Bei Empfängen kann es passieren, dass man sich viele Redner diszipliniert anhört und dabei denkt, ach wie langweilig und wann kann man denn endlich mit dem Nachbarn ins Gespräch kommen und zum wunderbaren Büfett stürmen. Nicht so beim Bürgerempfang der Stadt Göppingen in den beiden trotz Schneefalls vollen Sälen der Stadthalle. Die Rede von Oberbürgermeister Guido Till hielt sich in zeitlichen Grenzen und man bekam vom Jugendsinfonieorchester der Stadt Göppingen unter seinem Leiter, Stadtmusikdirektor Martin Gunkel, quasi ein nachgetragenes Neujahrskonzert zu hören. Obwohl keine Profis, spielten die jungen Musiker doch professionell auf. Sie zeigten mit ihrer Auswahl an Stücken und dem engagierten und doch leicht wirkenden Musizieren, dass sie im letzten Jahr nicht von ungefähr in die New Yorker Carnegie Hall eingeladen worden waren.

So sahen es nicht nur begeisterte Zuhörer, sondern auch OB Till, der in seiner Rede mehrfach des Lobes voll war: "Was für ein Auftakt, dieses musikalische Feuerwerk." Und am Ende nach dem "Radetzky-Marsch" sagte er: "Wir sind sehr stolz auf Sie." In einer Tour d'Horizon wies er auf viele gelungene Projekte des vergangenen Jahres hin, gab einen Ausblick auf eine Vielzahl von kulturellen Veranstaltungen und nannte Aufgaben, die sich die Stadt in diesem Jahr vorgenommen habe. Dazu gehöre die Neugestaltung des Bahnhofsvorplatzes und ein neues Verwaltungszentrum mit Tiefgarage, die Umgestaltung des Kornhausplatzes und die Weiterentwicklung des ehemaligen Boehringer-Areals.

Das Stadtoberhaupt zeigte sich erfreut über die Gewerbesteuereinnahmen. Göppingen habe die vergleichbare Stadt Waiblingen nicht nur eingeholt, sondern mit 49 Millionen Euro beträchtlich überholt. Begonnen hatte Till seine Rede mit guten Wünschen, dem Dank an die Bürger und Erläuterungen zur Willkommenskultur im Allgemeinen und in Göppingen. Im Spannungsfeld zwischen den Grundwerten des Grundgesetzes nach Artikel 1 und 18 und der aktuellen Problemlage bei der Flüchtlingsthematik legte er den Fokus darauf, dass "Helfen ein Teil unserer Kultur" sei. Eine möglichst rasche Eingliederung und die Vermeidung einer Ghettoisierung erläuterte er am Beispiel des "Göppinger Wegs". Er verwies darauf, dass Gewalt in keinem Fall - weder gegen Frauen noch gegen Ausländer - zu dulden sei, und sagte: "Wer Wahrheiten verschweigt, öffnet rechter Hetze alle Türen."

An Teresa Maria Roura und Jordi Tor von der Partnermusikschule Estudi Teresa Maria bei Barcelona verlieh Till die Bürgermedaille der Stadt für Verdienste um die Freundschaft, die seit 1993 bestehe. Roura bedankte sich auf Katalanisch. Nach musikalischen Leckerbissen von Händel, Offenbach, Lehár und Johann Strauss gab es bei einem Büfett reichlich Gelegenheit zur Begegnung.