Man merkt den beiden an, dass es ihnen schwerfällt, ihr Musikhaus zu schließen. Geplant sei der 31. März, aber es könne auch noch einen Monat später werden, sagen Brigitte und Jürgen Deininger vom gleichnamigen Musikhaus in der Göppinger Poststraße. Auf die Frage, was denn die Stammkunden jetzt machen sollen, sagen beide, das bleibe ein Fragezeichen, zumal es im gesamten Umfeld wie in Schwäbisch Gmünd oder Stuttgart immer weniger Fachgeschäfte gebe.

Los ging es im März 1947

Die Anfänge des Traditionshauses gehen auf Vater Adolf des jetzigen Inhabers Jürgen zurück, der am 18. März 1947 mit einer Werkstatt am Göppinger Güterbahnhof angefangen hat, Instrumente zu reparieren, aufzurichten und zu verkaufen. Dann zog man in den 50er Jahren um in die Gartenstraße, wo die Firma bis 1995 auf 300 Quadratmetern schon ein großes Sortiment an Musikinstrumenten und Noten aufgebaut hatte. Im Jahr 1995 zog die Firma in die Poststraße um, wo sie sich aufstattliche 1000 Quadratmeter vergrößerte und zum Vollsortimenter und zu einem Sortimenter mit großem Angebot an Tasteninstrumenten aller Art entwickelte. Die Erweiterungen hätten auch mit dem vielfachen Wunsch von Musiklehrern zu tun gehabt, so Deininger, der wie der Vater ebenfalls Klavierbauer ist.

Räumungsverkauf ab 1. Februar

Außer der Werkstatt gehörten auch Workshops oder Konzerte im Haus zum Angebot. Mit durchschnittlich sechs Mitarbeitern berieten Brigitte und Jürgen Deininger ihre Kunden und hatten etwa 25 000 Exemplare an Notenmaterial vorrätig. Das sei ihr Steckenpferd gewesen, sagt Brigitte Deininger. Sie bildete viele Azubis aus, die auch einige Jahre im Betrieb blieben und dann in größere Unternehmen wechselten oder Musik studierten. „Wir ergänzen uns sehr gut“, haben beide zum 70-jährigen Bestehen im Jahr 2017 gesagt.

Jetzt schließt das Göppinger Traditionshaus seine Pforten. Ab 1. Februar findet der Räumungsverkauf statt.

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„Kunden wollen beraten werden, aber dafür nichts bezahlen“


Die NWZ fragte Brigitte und Jürgen Deininger nach den Gründen für die Schließung des Traditionsbetriebs Musikhaus Deininger.

Warum hören Sie auf?
Jürgen Deininger: Es ist unser eigener Entschluss, denn ich bin weit über der Altersgrenze und meine Frau Brigitte ist im Rentenalter.

Gibt es keinen Nachfolger oder eine Nachfolgerin?
Leider nein. Unsere Tochter, die Steuerfachfrau ist, will und kann das nicht allein schultern. Denn es gibt auch noch andere Gründe für die Geschäftsaufgabe.

Welche Gründe?
Das Kaufverhalten der Kunden, die Umsatzrückgänge und die Arbeitszeiten im Einzelhandel. Kunden wollen beraten werden, aber dafür nichts bezahlen und dann den Internetpreis für die Ware. Das bedeutet für uns einen Umsatzrückgang seit Jahren bei steigenden Kosten. Außerdem bekommen wir schwer Fachkräfte, denn die Arbeitszeiten im Einzelhandel schrecken Mitarbeiter ab, die gehen dann lieber in die Industrie. Die Kunden verlangen jedoch, dass wir auch samstags den Laden öffnen. Geschadet hat übrigens auch anderen Einzelhändlern in der Poststraße die Sperrung beziehungsweise Verkehrsumleitung wegen dieses riesigen Baulochs nebenan, da keine Parkplätze mehr vorhanden und wir schwer zu finden sind.

Was machen Sie denn, wenn es das Geschäft in Zukunft nicht mehr gibt?
Brigitte Deininger: Endlich mal Urlaub und Reisen durch Deutschland mit einem Wohnmobil.