Theater Theater: Doris Kunstmann spielt in Göppingen

Immer einen guten Eindruck hinterlassen, dabei wird alles immer verfahrener: (v.l.) Julia Hansen, Doris Kunstmann, Christopher Krieg, Susanne Steidle und Heio von Stetten im Theaterstück „Bella Figura“ von Yasmina Reza.
Immer einen guten Eindruck hinterlassen, dabei wird alles immer verfahrener: (v.l.) Julia Hansen, Doris Kunstmann, Christopher Krieg, Susanne Steidle und Heio von Stetten im Theaterstück „Bella Figura“ von Yasmina Reza. © Foto: Euro-Studio Landgraf
Göppingen / Marcus Zecha 17.02.2018

Fare una bella figura“ heißt es im Italienischen gern – was sich im Deutschen mit „eine gute Figur machen“ nur unzureichend übersetzen lässt. Lange bezeichnete der Ausdruck einen bestimmten, eng eingegrenzten Typus: den des allzeit die Fassade, den schönen Schein wahrenden Südländers. Doch als geflügeltes Wort hat Bella Figura längst den Alpenhauptkamm Richtung Norden überwunden. Ja, bella figura scheint inzwischen zur Daseinsform ganzer Gesellschaften geworden zu sein. Dies könnte man zumindest vermuten, wenn man sich die Stücke von Yasmina Reza anschaut, etwa die  Komödie „Der Gott des Gemetzels“. Je länger dieses Stück dauert, desto deutlicher wird die hässliche Fratze hinter dem schönen Schein erkennbar.

Nun hat das Euro-Studio Landgraf unter Thomas Goritzkis Regie sich des jüngsten Stücks der französischen Erfolgsautorin angenommen. Der Titel? Genau: „Bella Figura“. Das vielfach ausgezeichnete Tourneetheater gastiert damit am Dienstag, 20. Februar, in Göppingen. Und zwar in prominenter Besetzung: In der Stadthalle spielen neben Julia Hansen, Christopher Krieg und Susanne Steidle auch die beliebten Kino- und TV-Darsteller Doris Kunstmann und Heio von Stetten (siehe Infokasten).

Das Stück beginnt harmlos-amourös: Eigentlich will Boris, der nicht nur von Liebes-, sondern auch von Firmen-Insolvenz bedrohte Mittvierziger, nur mit seiner Geliebten Andrea vor dem geplanten Schäferstündchen noch Essen gehen. Dummerweise erzählt er Andrea, die ohnehin von ihm genervt ist, dass seine Ehefrau ihm das angesteuerte Restaurant empfohlen habe. Ein Fauxpas, den der langjährige Fremdgeher auszubügeln versucht. Doch an diesem Abend hat er Pech. Beim Verlassen des Parkplatzes fährt er die zukünftige Schwiegermutter von Françoise an, der besten Freundin seiner Frau. Der alten Dame, deren Geburtstag heute gefeiert werden soll, ist zwar nichts passiert, doch plötzlich stehen Andrea und Boris vor Françoise, ihrem Freund Eric und dessen Mutter Yvonne. Und sie fühlen sich genötigt, bella figura zu machen. „Es kommt, wie es kommen muss: Der Rest des Abends ist das reinste Fegefeuer der Peinlichkeiten und Fettnäpfchen“, heißt es in der Pressemitteilung. Und weiter: „Yasmina Rezas bitter-unterhaltsame Szenen aus der Paar- und Gesellschafts-Hölle zeigen, wie die mühsam aufrecht erhaltene Fassade des guten Benehmens allmählich zu bröckeln beginnt.“ Das klingt nach reichlich Spaß – nicht für die Figuren, dafür umso mehr für das Publikum.

Yasmina Reza hat dem Genre der Boulevardkomödie neue Impulse gegeben. 1959 in Paris als Tochter einer ungarischen Geigerin und eines iranischen Ingenieurs geboren, studierte sie Soziologie und Theaterwissenschaften in Paris, war Schauspielerin, Musikerin und wurde zweimal mit dem „Prix Moliere“ ausgezeichnet. Rezas Theaterstücke wurden in über 30 Sprachen übersetzt und weltweit aufgeführt. Ihre Beziehungskomödie „Der Gott des Gemetzels“ war im Januar 2012 in der Stadthalle zu sehen.

Thomas Goritzki, geboren 1952 in Oberndorf am Neckar, hatte als Schauspieler Engagements am Staatstheater Stuttgart, am Theater Essen und am Schauspiel Köln. Als Regisseur arbeitete er unter anderem am Wiener Volkstheater, am Staatstheater Braunschweig und für die Freilichtspiele Schwäbisch Hall.

Info Die Aufführung im Rahmen der städtischen Theatermiete beginnt um 20 Uhr in der Stadthalle Göppingen. Bereits um 19.20 Uhr führt dort ein Ensemble-Mitglied in das Stück ein. Karten gibt es beim i-Punkt im Göppinger Rathaus, Tel. (07161) 650-293, und an der Abendkasse. Bonuskarteninhaber erhalten 50 Prozent Ermäßigung.

Doris Kunstmann und Heio von Stetten

Doris Kunstmann startete 1968 mit Mitte 20 ihre internationale Filmkarriere: „Und Jimmy ging zum Regenbogen“ von 1972 nach einem Simmel-Bestseller sahen gut drei Millionen Kinobesucher. 1973 stand sie in „Adolf Hitler – Die letzten zehn Tage“ als Eva Braun an der Seite von Sir Alec Guinness. 1976 erhielt sie die Goldene Kamera. 1985 war sie in Sartres „Die Fliegen“ erstmals mit dem Euro-Studio Landgraf auf Tournee. 

Heio von Stetten spielte 1989 bis 1993 unter der Intendanz von Ruth Drexel/Hans Brenner im Münchner Volkstheater. Seine Medienkarriere startete er 1995 der preisgekrönten Komödie „Der schönste Tag im Leben“. Er war in „Honigmond“ mit Veronica Ferres, in „Bandits“ mit Katja Riemann und in „Das ewige Lied“ mit Tobias Moretti zu sehen, einem Film über die Entstehung des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“.

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