Der Plan ist noch streng geheim, erst am Donnerstag soll der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung darüber informiert werden: Die Stadt Göppingen verkauft womöglich ihr noch nicht fertiggestelltes neues Verwaltungszentrum am Bahnhof. Der Hintergrund: Das weltweit erfolgreiche Software-Unternehmen Teamviewer braucht mehr Platz, kann aber nicht warten, bis ein Neubau fertig ist. Nun wird im Rathaus ernsthaft überlegt, die Firma, die in Göppingen rund 400 Mitarbeiter beschäftigt, ins „Rathaus II“ einziehen zu lassen.

„Die hatten ein Angebot aus Stuttgart – das hing wie ein Damokles-Schwert über uns“, sagte am Montag Oberbürgermeister Guido Till am Telefon, er war dienstlich in Belgien. Till möchte Teamviewer  unter allen Umständen am Standort halten. „Das Unternehmen wurde 2006 in Göppingen gegründet und ist zum Weltmarktführer aufgestiegen, wir müssen schauen, dass die in Göppingen bleiben“, bekräftigte er. Schließlich bot er der Softwareschmiede, die mit Programmen zur Fernwartung von Computern großgeworden ist und im ehemaligen Gebäude der Kreissparkasse an der Jahnstraße residiert, das „Rathaus II“ an. „Wir müssen schon was machen, um Firmen auch bei uns zu behalten“, meint das Stadtoberhaupt. Sollte der Plan umgesetzt werden, wird Teamviewer das Gebäude – es soll zum Jahresende bezugsfertig sein – jedoch nicht selbst kaufen. „Wir würden an einen Investor verkaufen, der dann an Teamviewer vermietet“, erläutert Till.

Die Gespräche mit dem Unternehmen liefen seit voriger Woche. „Ich habe noch am gleichen Tag die Fraktionsvorsitzenden informiert“, berichtet der Oberbürgermeister. „Ich hatte den Eindruck, dass sie hinter dem Projekt stehen.“ Das angrenzende, neue Reha-Zentrum ist von den Plänen nicht betroffen.

Jetzt muss alles ganz schnell gehen, sagt der Rathauschef: „Wir müssen blitzartig handeln. Wenn Teamviewer bei sich im Haus grünes Licht bekommt, werde ich sofort dem Gemeinderat die entsprechenden Beschlüsse vorlegen.“ Eigentlich war geplant, dass Teamviewer in einen noch zu errichtenden Neubau auf dem Areal des früheren Unternehmens Müller-/Staufen-Pharmazie südlich des Schillerplatzes zieht. Doch Till sagt, dass dauere den Software-Entwicklern zu lange, mindestens drei Jahre Zeit würde ein Neubau benötigen.

OB schwebt ein dreiteiliges Konzept vor

Dem OB schwebt nun vor, dass die Stadt ihrerseits auf dem eigentlich für Teamviewer vorgesehenen Gelände ein neues Verwaltungszentrum bauen könnte. „Wenn der Gemeinderat entsprechende Beschlüsse fasst, können wir direkt mit den Planungen auf dem Müller-Areal beginnen.“ Ihm schwebt ein dreiteiliges Konzept vor, dass das neue Verwaltungszentrum, Wohnraum und Büroflächen beinhaltet. „Dann würden wir einen städtebaulichen Wettbewerb machen, das könnte eine tolle Sache werden.“

Rathaus-Pressesprecher Olaf Hinrichsen erläuterte am Montag das mögliche Verfahren: „Oberbürgermeister Guido Till wird die Mitglieder des Gemeinderates bitten, im Falle eines Falles dem Beginn der Neubauplanung und der Entwicklung des Müller-Areals grünes Licht zu geben. Da wir noch vor dem Anfang dieses möglichen Prozesses auf dem neuen Areal stehen, können wir derzeit weder zum Zeitfenster noch zu den Kosten Aussagen treffen.“

Die Softwareschmiede selbst hielt sich am Montag noch bedeckt. „Teamviewer wächst stark und prüft derzeit verschiedene Alternativen für eine größere Firmenzentrale“, teilte Pressesprecherin Martina Dier mit. „Zu den Optionen zählen unter anderem ein Ausbau unserer bestehenden Bürofläche, ein Neubau auf dem Müller-/Staufen-Pharmazie-Areal und eine Anmietung des derzeit im Bau befindlichen Verwaltungsgebäudes am Bahnhof.“ Allzu schnell dürfte das Verfahren vermutlich nicht abgeschlossen sein: „Ein Abschluss der laufenden Gespräche ist in den nächsten Wochen nicht zu erwarten“, meint Dier.

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Das „Rathaus II“ kostet 25 Millionen Euro


Rathaus II Im Oktober wurde auf der Baustelle des neuen städtischen  Verwaltungszentrums am  Bahnhof und dem unmittelbar angrenzenden Rehazentrum der städtischen Wohnbau das Richtfest gefeiert. In dem 130 Meter langen und 19 Meter „Rathaus II“ will die Stadt eigentlich mehrere Dienststellen bündeln, die im Rathaus am Marktplatz keinen Platz haben und derzeit über die Stadt verteilt sind. Ende dieses Jahres sollten die Mitarbeiter einziehen, war geplant.

Kosten Rund 25 Millionen Euro investiert die Stadt in das Gebäude. Bei einem nun angedachten Verkauf soll das Geld komplett eingenommen werden, hofft OB Guido Till.