Vernissage Technik des Steindrucks perfektioniert

Auch die Lithografie „Ulm um 1840“ von Johannes Woelffle, hier ein Ausschnitt, ist im „Storchen“ zu sehen.
Auch die Lithografie „Ulm um 1840“ von Johannes Woelffle, hier ein Ausschnitt, ist im „Storchen“ zu sehen. © Foto: Margit Haas
Göppingen / Margit Haas 08.09.2018

Weltgewandt und weitgereist – gleichwohl blieb Johannes Woelffle seiner Heimat im Filstal verbunden, verbrachte hier den größten Teil seines Lebens. Das Göppinger Stadtmuseum „Storchen“ widmet dem in Ebersbach geborenen Künstler und Lithografen anlässlich seines 125. Todestag eine umfangreiche Schau.

Schon früh hatte der in Stuttgart ausgebildete und lange Jahre in München Tätige die Aufmerksamkeit der Göppinger Macher erlangt und so hat das Museum zwischenzeitlich eine umfangreiche Sammlung mit Werken des Künstlers. Jetzt eröffnete Oberbürgermeister Guido Till die Ausstellung „Ansichten von Schlössern, Kirchen und Städten in Württemberg, Bayern und Tirol“.

Die Ausstellung „widmet sich einem Künstler, der dem Fils­tal und der Stadt besonders verbunden war“, so Till. Sichtbarer Ausdruck sei das heutige Hospiz in Faurndau, das Woelffle nach seiner Rückkehr in den 1850er Jahren hatte bauen lassen.

Ausgewiesener Kenner der Arbeiten eines der besten Lithographen überhaupt ist Walter Ziegler. Seit Anfang der 70er Jahre machte er sich auf die Spuren des Künstlers und erhielt Kontakt zu Enkelinnen, die Teile des künstlerischen Nachlasses dem Museum überließen.

Ziegler gab den zahlreichen Besuchern der Vernissage Einblicke in das Leben des Ebersbachers, dessen Patin sein Talent erkannte und ihm ein Stipendium an der „Lithographischen Anstalt“ in Stuttgart vermittelte.

Er zog nach München, „der Kunststadt schlechthin“. Dort arbeitete er in der „Lithographischen Anstalt Piloty & Löhle“ und perfektionierte die Technik des Steindrucks, die, wie ein Film im „Storchen“ zeigt, hochkompliziert und aufwändig war und präzises Arbeiten erforderte. Er lithografierte Gemälde der großen Münchner Sammlungen, die beim gehobenen Bürgertum nachgefragt waren. Mehr und mehr setzte er aber auch eigene Bilder in Lithografien um. Dabei entstanden Ansichten, die es so seit langem nicht mehr gibt. Ein beschauliches Stuttgart, ein Ulm mit dem Münster noch ohne den höchsten Kirchturm der Welt, Göppingen oder Geislingen, aber auch Sizilien mit dem Ätna haben ihr Aussehen längst verändert und so sind die Ansichten von Städten und Dörfern auch wichtige historische Zeugnisse.

Zurück in Faurndau engagierte er sich für die Stiftskirche, stiftete ein Altarkreuz, „das derzeit in der Nordapsis der Kirche zu sehen ist“ und entwarf „den schönsten Wetterhahn weit und breit“.

1893, im Alter von 86 Jahren, starb Johannes Woelffle und wurde als letzter auf dem Friedhof bei der Stiftskirche bestattet. Im „Storchen“ haben die Besucher bis Mitte November Gelegenheit, seinen Lebens- und Arbeitsspuren nachzuspüren.

Info Ausstellungsdauer: bis 18. November dienstags bis samstags von 13 bis 17 Uhr, sonn- und feiertags 11 bis 17 Uhr. Eine Begleitbroschüre ist kostenlos im „Storchen“ erhältlich.

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