"Dass es keinen Krieg mehr gibt und ich meinen Vater und Bruder bald wiedersehen kann." Ein verständlicher Wunsch, den die 16-jährige Nivar aus Syrien in einem noch namenlosen Theaterstück auf ihre Art zum Ausdruck bringen will. Zurückgebliebene Familienmitglieder in die Arme zu schließen, neue Freundschaften knüpfen und vor allem nicht aufhören, an seine Wünsche zu glauben", steht auch beim gleichaltrigen Oaad aus dem Irak und weiteren acht Mitwirkenden an erster Stelle. "Ich spiele die ernste, dunkle Seite, weil ich in der Hieberschule Uhingen noch keine Freunde gefunden habe", verrät der ansonsten fröhliche Junge.

Wünsche, Sehnsüchte, Träume haben alle Menschen. Was erhoffen sich Kinder und Jugendliche aus Kriegs- und Krisengebieten, die vor Monaten oder Jahren mit einem Teil ihrer Familie nach Deutschland, genauer gesagt, in die Gemeinschaftsunterkunft Pappelallee nach Göppingen kamen? Darüber machten sich Jarmila Lie Lou Kuznik und Pia Müller ernsthaft Gedanken. Heraus kam ein Projekt mit Flüchtlingskindern aus dem Göppinger Asylheim, das die beiden 16 Jahre alten Schülerinnen der Freien Waldorfschule Faurndau ganz alleine stemmen.

Das Theaterstück handelt von den Kindern selbst sowie ihren Wünschen und soll spielerisch den Bezug zur Kunst stärken. "Wir wollten den Mädchen und Jungen eine Stimme, eine Chance geben und ihnen ihre neue, fremde Heimat mit unterschiedlichen Spielszenen und einer Art Performance schmackhaft machen. Das war und ist unser Hauptanliegen."

Das Projekt, das den Heranwachsenden Ablenkung von der Situation, aber gleichwohl Stolz und Selbstbewusstsein verschafft sowie Lebensfreude und Stärke vermittelt, finden freilich nicht nur die Eltern toll. So war auch Wolfram Hosch, der Leiter des städtischen Kulturamts in Göppingen, von der Idee und dem recht ungewöhnlichen Engagement der beiden Mädchen sofort begeistert. "Eine wirklich wichtige und gute Sache die wir gerne unterstützen, indem wir die Räumlichkeiten des alten E-Werks unentgeltlich zur Verfügung stellen", erklärt Hosch.

Bereits vor Monaten haben Pia Müller, die ein Schauspielstudium anstrebt, und Jarmila Lie Lou Kuznik, die lieber Tanzpädagogik studieren möchte, das Bürgerbüro um Hilfe gebeten. Monika Kögler, Sozialbetreuerin in der Gemeinschaftsunterkunft stellte schließlich den Kontakt zu den rund zehn Kindern und Jugendlichen her, die in dem Stück ein klein wenig von sich preisgeben. "Theater zu spielen, ist Leben und mein großer Traum", betont Kimia (14), die im Herbst aus Iran kam. Ihr Vater, Professor für Kunst, brachte sie bereits mit fünf Jahren auf die Bühne. Ebenso gleich mitmachen wollte die elfjährige Sama aus Afghanistan. "Mir gefällt es sehr gut, ich bin das Licht", erzählt sie eifrig von ihrer Rolle. Seit Ende März probt die Gruppe einmal die Woche im Freien an der Pappelallee, bei Regen biete zum Glück die B-10-Brücke Unterschlupf. Am 25. Juli (Uhrzeit wird noch bekanntgegeben) soll das von der Wala und Aqua Römer gesponserte Stück aufgeführt werden. "Über weitere Sponsoren freuen wir uns natürlich sehr", verrät Pia Müller.