Als "Naturplagiator" sieht sich Professor Peter M. Kunz vom Institut für Biologische Verfahrenstechnik der Hochschule Mannheim. "Es geht um die Übertragung von molekularen Lösungen aus der Natur in die technische Anwendung", sagte der Referent bei seinem Vortrag im Rahmen des Göppinger Technikforums in der Aula der Hochschule. Es gelte, "bisherige Denkregeln zu durchbrechen" und so immer wieder zu belegen, dass die "Biologische Verfahrenstechnik" durchaus in der Lage sei, nach dem Vorbild der Natur Lösungen zu entwickeln, die "teure Adaptionsprozesse unnötig machen".

Er hat sich mit der Entwicklung eines biologischen Entrostungsmittels befasst, war über die Frage, wo in der Natur Eisen vorkommt, zum eisenhaltigen roten Blutfarbstoff Hämoglobin gekommen und hatte dann seinen Arzt befragt, welches Medikament bei Eisenmangel verabreicht wird. Daraus hat er "den schnellsten und saubersten Entroster überhaupt entwickelt" - ausschließlich aus nachwachsenden Rohstoffen, die "vollständig biologisch abbaubar sind".

Durch "Kopieren" hat er einen ebenfalls nachhaltigen biologischen Reiniger entwickelt, der im kommenden Jahr auf den Markt kommen wird. Er wird das Problem von durch Haaren verstopften Abflüssen in Badezimmern der Vergangenheit angehören lassen. Aus Collagen hat er - der Wursthaut ähnlich - eine Folie entwickelt, die Automobilhersteller für den Transport auf ihre Fahrzeuge kleben. Sie wird aufgesprüht, ist in der Waschstraße mit einer enzymhaltigen Lösung rückstandsfrei wieder abwaschbar.

Am Mittwoch wird Knut Braun vom Internationalen Bionik-Zentrum der Universität des Saarlandes die Natur als Vorbild für die Technik vorstellen und Lösungen im Managementbereich aufzeigen. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr in der Aula (3. Stock) der Hochschule in der Robert-Bosch 1 in Göppingen. Anschließend führt er durch die von ihm mitkonzipierte Ausstellung "Inspiration Natur - Patentwerkstatt Bionik".