Aufführung Theater zur Weltgroßwetterlage

ZDF-Meteorologin Dr. Katja Horneffer (links neben Uli Haas) beantwortete am Ende noch Fragen zum Wetter.
ZDF-Meteorologin Dr. Katja Horneffer (links neben Uli Haas) beantwortete am Ende noch Fragen zum Wetter. © Foto: Sandra Thurner
Göppingen / Sandra Thurner 16.10.2018

Wien, bewölkt, Schneeschauer, minus zwei Grad. Im norddeutschen Flachland und in Bayern verbreitet Nebel oder hochnebelartige Bewölkung. Solche Wettermeldungen durchzogen die ganze Hörcollage, die nach einer Idee des österreichischen Schriftstellers Werner ­Kofler vom Theaterregisseur Thomas Faupel konzipiert und mit zehn weiteren Personen im Alten E-Werk in Göppingen realisiert wurde.

Spätestens bei Textfragmenten wie „die weltliche Großwetterlage droht umzuschlagen“ assoziierte der Zuhörer gleichzeitig politische Zustände und Ereignisse. Hinterlegt wurden die gesprochenen Texte fast durchgängig von Antonio Vivaldis „Die vier Jahreszeiten“, eingespielt vom britischen Violinisten Nigel Kennedy und dem English Chamber Orchestra aus dem Jahre 1989. Das Konzert wurde immer wieder unterbrochen und mit Text- und Geräusch­material – etwa einem Froschquaken, einem Kuckucksruf oder Geräuschen eines Verkehrsunfalls – kontrapunktiert, überlagert, recycelt und reformuliert. Neben poetisch anmutenden Textpassagen, beispielsweise „Und im April kam dieser Sommer, der nie enden will“ oder „das Gelb treibt nach Süden“ (Herbst), wurden auch individuelle Anekdoten erzählt, die sich im Kollektiv des Chors entfalteten.

Die Montage des gesamten Textkörpers, verteilt auf einen elfstimmigen Klangkörper, glich einer mehrfach schachtelförmigen Komposition mit festen Pfeilern, wie etwa den durchgängigen Wettermeldungen, und variablen Inhalten, die zwischen Individualität und Gemeinschaft, zwischen Poesie und purer Information hin und her tönten. Da wurde etwa aus der Biografie Antonio Vivaldis gelesen, Hermann Hesse rezitiert, Anekdoten berichtet, wie „das habe ich mir auf durchgewetzten Knien her gebettelt“, oder Informationen transportiert, beispielsweise „wie wir die Jahreszeiten erleben, hängt von unserem körperlichen Befinden ab.“

Die Textfragmente zu den einzelnen Jahreszeiten waren unterschiedlich lang,  der Sommer bestand in erster Linie aus Urlaubsthemen und entsprechender Tourismuskritik („Urlaub für Menschen, nicht für Massen“) und der Winter aus Verkehrsmeldungen. Ein bisschen mehr Naturbeschreibung hätte dem Stück wohl getan, die letztendlich und größtenteils in Katastrophenszenarien in Form von Hochwassermeldungen aus Vietnam und Hitzewellenberichten aus Somalia ihren Ausdruck fand.

Der prominente Gast, die ZDF-Meteorologin Katja Horneffer, beantwortete abschließend im Interview mit Ulrike Haas, die ebenfalls bei dem Stück mitwirkte, diverse Fragen aus dem Publikum; vor allem zum Klimawandel. Göppingen, sprühregenartiger Applaus. Plusgrade. Sandra Thurner

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