Göppingen Tag der offenen Tür im Müllheizkraftwerk

Göppingen / AXEL RAISCH 29.06.2015
Um die Themen "Energie und Klimaschutz" drehte sich der Tag der offenen Tür beim Müllheizkraftwerk. Mit Führungen durch die Anlage und Rahmenprogramm feierte dieses sein 40-jähriges Bestehen.

Führungen und Begleitprogramm - die Verantwortlichen hatten sich viel einfallen lassen um das 40-jährige Bestehen des Göppinger Müllheizkraftwerks mit der Bevölkerung zu feiern. "Wir wollten sehen, was mit unserem Müll passiert und die Kinder waren vor allem an der technischen Ausstattung interessiert", erzählt Michael Kessel, der mit Frau und seinen beiden Söhnen gekommen war. Vor allem der Blick in den Müllbunker, und den Verbrennungskessel sei interessant gewesen. "1000 Grad, eine immense und faszinierende Zahl, nicht nur für Kinder."

An der Anlage wurden die Besucher mit Helm und Schutzbrille ausgerüstet am Aufzug empfangen und von dem Auszubildenden zum Industriemechaniker Max Brusenbach und seinen Kollegen mit einem Aufzug 30 Meter an den höchsten Punkt der Anlage gebracht. Nach einem Blick in den Kessel und über die umliegende Gegend ging es über den Rundgang ab Höhenmeter 13 wieder bis ins Erdgeschoss. Auf diesem Weg erfuhren die Besucher Wissenswertes über die Anlage, die vor rund anderthalb Jahren von der EON in den Besitz der mittelständischen EEW (Energy from Waste GmbH) wechselte.

In Göppingen wird Restmüll sowohl von Haushalten als auch Industriebetreiben hauptsächlich aus dem Kreis Göppingen sowie dem Schwarzwald-Baar-Kreis thermisch in Wärme und Energie umgewandelt, erklärt Produktionsleiter Hagen Groll. Muss der Betrieb nach der einmal pro Jahr stattfindenden rund dreiwöchigen Revision wieder hochgefahren werden, geschieht dies zuerst durch die Verbrennung von Öl, erläuterte Schichtleiter Harald Breitsprecher. Denn erst wenn die Verbrennungstemperatur von 850 Grad erreicht ist, darf Müll verbrennt werden, um Dioxine und Furane zuverlässig zu spalten und damit unschädlich zu machen.

Um die Reparaturen und Reinigungen während der Revision durchführen zu können, sei ein sehr gutes Müllmanagement nötig, sagt Produktionsleiter Groll. Dies geschieht zum einen über den Müllbunker, der rund 3200 Tonnen fasst, sowie über zentrale Vertriebslager der EEW, die 17 weitere Kraftwerke in Deutschland betreibt.

Mit der beim Verbrennungsprozess entstehenden Wärme in einer Größenordnung von jährlich rund 55.000 Megawattstunden werden die Alb-Fils-Klinik auf dem Eichert, das Wohngebiet Bergfeld sowie die Bereitschaftspolizei über Fernwärmeleitungen versorgt. Ins Stromnetz eingespeist werden pro Jahren 63 000 Megawattstunden, Strom für durchschnittlich 19.000 Haushalte. Dafür werden jährlich rund 155.000 Tonnen Müll thermisch verwertet. "Wir fahren Volllast", kann Hagen Groll daher zufrieden erklären. Zugelassen ist das Göppinger Kraftwerk bis 157.680 Tonnen.

Auf der Plus-Seite stehen im Göppinger Müllheizkraftwerk die Einnahmen durch Müllanlieferung, Strom- und Wärmeabgabe. Dagegen müssen die Göppinger für den Abtransport der Schlacke nach Wiesbaden und die Entsorgung der Asche bezahlen. Kraftwerkmeister Orhan Budak betont, dass neben der Versorgungssicherheit der angeschlossenen Fernwärmeempfänger, die Sicherheit im Betrieb und die Einhaltung der Grenzwerte sehr wichtig seien. Auf einem Monitor zeigt er die Emissionsbalken, die außer den Stickstoffwerten praktisch nicht vorhanden sind.

Der Umweltaspekt kam im Rahmenprogramm zum Ausdruck. Klimaschutz spielte am Stand des Landkreises, an dem sich Besucher als "Klimahelden" ablichten lassen konnten, am E-Bike-Stand des Albstore oder am Stand des Bremerhavener Klimahauses eine Rolle: "Den Veranstaltern war es wichtig, an diesem Tag Partner zu haben, die das Thema Klimaschutz besetzen", sagte Jens Tanneberg, Leiter Wissenschaft und Bildung des Klimahauses in Bremerhaven.

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