Göppingen Teuto-Türke mit Kulleraugen

Ganz schön frech: Kaya Yanar bei seinem Auftritt in der EWS-Arena. Dabei beteuert der Comedian: "Ich diskriminier gegen niemanden nix." Foto: Staufenpress
Ganz schön frech: Kaya Yanar bei seinem Auftritt in der EWS-Arena. Dabei beteuert der Comedian: "Ich diskriminier gegen niemanden nix." Foto: Staufenpress
Göppingen / SABINE ACKERMANN 07.05.2012
Staunst du! Volksaufklärer Kaya Yanar nahm in der EWS-Arena mehr als 4500 Besucher auf Brautschau in aller Herren Länder mit. Der Teuto-Türke quasselte über alles und zog wieder Unmengen Grimassen.

Aufgrund seines Migrationshintergrunds darf der selbst ernannte Teuto-Türke über sämtliche Nationalitäten herziehen - und dies nützt er weidlich aus. Dafür lieben ihn seine Fans, die am Samstag in Scharen jeglicher Altersklasse und Staatszugehörigkeit in die EWS-Arena pilgerten. Hauptthema seines aktuellen Programms "All inclusive" ist die Suche nach der richtigen Frau Yanar, egal aus welchem Teil der Erde. Schließlich dürfe er bald auch offiziell zu "Ü40-Partys", und zeitnah eine Frau zu finden, die sich die DNA durcheinanderwürfeln lässt, werde immer schwieriger.

Nationale Eigentümlichkeiten kennt er zur Genüge. Und die präsentiert der knapp 39-Jährige mit rotzig-frechem Gebaren. Dank zweier Großbildschirme wurde jede Erstarrung, Mimikfalte oder Schmollschnute auch in die hinteren Reihen getragen. So wollen sich die Deutschen zur Begrüßung nicht knutschen lassen, Holländisch sei Deutsch auf lustig, und in Kroatien vermisst er die Vokale, bis auf das Wort "prd" für Furz, das fand seine volle Zustimmung. Briten fahren ja ohnehin auf der falschen Seite, Italiener bei Rot über die Ampel und Indisch erinnere an eine Murmel, die die Dachrinne runterkullert.

So bekommen alle ihr Fett weg. Immer wieder schön, wenn die Quasselstrippe sich selbst auf die Schippe nimmt. Oder türkische Frauen: Sie kann man nicht probieren, sondern muss sie gleich kaufen. Zudem hätten sie zwei Probleme - Bruder und Vater.

Yanars laserscharfe Kulleraugen blicken unerbittlich verständnislos auf Skurrilitäten des Alltags; ironisch und augenzwinkernd setzt er sich mit den Klischees hierzulande und anderswo auseinander. Ob gespielter deutsch-amerikanischer Nachbarschaftsstreit, Autobahnkrieg oder das Thema Tod - der Comedian ist nie ätzend oder bissig, nicht mal wenn er filmende Zuschauer entdeckt. Wie sagt er selbst: Ich diskriminier gegen niemanden nix. Am meisten punktet Kaya Yanar mit seinen ausdrucksstarken Gesichtsverzerrungen, Dialekten und in der Art, Geräusche zu machen. Letzteres Talent zog sich wie ein roter Faden durch die Show. Dank der guten Akustik flogen den Besuchern nicht nur markerschütternde Flatulenzen um die Ohren. Wie gewohnt hatte er auch seine bekanntesten Comedy-Figuren, Prolet-Türke Hakan nebst dem debil grinsenden und ständig kopfwackelnden Inder Ranjid im Gepäck.

Auch wenn nicht jeder Gag ein Schenkelklopfer war, hatten die Zuschauer doch einen höchst vergnüglichen Abend. Etwa Evi Wimmer aus Gingen. Die junge Frau bekam direkt vor der Kasse zwei Eintrittskarten geschenkt. Wie es zu dem überraschenden Geschenk kam? Die junge Heiningerin Elke Kettler hatte zehn Minuten vorher einen Autounfall gehabt. "Uns ist beim Anblick des kaputten, gerade mal sechs Wochen alten Autos das Lachen vergangen", sagte Kettler - und verschenkte spontan ihre Karten.