Göppingen Amüsantes Turbo-Kochen mit Henssler

Steffen Henssler in seinem Element: Der quirlige Entertainer verstand es  bestens, sein Publikum humorvoll und teils ein wenig frech zu unterhalten.
Steffen Henssler in seinem Element: Der quirlige Entertainer verstand es  bestens, sein Publikum humorvoll und teils ein wenig frech zu unterhalten. © Foto: Giacinto Carlucci
Göppingen / SWP 11.04.2018
Eine ordentliche Portion Entertainment, erstklassige Zutaten aus der Menge, eine Brise Humor und mit Schmackes gekochte Gerichte – Henssler tischt in der EWS-Arena auf.

Das Licht geht aus, eine bedeutungsschwere Stimme aus dem Off phrasiert: „Lobe den Herren, lasset den Hauptgang beschwören“. Von Feuerfontänen umrahmt, betritt die „Dreifaltigkeit des guten Geschmacks“ strahlend die Bühne: Steffen Henssler, der derzeit omnipräsente Fernsehkoch und Buchautor, quirliger Sushi-Routinier, ist gutaussehend, kleiner und zarter als gedacht. Erfrischend ehrlich erzählt er von seiner Jugend. Davon, dass das Berufsinformationszentrum ihm eine Karriere als Tankwart oder Forstgehilfe ans Herz gelegt habe und 1992 seine Prüfungsnote ausreichend war. „Allerdings, in Norddeutschland ist eine vier wie hier gut“, erklärt er und hat wie so oft an diesem Abend, die Lacher auf seiner Seite.

Nein, an Selbstbewusstsein mangelt es dem Entertainer nicht. Rund 1800 Zuschauer – darunter erstaunlich viel junges Publikum – wollten erleben, wie und was der 45-Jährige in Göppingen so alles auftischt. So flink wie seine Zunge ist er auch unterwegs. Stillstand ist nun wirklich nicht sein Ding, aber dafür Norwegischer Fjordlachs mit Zitronenscheiben und Schnittlauch, alles in einer Tageszeitung gegart. Steffen Henssler entscheidet sich für ein „intellektuelles“ Boulevardexemplar, klappt selbiges bildhaft mit der zu uns zeigenden Seite einmal über den Lachs, rollt den Fisch bis zum Schluss ein und versenkt das komplette „Päckchen“ ins kalte Wasser. Aufsaugen und danach abtropfen lassen, auf ein Backblech legen und für 25 Minuten bei 200 Grad im Ofen backen. Druckerschwärze? Sei kein Problem, spricht sich der Experte für die „Zeitung als Aroma-Hülle“ aus.

Fast zweieinhalb Stunden gibt der Rekordhalter im Ravioli-Falten nützliche Tipps, die so simpel wie genial sind. Gut gelöst, die große Leinwand hinter dem Küchenblock, auf der man jeden Handgriff des Profis, seines stillen Assistenten Sandro und der aus dem Publikum rekrutierten Hobbyköche verfolgen kann. Besonders spannend, die Kameraführung beim Zerhacken von Schnittlauch und Peperoni sowie Mikes Premieren-Filetschnitt durch die Scholle. Tiefenentspannt präsentiert sich der unterbezahlte Dual-Student mit der laut Küchenchef „coolen Friese“ auf der Bühne und straft seine Freundin Melissa Lügen, die ihren Mike zu der Frage: „Welcher Mann kann nicht gut kochen?“ als dafür prädestiniert sieht. Beide zählen mit einer Handvoll Anderen zu den Glücklichen, die nicht nur die Gerichte sehen, sondern auch schmecken durften. Neben „Spaghetti à la Don Hensslerino“ steht unter anderem seine Sushi-Rolle „Deluxe“ auf dem Speiseplan. Letztere bereitet Anna zu. Anfangs noch etwas wortkarg, wird die 78-Jährige spätestens beim „Kuscheln mit dem Henssler“ in der übergroßen Kochjacke mit nur zwei Ärmeln lockerer und beantwortet dem Starkoch unterhaltsam jede seiner Fragen.

Bei Märklin habe sie einst geschafft, in der Galvanik, erfahren die Zuschauer und schließen die Seniorin mit dem eisernen Blick schnell ins Herz. Auch ihr ist wie zuvor Mike und Melissa eine Küchenmaschine gewiss.

Neben der unfassbar schnellen Zubereitung seiner Lieblingsgerichte, versteht es der quirlige Entertainer bestens, sein Publikum humorvoll und teils ein wenig frech zu unterhalten. Logisch, dass dabei auch seine Kollegen ihr Fett wegbekommen. So singt er auf die Melodie von „Atemlos“ als Tim Mälzer: „Fresse groß im TV, ich benehm’ mich wie ‘ne Sau“ oder macht sich mit „Hemmungslos am Buffet, tut der Magen auch schon weh“ über Rainer Calmunds Proportionen lustig.

Kann man machen, muss man aber nicht. Sehr lustig, nur streckenweise etwas zu langatmig, gestalteten sich die unveröffentlichten Ausschnitte aus unterschiedlichen TV-Shows, bei denen sogar Steffen Henssler noch seinen Spaß hatte. Dennoch zeigte sich das Publikum begeistert von der kurzweiligen Show, in der Kochen und Comedy vereint werden. Am Schluss stellte sich der Starkoch seinen vorwiegend weiblichen Fans fast eine Stunde für ein Erinnerungsfoto zur Verfügung.

Professional Sushi Chef als erster Deutscher

Karriere Steffen Henssler wurde 1972 in Neuenbürg im Schwarzwald geboren, lebt aber seit frühester Kindheit im Norden. Seine erste Station war die Lehre zum Koch im damaligen Sterne-Restaurant „Andresens Gasthof“ in Bargum, Kreis Nordfriesland in Schleswig Holstein. 1999 hörte er von der Sushi Academy in Los Angeles, investierte seinen Lotto-Gewinn in den Besuch und schloss als erster Deutscher mit Bestnote als Professional Sushi Chef ab.

Nach der Arbeit in vielen Sushi-Bars in Los Angeles, eröffnete er in Hamburg 2001 mit seinem Vater Werner Henssler sein eigenes Restaurant.

Fernsehauftritte Seine Fernsehkarriere begann 2005 beim NDR mit „Henss­lers Küche“. 2007 war er in  „Ganz & Gar“ auf VOX zu sehen. 2008 bis 2010 gehörte er zur festen Besetzung der ZDF Sendung „Die Küchenschlacht“ und war häufig bei der „Kocharena“ auf VOX zu sehen. Von 2010 bis 2014 moderierte er das werktägliche Kochquiz „Topfgeldjäger“ im ZDF, von 2013 bis 2017 übernahm er die neue Kocharena: „Grill den Henssler“, seit 2017 ist er in „Schlag den Henssler“ auf Pro 7 zu sehen.

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