14) und Ina (18) aus Uhingen, die sich vier Stunden lang mit Hinweisschildern bis zur Schmerzgrenze verbiegen und dabei durch Stoff atmen. Abteilungsleiterin Anita Zipperer sagt: „Trotz der Wettkämpfe im Oktober findet sich immer jemand der mitmacht, sogar Ehemalige waren schon dabei“.