Auch nach dem Rücktritt des Vorsitzenden des Tierschutzvereins Göppingen und Umgebung, Eberhard Neubrand, zieht der Fall des Hundes Kiki weitere Kreise. Nach Aussage von Neubrand und der Betroffenen war das Tier einer Frau aus Lorch zugesagt gewesen, sie hatte den Hund dann aber dennoch nicht bekommen. Ihr sei im Tierheim als Grund genannt worden, dass ihre jetzige Schwiegertochter vor Jahren einen Fundhund im Tierheim abgegeben habe. Zwar wohnt diese Frau in Wäschenbeuren, doch offenbar war das Grund genug, der Lorcherin keinen Hund zu geben.

„Ich habe bis Samstag eine Frist zur Entschuldigung gesetzt“, sagt die Lorcherin, die am Freitag eigens nochmals ins Tierheim gefahren war – doch passiert sei nichts. Deshalb will sie in dieser Woche Anzeige wegen übler Nachrede erstatten. Zuvor hatte sie allerdings noch versucht, die Wogen zu glätten – und angeboten, einen anderen Hund aus dem Heim aufzunehmen. Ihr sei aber beschieden worden: „Sie bekommen gar nichts vom Tierheim, nicht mal eine Ratte.“

Der Hund Kiki war an einen anderen Halter vermittelt worden. In einer Presseerklärung hatte der verbliebene Vorstand des Tierheims betont, dass es mehrere Interessenten für das Tier gegeben habe – und ein Platz gefunden worden sei, „der den Ansprüchen diesen Hundes in ganzem Maße gerecht wird“. Die Lorcherin erinnert sich aber ganz genau, dass sie am 7. Juli erstmals im Tierheim war und ihr Interesse an Kiki bekundet habe.

Auf der Homepage des lokalen Fernsehsenders Filstalwelle findet sich unter dem Datum 25. Juli ein Beitrag, in dem die Tierheimleiterin für Kiki noch ein neues Zuhause sucht – also zweieinhalb Wochen nach dem ersten Besuch der Lorcherin. Kurz darauf kam dann die Absage.

Unterdessen mehrt sich die Kritik am Verhalten der Tierheim-Verantwortlichen. Allein auf der Facebook-Seite der NWZ berichten an die zwei Dutzend Menschen, wie es ihnen ergangen ist. „ Mir wurden so viele Fragen gestellt, bis die einen Grund hatten, sagen zu können, nee, das geht nicht“, schreibt ein Mann. Eine Frau berichtet: „Wenn man arbeitet und Geld hat, bekommt man keinen , weil man keine Zeit hat. Wenn man arbeitslos ist und Zeit hätte, bekommt man kein Tier, weil man es sich ja nicht leisten kann.“ Eine Leserbriefschreiberin glaubt, den Grund für die Zurückhaltung bei der Tiervergabe zu kennen. In ihrem Anschreiben an die NWZ heißt es: „Ist das Tierheim nicht übervoll, fließen keine Spenden, weil man nicht behaupten kann, dass am Tierheim angebaut werden muss.“

Die stellvertretende Vorsitzende des Tierschutzvereins war am Dienstag bis Redaktionsschluss für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.