Kreis Göppingen Trauer um Bernhard Kempa – den „Monsieur Handball“

Kreis Göppingen / Joa Schmid 21.07.2017
Frisch Auf  hat seinen erfolgreichsten Spieler verloren: Handball-Legende Bernhard Kempa ist am Donnerstag im Alter von 96 Jahren gestorben. Der Kempa-Trick machte ihn weltberühmt.

Monsieur Handball“ Bernhard Kempa aus Bad Boll ist tot. Die Handball-Legende von Frisch Auf starb nach einer schweren Krankheit am Donnerstag im Alter von 96 Jahren. „Er ist zuhause friedlich eingeschlafen“, berichtet sein Sohn Dr. Bernhard Michael  Kempa. In den vergangenen sechs Jahren stand es nicht immer zum Besten mit der Gesundheit des gebürtigen Oberschlesiers. Am Tag nach seinem 90. Geburtstag, zu dem er viel Prominenz auf Burg Staufeneck in Salach eingeladen hatte, war „Monsieur Handball“ in seinem Haus in Bad Boll gestürzt und mit dem Kopf auf den Boden geschlagen. Von dem Sturz hatte er sich aber gut erholt. Trotzdem machten ihm Spätfolgen zu schaffen. Schon länger sei sein Vater Dialysepatient und schwer krank gewesen, erklärte sein Sohn. Seinem großen Kampfgeist und der hervorragenden Betreuung des Teams rund um den Chefarzt der Klinik für Nephrologie, Dr. Klaus-Dieter Hanel, habe „Monsieur Handball“  zu verdanken, dass er die vergangenen Jahre noch glückliche Zeiten erleben durfte. Der Sohn ist selber Arzt und kümmerte sich persönlich um seinen berühmten Vater. Dessen Herz schlug bis zuletzt für Frisch Auf Göppingen. Noch bis vor zwei Jahren hatte Bernhard Kempa regelmäßig die Heimspiele von Frisch Auf in der EWS-Arena besucht.

„Mit Bernhard Kempa verliert Frisch Auf Göppingen seinen bekanntesten und berühmtesten Spieler“, betonte Vereinspräsident Thomas Lander. „Unser Mitgefühl und unsere Anteilnahme gelten seiner Frau Marianne und allen Angehörigen. Bernhard Kempa und sein Wirken werden bei Frisch Auf unvergesslich bleiben.“

Der gebürtige Oberschlesier sei auch der erfolgreichste Frisch-Auf-Spieler und Trainer aller Zeiten. Lander: „Er bleibt über den Tod hinaus eine Legende im Handballsport und mit dem Kempa-Trick wurde er unsterblich.“  Bei dem mittlerweile weltberühmten Trick springt der Spieler hoch in den Kreis, fängt den zugespielten Ball in der Luft, um ihn aufs Tor zu werfen.

Auch der Handballverband Württemberg trauert. „Wir verlieren mit Bernhard Kempa ein Vorbild und ein Symbol von großer Strahlkraft“, erklärte dessen Präsident  Hans Artschwager.

Bernhard Kempa galt in den 50er Jahren als bester Handballer der Welt und hat als Spieler, Spielertrainer und Trainer unzählige Titel für Frisch Auf Göppingen geholt. Er war mit seinen gefürchteten „Kempa-Buben“ allein bei neun der elf nationalen Titel von Frisch Auf dabei, außerdem bei einem der fünf Europapokalsiege. Nicht zu vergessen die zwei Weltmeistertitel, die er mit der Nationalmannschaft im Feldhandball errungen hat oder das WM-Silber in der Halle. Die Liste der Auszeichnungen, die „Monsieur Handball“  erhalten hat, ist mindestens so lang wie die seiner sportlichen Erfolge. Die Aufnahme in die Hall of Fame des deutschen Sports vor sechs Jahren stellte ihn in eine Reihe mit Franz Beckenbauer, Rosi Mittermaier, Josef Neckermann, Max Schmeling, Uwe Seeler und Fritz Walter. Das Forum will an Menschen erinnern, die durch ihren Erfolg im Wettkampf und durch ihren Einsatz für die Ideen des Sports Geschichte geschrieben haben.

Die Liste der Erfolge mit Frisch-Auf Göppingen hat bei der Auswahl genauso eine Rolle gespielt wie die kaum weniger beeindruckende Tennis-Karriere des 96-Jährigen mit drei Weltmeister- und 41 Europameister-Titeln. „Außergewöhnlich“, fand den „Beckenbauer des Handballs“ auch die SWR-Sportredaktion, die ihn zur Wahl des größten Sportlers aller Zeiten im Südwesten nominierte.

Die Liste der Auszeichnungen ist lang

Reaktionen: „Der Handballsport hat Bernhard Kempa unendlich viel zu verdanken. Wir verneigen uns vor ihm und sind dankbar, dass wir ihn kennen und lange viele Jahre lang begleiten durften“, so Hans Artschwager. Präsident des Handballverbandes in Württemberg  und dessen Ehrenpräsident Bernhard Bauer. „Unsere Gedanken sind jetzt bei seiner Familie.“  Als Vorsitzender des „Vereins der Freunde und Förderer des Handballs in Württemberg“ hatte Bauer Bernhard Kempa kennen und schätzen gelernt:  „Wir sind sehr traurig. Bernhard Kempa war Gründungs- und Ehrenmitglied unseres Fördervereins und brachte sich ein, wo er konnte.“

Ehrungen: Zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen wurden Bernhard Kempa zuteil, so erhielt der gebürtige Oberschlesier das „Silberne Lorbeerblatt“, die höchste Auszeichnung, die der deutsche Sport zu vergeben hat, und wurde 2011 in die „Hall of Fame“ – die Ruhmeshalle des deutschen Sports – aufgenommen. Bernhard Kempa war Träger des Bundesverdienstkreuzes am Bande und Träger des Verdienst­ordens des Landes. 2007 war die Handballlegende Namensgeber des nach ihm benannten Bernhard-Kempa-Preises, den der HVW an Personen verleiht, die sich um den Handball verdient gemacht haben.

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