Gesundheit Tickende Zeitbombe Halsschagader

Dr. Peter Richter, Chefarzt für Gefäßchirurgie, und Kewal Lekha, Chef des Diabetiker-Bezirksverbandes Göppingen (v.r.).
Dr. Peter Richter, Chefarzt für Gefäßchirurgie, und Kewal Lekha, Chef des Diabetiker-Bezirksverbandes Göppingen (v.r.). © Foto: AFK
Göppingen / SWP 06.06.2018

Sie sprechen von einer tickenden Zeitbombe, wenn die Bauchschlagader erweitert ist. Warum?

Dr. Peter Richter:  Ab einem Durchmesser über 50 Millimeter besteht die Gefahr des Platzens des Gefäßes, was zum Tod führt. Deshalb ist es so wichtig, sich der Vorsorge zu unterziehen.

Wer beteiligt sich an der Aktion?

Richter:  Die Alb Fils Kliniken, die Kreisärzteschaft, der Diabetiker Bezirksverband Göppingen, die AOK und die Firma Medtronic, die die endovasculären Prothesen herstellt.

Im letzten Jahr waren so viele Besucher da, die gar nicht alle gescreent werden konnten. Wie lösen Sie dieses Problem?

Kewal Lekha: Wir haben daraus gelernt und bieten jetzt im Foyer des Rathauses zwei Stellen für die Ultraschalldarstellung an. Oberärztin Laura Leyerer von den Alb Fils Kliniken und Dr. Frank Genske von der Kreisärzteschaft werden die Vorsorge machen, so dass es keine Engpässe geben wird.

Hat man bei erweiterten Bauch- oder Halsschlagadern Beschwerden?

Richter:  Nein, das ist ja eben das Gefährliche. Wenn doch, dann ist das Gefäß kurz vor dem Platzen und lebensbedrohlich.

Kommt es statistisch oft vor, dass ein solches Gefäß platzt?

Richter:  Bei knapp 10 Prozent der behandelten Patienten der letzten Jahre gab es einen Einriss in der Gefäßwand. Davon hat die Hälfte der Patienten dank moderner intensiver medizinischer Maßnahmen überlebt. Übrigens trifft es Männer über 65 Jahre 6 mal häufiger als Frauen.

Was macht man, wenn im Ultraschall die Diagnose Erweiterung der Schlagader über 50 Millimeter gestellt wird?

Richter:  Man operiert entweder über einen Bauchschnitt oder minimal-invasiv, das heißt über zwei kleine Öffnungen in der Leiste. Dann wird eine endovasculäre Prothese eingeführt, die unter Röntgenkontrolle freigesetzt wird und somit die Erweiterung von innen her ausschaltet. Dies gibt es seit den 80er Jahren und die Operationsmethoden werden immer feiner.

Was hat jetzt Diabetes mit Gefäßerkrankungen zu tun?

Kewal Lekha:  Diabetiker haben ein ungleich höheres Risiko, an Gefäßerkrankungen wie Durchblutungsstörungen beispielsweise in den Füßen, an der Niere oder an den Schlagadern zu erkranken.

Warum findet die Veranstaltung im Göppinger Rathaus statt?

Lekha und Richter: Wir wollen raus aus der Klinik und raus aus dem Verband und hin zu den Menschen gehen. Einmal im Jahr eine Kontrolluntersuchung bedeutet weniger Beinamputationen, weniger Dialyse, weniger Schlaganfälle, weniger Gefäßrupturen.

Zu den Personen

Dr. Peter Richter, Chefarzt für Gefäßchirurgie und Sprecher des Gefäßzentrums der Alb Fils Kliniken.

Kewal Lekha, Vorsitzender des Diabetiker-Bezirksverbands Göppingen.

Kostenloser Schlagader-Check

Vorsorge Am Samstag, 9. Juni, findet von 10 Uhr bis 14 Uhr im Foyer des Göppinger Rathauses eine Aktion zur Vorsorge (Screening) von Bauch- und Halsschlagader statt. Nach einem Vortrag von Dr. Peter Richter, Chefarzt des Gefäßzentrums der Alb Fils Kliniken, und nach einem Angebot von Gefäßdiagnostik durch Professor Dr. Stephan Zangos von den Alb Fils Kliniken ist für jeden die Möglichkeit zur Ultraschalldarstellung der Bauch- und der Halsschlagader gegeben. Kreisärzteschaft, AOK und der Diabetiker Bezirksverband bieten Beratungen an. Es gibt Augentests und einen Infostand zur Fußpflege. Ein buntes Rahmenprogramm mit Glücksrad und Luftballons für Kinder ergänzt die Aktion. Der Eintritt ist frei.

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