Eberhard Neubrand hat hingeschmissen. Der langjährige Chef des Tierschutzvereins Göppingen und Umgebung ist am Freitag nach einer Vorstandssitzung mit sofortiger Wirkung von seinem Amt zurückgetreten. Das bestätigte der 75-Jährige auf Anfrage der NWZ. Hintergrund ist ein heftiger Streit zwischen Neubrand und dem übrigen Vorstand über die Vermittlung eines Hundes. Neubrand fühlte sich als Vorsitzender übergangen. Er sagt: „Ich habe das Vertrauen zum Vorstand verloren. Für eine fanatische Form des Tierschutzes stehe ich nicht zur Verfügung.“ Der Verein, der auch Träger der Tierheims Ulrich Schol an der Öde ist, wird nun von der stellvertretenden Vorsitzenden, Uschi Noll, kommissarisch geführt.

Der Konflikt entzündete sich an der Frage, ob eine Frau, die sich für einen Hund aus dem Tierheim interessierte, als Halterin in Frage komme. Während Neubrand, der die Frau persönlich besuchte und – wie offenbar auch der hinzugezogene Tierarzt – keine Hinderungsgründe erkennen konnte, entschied der Vorstand anders. Allerdings ist unklar, ob das Nein des Vorstands zur Vermittlung des Tieres womöglich mit einem zurückliegenden Vorfall zusammenhängt, in den die jetzige Interessentin gar nicht verwickelt war. Letztere hatte bereits alle – auch finanziellen – Vorbereitungen für die Übernahme des Mischlingshundes getroffen, bevor sie sich mit dem Nein des Vorstands konfrontiert sah. Neubrand ist auch deshalb so verärgert, da er dem Vorstand den Vorschlag unterbreitet hatte, das Wohlergehen des Hundes mit Hilfe des Vorsitzenden des Tierschutzvereins Heidenheim nach einiger Zeit neutral überprüfen zu lassen. Auch das Angebot von Neubrands Ehefrau, eine Bürgschaft für das Tier zu übernehmen, konnte den Vorstand nicht überzeugen.

Immer wieder sieht sich der Verein mit der Kritik konfrontiert, dass es für Interessenten äußerst schwierig sei, ein Tier vermittelt zu bekommen. Neubrand war 16 Jahre lang an der Spitze des Vereins aktiv. Der Rücktritt des 75-Jährigen kommt für den Verein zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt: Neubrand steckte mitten in wichtigen Gesprächen mit Landkreis und Bürgermeistern. Es geht um die Frage, wie die finanzielle Last des geplanten rund 1,6 Millionen Euro teuren Tierheim-Neubaus, der das marode Altgebäude ersetzen soll, auf alle Nutzer gerecht verteilt werden könnte.