Gastronomie Tanzcafé: DJ Bernhard geht in Rente

Bernhard Renz macht nach mehr als 30 Jahren Schluss. Der 68-Jährige übergibt das gleichnamige Tanzcafé an einen neuen Betreiber.
Bernhard Renz macht nach mehr als 30 Jahren Schluss. Der 68-Jährige übergibt das gleichnamige Tanzcafé an einen neuen Betreiber. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Peter Buyer 28.12.2017
Fast 33 Jahre hat er das Tanzcafé Renz umgetrieben: Bernhard Renz. Jetzt kommt der Ruhestand. Vorher erzählt er vom Tanz vor und hinter der Theke.

Das Jahr 1985: Michael Gorbatschow übernimmt die Macht in Moskau, Boris Becker gewinnt zum ersten Mal in Wimbledon. Und in Göppingen? Gerda und Bernhard Renz wagen es, machen das Tanzcafé Renz auf. Am 1. Mai 1985 laden sie die Göppinger zum Tanz. Jetzt hört Bernhard Renz auf, nach 32 Jahren und acht Monaten hinter der Theke und am Plattenteller. Er ist jetzt 68 und so langsam reicht es. Die gute Nachricht: Im Renz geht es weiter, mit Stefan Ehricke kommt ein neuer Betreiber (siehe Infobox).

Bernhard Renz setzt sich also zur Ruhe. Vorher muss er aber noch erzählen, wie das so war in der Heinrich-Landerer-Straße, über drei Jahrzehnte lang. „Erstmal wurde umgebaut“, sagt er und zeigt auf die Wände. „Hier war früher eine Werkstatt für Busse und Lastwagen.“ Also Busse raus, Theke, Tische, Tanzfläche rein. Zusammen mit seiner Frau Gerda schmeißt er den Laden. Tagsüber repariert er in seiner Werkstatt nebenan noch Autos, er ist gelernter Karosseriebauer und Lackierer.

Kaffee mit reichlich Kuchen

Damit hört er aber bald auf, widmet sich ganz dem Tanzcafé. Denn im Renz ist einiges los in den 80er und 90er Jahren. Unter der Woche Diskothek, am Wochenende Tanz bis in den frühen Morgen. Und am Sonntagnachmittag Tanztee. Statt Tee meist mit Kaffee und immer mit reichlich Kuchen, „natürlich vom Berner“, sagt Renz. „Es war voll, fast alle Tische reserviert“, erinnert sich Renz an die alten Zeiten. Nach der Torte kommt Bewegung auf die glattpolierte Tanzfläche. Und immer samstags gibt es Livemusik: „Moonlight, Sunlight“, Renz kennt die Namen der Tanzkapellen noch. Bis sich 1999 alles ändert, seine Frau Gerda stirbt. Renz überlegt und macht alleine weiter. Bis heute.

Auf der Tanzfläche war er in den vergangenen Jahrzehnten eher selten zu finden. „Ich habe mal einen Grundkurs gemacht“, erzählt er. Als Fußballer war ihm die Beinarbeit aber nicht fremd, beim TV Jahn angelte und spitzelte er früher als Verteidiger die Bälle von den Füßen der gegnerischen Angreifer, der ein oder andere wurde wohl auch von den Beinen geholt. Renz selbst gilt beim Publikum im Tanzcafé als standfest. Auch, weil er gern mit seinen Gästen anstößt. Aber nur selten ist in dem „Asbach gespritzt“, den er trinkt, auch Asbach drin, schließlich muss Renz bis 2 Uhr durchhalten und die richtige Musik auflegen.

Das wird er vermissen, ein Lächeln macht sich in seinem Gesicht breit: „Nach dem Walzer hau‘ ich eine Disco-Runde rein, da geht keiner von der Tanzfläche. Und wenn doch, dann zahlt der die nächste Runde.“ Die erste geht ohnehin immer aufs Haus, bei guten Stammkunden gehört sich das so, findet Renz.

Überhaupt, es geht persönlich zu im Renz. „Von acht bis neun ist fast nur Begrüßung, Küsschen rechts und Küsschen links.“ Danach sorgt der Chef als DJ Bernhard für Bewegung. Mit Walzer, Schlager, Rock ’n’ Roll. Viele Gäste sind mit dem Café und Renz älter geworden, Hauptkundschaft ist die Generation 50plus. Renz erzählt von Gerhard. „Der ist seit der Gründung dabei, steht immer an der gleichen Stelle an der Theke, mit Anzug und Krawatte. Bestellt Schwarztee, Wasser, ein Achtele und Nuss-Eis.“ Früher habe Gerhard viel getanzt, jetzt wartet er eher darauf, dass ihn eine Dame auffordert. Oder Petra und Johann. „Die haben sich hier bei mir kennen gelernt.“ Früher kamen sie viermal in der Woche, seit sie verheiratet sind immerhin noch freitags und samstags. Und: Sie sind noch verheiratet.

Renz hat von seinem Platz hinter der Theke viele Beziehungen und Paare kommen und gehen sehen: „Ich könnte ein Buch schreiben über Beziehungskisten, das würde eine dreibändige Bibel.“ Aber er schreibt natürlich nicht, als guter Gastgeber behält Renz das lieber für sich. Wenn er sein Tanzcafé übergibt, bleiben ihm und seinen Gästen viele Erinnerungen.

Neueröffnung am 6. Januar

Fortsetzung Kaum ist die Abschiedsparty vorbei und Bernhard Renz in Rente, geht es in der Heinrich-Landerer-Straße auch schon wieder los. Stefan Ehricke übernimmt. Ehricke ist mit 37 Jahren ungefähr so alt wie Renz zur Zeit der Gründung des Tanzcafés. Und kommt wie Renz aus der KFZ-Branche, er ist KFZ-Sachverständiger. Der neue Mann, der „schon lange mit der Gastronomie-Branche liebäugelt“, will ein bisschen umbauen, aber auch an Bewährtem festhalten: Der Name bleibt, das Tanzcafé Renz geht ins 33. Jahr. Wie gehabt jeden Freitag- und Samstagabend, bis 2 Uhr am nächsten Morgen.

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