Bauen Trotz Kritik: Altenheimbau rückt näher

Mehrmals wurde umgeplant: So sehen die aktuellen Pläne für die Altenhilfeanlage im Reusch aus. Anwohner kritisieren die Größe und fürchten zusätzlichen Verkehr.
Mehrmals wurde umgeplant: So sehen die aktuellen Pläne für die Altenhilfeanlage im Reusch aus. Anwohner kritisieren die Größe und fürchten zusätzlichen Verkehr. © Foto: Grafik: Vinzenz Paul gGmbH
Göppingen / Arnd Woletz 12.01.2018
Das geplante Altenzentrum im Reusch stößt bei den Anwohnern nach wie vor auf große Vorbehalte. Doch bald soll der Bebauungsplan perfekt sein.

Es ist ein zweieinhalb-geschossiger Baukörper mit begrüntem Dach am Rande der Felder hinter der Christkönig-Kirche: Der Bau des neuen Altenheims im Reusch soll noch im Sommer beginnen. Planerisch könnte das umstrittene Vorhaben demnächst in trockenen Tüchern sein, wenn der Gemeinderat am 25. Januar den Bebauungsplan beschließt. Roy Hummel, Regionalleiter beim Bauherren, der gemeinnützigen Vinzenz von Paul GmbH, ist davon überzeugt, dass die Altenhilfeeinrichtung „ein Gewinn für das ganze Reusch“ ist. Er habe auch viel Zuspruch erfahren.

Allerdings kämpften die unmittelbaren Anwohner von Anfang an und umso vehementer gegen die Einrichtung. Die zu erwartende Verkehrsbelastung war dabei ebenso ein Thema wie die Ausdehnung des Baukörpers in die freie Natur hinein. Auch das ursprünglich geplante Entwässerungskonzept wurde kritisiert – und schließlich geändert. Das war nur ein Teil der Zweifel.

Auch in etwa einem Dutzend aktuellen Widersprüchen und Stellungnahmen zum Bebauungsplanentwurf der Stadt hagelte es Kritik an der Planung sowie an der Vorgehensweise von Verwaltung und Gemeinderat. Hauptstreitpunkt ist nach wie vor die Zufahrt zu der Altenhilfe-Anlage. Die Anwohner in der Dornierstraße und Adolf-Kolping-Straße fordern eine neue Zufahrt auf der Westseite der Christkönig-Kirche, dort, wo auch Parkplätze liegen. Die Anwohner in den zwei Wohnstraßen befürchten zusätzlich zu der Belastung, die von der angrenzenden Kindertagesstätte ausgeht, weiteren Lärm durch Besucherverkehr und Anlieferungen. Die Stadt hatte eine derzeit durchschnittliche Verkehrsmenge von 488 Fahrzeugen pro Tag gezählt, davon 313 in der Adolf-Kolping-Straße. Selbst bei einer Verdoppelung sei die Erschließung auf der Westseite der Kirche „verkehrstechnisch nicht begründbar und somit in ökologischer wie auch ökonomischer Sicht nicht darstellbar“, so die Stellungnahme der Stadtplaner. Roy Hummel, sagt, die Betreiber seien in dieser Frage offen gewesen, hätten sich aber dem Diktum der Stadt gebeugt. Auch insgesamt hätten sich die Betreiber gegenüber den Anregungen der Anwohner flexibel gezeigt und „ihre Hausaufgaben gemacht“. Mittlerweile seien die Kosten aber am obersten Level angelangt.

Die Kritik richtet sich an die Stadt: „Die Anwohner sind nach wie vor empört“, sagt Edgar Seitzer, der direkt neben dem Baufeld wohnt. Besonders enttäuscht seien sie, dass weder die Bürgervertreter im Gemeinderat noch im Kirchengemeinderat auf die Schreiben der Anrainer reagiert hätten. Die Dimensionen des etwa zehn Meter hohen Neubaus nennt er einen „Riesenklotz“. Edgar und Annemarie Seitzer hegen auch juristische Zweifel, beispielsweise an der Aussage der Stadt, dass das angewandte beschleunigte Verfahren korrekt ist. Viele Fragezeichen macht Edgar Seitzer auch an der Verkehrszählung, die drei Tage vor den Ferien erfolgt sei, als im Kindergarten nur noch wenig los war. Annemarie Seitzer sagt: „Dass die Befürchtungen einfach so abgetan werden, das geht einem schon hoch“.

Andere Anwohner sprechen in ihren Einwendungen davon, dass ihre Straßen im Wohngebiet „zu einer Parkplatz- und Versorgungsstraße“ werde. Durch die Planungen fühlen sie sich „von der Stadt betrogen und um einen geruhsamen Lebensabend gebracht“.

Die Eckpunkte der Altenhilfeeinrichtung

Pflege In dem in zwei Teile gegliederten Baukörper sollen 45 Pflegeplätze untergebracht werden.

Wohnen In zehn Appartements wird seniorengerechtes Wohnen angeboten, bei Bedarf mit Betreuung.

Tagespflege In der Tagespflegestation sind 16 Plätze vorgesehen

Ein Pflegestützpunkt rundet das Angebot ab.

Konzept Die Einrichtung soll den Bedarf im Reusch decken, aber auch ambulante Funktionen erfüllen, um den Bewohnern des Stadtteils ein möglichst langes Wohnen in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

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