Jugendtheater Theater Strahl und Mando glänzen in Göppingen

Göppingen / Marcus Zecha 10.02.2018

Der erste Joint, die erste Liebe, die erste Zurückweisung – Pubertierende machen so einiges mit – erst recht, wenn sie die Schulprobleme mal beiseite legen können und es auf große Klassenfahrt in die Alpen geht. Aus den Erfahrungen typischer Teenager mit Rollenverhalten, Freundschaften und Konflikten hat das Theater Strahl eine witzig-schräge Masken-Show gebastelt. 300 überwiegend jugendliche Besucher sahen gestern das Gastspiel des Ensembles mit Beatboxer Mando als „Soundmachine“ in der Stadthalle Göppingen.

Wie beim Vorgängerprogramm „Klasse Klasse“ zeigten die Berliner wieder die Standard-Rollen einer Schulklasse: etwa die nette Dicke, die blonde Tussi, den coolen Schlaks oder den schwarz gekleideten Gothic-Jünger. Und natürlich haben alle mit ihrer Identität mindestens genauso zu kämpfen wie mit der unliebsamen Konkurrenz um den netten Jungen oder das süße Mädchen von der Nebenbank. So ergeben sich von der Zugfahrt über die Bettenbelegung bis zur nächtlichen Party nach dem Zapfenstreich genügend Stoff für humorvoll dargebotenen Schülerzoff.

Doch was so launig-locker daherkommt zwischen Imponiergehabe der Jungen und Attitüden der Mädchen, zwischen strenger pädagogischer Kontrolle (am Anfang) und lockerem Powackeln der Lehrerin (gegen Ende), ist in Wahrheit harte Knochenarbeit. Die je zwei Männer und Frauen tragen abwechselnd mehrere Masken, zucken wild beim Handyspiel, schlagen und küssen sich, tanzen oder liefern sich eine muntere Handtuchschlacht – schweißtreibende Tätigkeiten unter den großnasigen Masken. Und doch kommen Pep und Witz dabei nie zu kurz.

Manchmal ist es fast zu viel des guten Bewegungsspiels, wie beim Vorgänger „Klasse Klasse“ wäre bisweilen weniger mehr gewesen. Doch meist ist es großes Kino, was die Berliner da in der Stadthalle abliefern – vor allem dank eines jungen Mannnes mit dem Namen Mando. Der mehrfache Deutsche Meister im Beatboxen zeigte gleich mal zum Aufwärmen sein großes Geräuschespektrum, das vom kreischenden Geckern einer Möwe samt Meeresbrandung bis zum durchdringenden Schiffshorn der Titanic reicht. Doch er sorgte nicht nur für coole Rhythmen, Scratches und fette mundgemachte Beats, sondern auch für den passenden Soundtrack zur Handlung – mit Musik von Techno über Reggae bis zu Bach. Und wenn Mando etwa das Kantinenessen zu Bildern auf der Videowand und im Takt des Essenfassens mit den Worten „Hunger“ und „Durst“ orchestriert, dann wird das Ganze fast schon zu einer neuen Kunstform, einer Art moderner Techno-Oper.

Mandos Einsätze sind ebenso präzise getaktet wie temporeich und einfühlsam vorgetragen. Zärtlichkeiten zwischen den Schülern werden zu seiner säuselnden Akustikgitarre ausgetauscht, im Museum brilliert er als Audioguide mit mehrsprachigen Satzfetzen. Und hat er eben noch in der Alpenkirche georgelt, lässt er Sekunden später bei der Klassenwanderung einen Jodler los, imitiert eine Eule und lässt volkstümliche Musik anklingen. Da sitzt jedes Geräusch, da passt jeder Ton und jeder Klang kommentiert das Geschehen auf der Bühne.

Zum Finale gibt’s nochmal eine kleine Tanzshow, bei der nicht nur die Schüler in Extase geraten. Immer wieder spendiert das junge Publikum Szenenbeifall, und am Ende der anderthalbstündigen Aufführung folgt der verdiente kräftige Schlussapplaus.

Theater Strahl spielt für Publikum ab zwölf Jahren

Theater mit Klasse Das Theater Strahl ist ein privat geführtes Theater, das sich seit 1987 zu einem der renommiertesten Theater Berlins für ein junges Publikum entwickelt hat. Theater Strahl ist in der Hauptstadtregion die einzige Bühne, die sich ausschließlich auf ein Publikum ab zwölf Jahren konzentriert. Seit Ende der 1990er hat es zwei feste Bühnen in Berlin Schöneberg sowie seit 2013 die Strahl-Halle Ostkreuz. In Göppingen waren die Berliner bereits, ebenfalls im Rahmen der Kinder- und Jugendtheatertage, mit dem Vorgängerstück „Klasse Klasse“ zu Gast, für das sie eine Ikarus-Nominierung für herausragendes Kinder- und Jugendtheater erhielten. maz