Als Ausnahmepianist war der 18-jährige Alexander Maria Wagner angekündigt worden, was in unserer Zeit der wohlfeilen Superlative leicht zu skeptischen Vorbehalten führen mag. Sein Konzert am Samstagabend in der Göppinger Stadthalle zeigte nun den solcher-maßen Gepriesenen als einen fähigen Musiker, dessen beeindruckende Darbietungen nicht nur ein großes technisches Können bezeugten, sondern auch ein hohes Maß an musikalischem Feingefühl und Interpretationskraft aufwiesen.

So ließ er in Robert Schumanns "Papillons" eine Ballsaal-Szenerie aufscheinen, in der manche Tänzer vorüberschwebten wie die titelgebenden Schmetterlinge. Ihre Leichtigkeit war mit Esprit gepaart, und wenn zwischendurch ein großväterlich wirkender Brummer auftauchte, gab Alexander auch ihm die passende Gestalt.

Die 1943 entstandene Sonate B-Dur op. 83 von Sergei Prokofjew lässt manches ahnen vom damaligen kriegerischen Geschehen. Gleichwohl nahm der Interpret die hämmernden Passagen des ersten Satzes nicht allzu martialisch, malte die tänzerische Kantilene des Andante filigran aus und gab dem durch den ungewöhnlichen 7/8-Takt von nerviger Spannung geprägten Schlusssatz den richtigen Drive.

"Eine Pilgerfahrt zu Beethoven", die Novelle des jungen Richard Wagner, nahm der Namensvetter Alexander als Anregung zu einem eigenen Opus. "Isoldes Liebestod" aus Wagners "Tristan und Isolde" bildete das Zentrum, von dem aus immer wieder zu Zitaten aus Beethovens Werken gereist wurde. Eine interessante, volltönend vorgetragene Bearbeitung, die an die Paraphrasen Franz Liszts erinnerte.

Von ebendiesem Liszt spielte Alexander auch dessen einzige Klaviersonate. Überlegt präsentierte er die Themenvielfalt des einsätzigen Kolosses, und wo "energico" draufsteht, ging er auch recht energisch zu Werke. Andererseits brachte er, wenn es angebracht war, viel Ruhe ins Spiel, hatte für die häufigen Übergangssituationen plausible Lösungen parat und führte in lyrischer Abrundung zu einem harmonischen, gleichwohl atemraubend spannenden Schluss.

Mit drei Zugaben, darunter eine Gershwin-Adaption mit dem inversen Titel "Ein Franzose in New York", verabschiedete sich der musikalisch Hochbegabte von seinen begeisterten Zuhörern.

Wolfram Hosch vom Göppinger Amt für Kultur und Stadtmarketing hatte zu Beginn unter den zahlreichen Besuchern auch den türkischen Vizekonsul in der Stadthalle begrüßt und beglückwünschte den Veranstalter Okan Yavuz zu dem gelungenen Integrationsbeitrag.