Göppingen Traditionsgeschäft Foto Schlenker schließt

In dritter Generation führt der 61-jährige Bernd Schlenker das Fachgeschäft in der Hauptstraße. Mit 37 Jahren noch länger als sein Vater Alfred und sein Großvater Adolf Schlenker.
In dritter Generation führt der 61-jährige Bernd Schlenker das Fachgeschäft in der Hauptstraße. Mit 37 Jahren noch länger als sein Vater Alfred und sein Großvater Adolf Schlenker. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Von Kristina Betz 24.08.2018
Das Traditionsgeschäft Foto Schlenker in der Innenstadt schließt im März 2019. Der Entschluss fiel bereits vor fünf Jahren.

Seit knapp 92 Jahren gibt es das Fachgeschäft Foto Schlenker. Jetzt beendet Bernd Schlenker, der das Geschäft in dritter Generation führt, die lange Tradition. Das Ende des Familienbetriebes ordnet er ganz pragmatisch ein: „Es ist schlicht so: Unsere Branche hat keine Perspektive.“ Bernd Schlenker spricht von der Übermacht der Onlinehändler und der zunehmenden Digitalisierung der Fotografie. „Fotos macht man mit dem Handy“, weiß Schlenker. Auch die großen Kamera-Händler beliefern mittlerweile fast keine Einzelhändler mehr.

Viele Fachhändler erweitern deshalb ihr Sortiment und suchen zusätzliche Geschäftszweige. Für Bernd Schlenker und seine Frau Susanne Schlenker kam das nie in Frage. „Ich bin Fotohändler – und das bin ich bis zum Ende. Und aus tiefer Überzeugung.“ Seine Frau ergänzt: „Wir wollten nie ein Gemischtwarenladen sein. Im Foto Schlenker gibt es Kameras, keine Zigaretten.“

Mit dem Wandel der Branche hat nicht nur das Göppinger Fachgeschäft seine Probleme. Wie Bernd Schlenker weiß, sind viele der zahlreichen Fotofachgeschäfte längst ausgestorben: „Vor zehn Jahren gab es 45 Fotogeschäfte in Stuttgart, heute sind es nur noch drei.“

In Göppingen sind es ab März 2019, wenn Foto Schlenker für immer seine Türen schließt, noch zwei. Bernd Schlenker erzählt von einer Kundin aus England, die einmal im Jahr zum Einkaufen kommt. „In England gibt es längst keine Fotogeschäfte mehr. Auch in Frankreich  – das selbe Bild“, sagt Schlenker.

Am 1. April kommenden Jahres hätte das Fachgeschäft das 92-jährige Bestehen gefeiert. Am 31. März endet der Mietvertrag in der Hauptstraße 16. Bereits vor fünf Jahren traf das Ehepaar Schlenker die Entscheidung aufzuhören. Schon damals habe sich die Branche weg vom Facheinzelhandel entwickelt.

37 Jahre führte Schlenker den Betrieb. Schwer gefallen sei ihm der Entschluss dennoch nicht, sagt der 61-Jährige überzeugt. Er freue sich jetzt auf seinen Garten und auf das Reisen. „Asien haben wir noch nicht durch“, sagt Susanne Schlenker zu ihrem Mann gewandt und: „Die Welt wartet noch auf dich.“

Bernd Schlenker lacht. Er ist froh, den elterlichen Betrieb von seinem Vater Alfred Schlenker und der Mutter Hilde Schlenker übernommen zu haben. Der Vater hatte ihn zum Studium des Wirtschaftsingenieurwesens überredet, schon damals habe sich die Branche für die Schlenkers schlecht entwickelt. „Der Vater wollte, dass der Sohn etwas Handfestes lernt“. Statt für den Kamerahersteller Leica nach Kanada zu gehen, entschied  sich Bernd Schlenker mit 25 Jahren, den elterlichen Betrieb zu übernehmen, auch weil sein Vater krank war.

Die meisten der Angestellten haben den Betrieb bereits verlassen. Bereits vor fünf Jahren eröffnete das Ehepaar ihnen, dass das Geschäft schließen werde. „Wir hatten immer so tolle Angestellte“, ist es Susanne Schlenker wichtig zu betonen. „Jeder hat hier etwas Tolles hinterlassen“, sagt sie und blickt durch den Raum.

Das Ehepaar lud eine Angestellte im vergangenen Jahr nach Amsterdam zu einer Reise ein, die 40 Jahre im Betrieb war. Und ein Mitarbeiter lernte sogar bei Foto Schlenker und blieb dort bis zur Rente. „Nach ihm, Hans Stäbler, fragen noch heute viele Kunden“, sagt Schlenker mit einem Lächeln auf den Lippen.

Und mit viel Freude denken die beiden auch an die Zeit, als im Geschäft noch ein Labor betrieben wurde. 16 Laboranten waren damals bei Bernd Schlenkers Vater im Labor angestellt. „Damals boomte das Fotogeschäft“, weiß er. Vor allem als die Farbfotografie kam, war das Fachhandelgeschäft lukrativ.

Die Zeiten werden nicht wiederkommen, das weiß Bernd Schlenker. Für ihn ist klar: „Fotografieren wird ein Edelhobby werden.“ Einige wenige investieren in eine System- oder Spiegelreflexkamera, der Rest verlässt sich auf das Handy.

Auch wenn die lange Tradition des Geschäfts Foto Schlenker im März 2019 zu Ende geht – er denke gerne an die vergangenen Jahre zurück. „Ich habe ihn in all den Jahren nie schimpfen hören“, bestätigt seine Frau.

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