Einkaufen Tauziehen um Handelsflächen am Stadtrand

Göppingen / Arnd Woletz 08.06.2018
In der Innenstadt darbt der Handel, am Stadtrand öffnen immer neue Märkte. Für das Areal des ehemaligen „Bauhaus“ pochten die Planer auf Änderungen.

Der ehemalige Markt der „Bauhaus“-Kette im Göppinger Osten wurde bereits vor drei Jahren geschlossen. Inzwischen wurde das komplette „B10-Center“ längst dem Erdboden gleichgemacht. Auf dem 17 000 Quadratmeter großen Areal zwischen Göppingen und Eislingen dominieren Betontrümmer das Bild. Dort soll ein neues Nahversorgungszentrum mit Aldi-Discounter, Drogeriemarkt, Textil-Geschäft und Schuh-Anbieter sowie einigen kleineren Laden-Einheiten für  Frisöre oder ähnliches  entstehen. Doch bei diesen vor zwei Jahren publik gemachten Plänen des Ulmer Drogeriemarkt-Riesen Müller ist Sand ins Getriebe geraten. Schuld daran ist aber nicht die Lokalpolitik. Im Göppinger Gemeinderat stieß das Einkaufszentrum am Rande der Stadt auf ganz überwiegende Zustimmung. Die Bürgervertreter hoffen, dass weggebrochene Einkaufsmöglichkeiten in den nahen Wohngebieten Bodenfeld und Bruckwasen kompensiert werden.

Im Bebauungsplanverfahren hatten hingegen die Einzelhandelsexperten vom Regierungspräsidium einige Bedenken geäußert. Wie so oft ging es in den seitenlangen Schreiben unter anderem darum, welche Flächen für ein Sortiment zur Verfügung stehen, das normalerweise den Innenstädten vorbehalten ist. Außerdem wiesen die Planer darauf hin, dass neue Handelszentren in die vorhandene Geschäfts- und Siedlungsstruktur integriert sein müssen. Denn sonst besteht die Gefahr, dass  die Innenstädte und Stadtteilzentren ausbluten, während sich die Stadtränder zu blühenden Einkaufsschwerpunkten entwickeln. Großflächiger Einzelhandel sei  dort also nur für die Grundversorgung zulässig.

Von der Industrie- und Handelskammer gingen ebenfalls Bedenken ein. Und auch die Nachbarstadt Eislingen schlug vor, das Konzept zu überarbeiten. Die Stadt sah sich zum Handeln gezwungen. Am Donnerstagabend stellte die Stadtplanerin Susanne Mehlis den geänderten Entwurf vor, der nun wieder ins Verfahren geht. Konsequenz: Der Müller-Markt soll statt 1000 Quadratmetern nur 800 haben. Das ist auch die Maximalfläche für andere Branchen. Der geplante Markt für Haushaltsgeräte fällt weg. Die kleinteilige Einzelhandelsnutzung wird sich auf 240 Quadratmeter Verkaufsfläche reduzieren. Die Firma Aldi muss sich verpflichten, nach dem Umzug in den Neubau den bisherigen Standort nicht weiter für Handel zu nutzen.

Insgesamt strebt die Stadt nach den Einwänden aus Stuttgart an, sich mit der Überarbeitung des Konzepts deutlich auf die Nahversorgungsfunktion zu fokussieren. Allerdings haben die großflächigen Schuh- und Textilhändler mit insgesamt 1500 Quadratmetern Bestandsschutz. Erweiterungen der Handelsflächen sollen jedenfalls ausgeschlossen werden. Vor allem über die Verkleinerung des Müller-Marktes sei „zäh verhandelt“ worden, berichtete Stadtplanerin Susanne Mehlis. „Die waren natürlich nicht begeistert.“

Ins Märklin-Museum darf kein Einzelhandel

Nachbarschaft: Gegenüber vom geplanten Nahversorgungszentrum liegt ebenfalls an der Ulmer Straße das bisherige Märklin-Museum. Das Gebäude wird auf absehbare Zeit frei, weil das Museum an den Märklin-Stammsitz im Westen der Stadt umziehen wird.

Verbot: Doch obwohl in dem Gebäude  früher ein Baumarkt untergebracht war, wird dort künftig kein Einzelhandel mehr zugelassen. Stadtplanerin Susanne Mehlis bestätigte, dass es schon einige Anfragen gebe. Die Stadt will Handel aber ausschließen. Das sorgte bei manchem Stadtrat für Stirnrunzeln.

Begründung: Baubürgermeister Helmut Renftle erklärte den Unterschied. Im B10-Center waren bisher schon Handelsflächen angesiedelt, am Standort des Märklin-Museums sei das nicht der Fall.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel