Göppingen Täter ist süchtig nach Kinderpornos

Göppingen / MIRIAM KAMMERER 05.02.2014
Wegen Verbreitung und Besitz kinderpornografischer Schriften wurde jetzt ein 52-Jähriger zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt.

Mehr als 1500 Bild- und Filmdateien mit kinder- und jugendpornografischem Inhalt wurden in der Wohnung eines Mannes aus einer Voralbgemeinde beschlagnahmt. Das war vergangenen März. Auf den Dateien seien oral-, anal-, und vaginalpornografische Handlungen unter Kindern und Jugendlichen und mit ihnen zu sehen gewesen, heißt es in der Anklage. Jetzt musste sich der 52-Jährige vor dem Göppinger Amtsgericht für Besitz und Verbreitung dieser Bilder und Dateien verantworten.

Im Laufe der Verhandlung wurde deutlich, dass der Angeklagte über einen längeren Zeitraum hinweg das pornografische Material gesammelt und in mehreren Fällen auch tatsächlich verbreitet hatte. Auf die Schliche kam ihm die hiesige Kriminalpolizei durch einen Hinweis aus Niedersachsen. Offenbar gibt es auf Plattformen, von denen kinderpornografischer Inhalt heruntergeladen werden kann, immer wieder Köder. Die Dateien seien dann so bezeichnet, dass Nutzer der Seiten auf pornografischen Inhalt schließen können, erklärte der Verteidiger des Täters.

„Eigentlich tun sie mir leid, dass sie das alles angucken müssen.“

Durch diesen Köder konnte einer der Computer des Mannes geortet werden. Sehr überrascht habe der Mann bei der Durchsuchung nicht gewirkt, gab der zuständige Sachbearbeiter von der Kriminalpolizei zu Protokoll. Er sei sofort geständig gewesen und habe sich kooperativ verhalten. Auch zum Zeitpunkt der Durchsuchung habe der Mann etwas heruntergeladen. Mehrere Festplatten, zwei Computer, DVDs und CDs wurden beschlagnahmt und untersucht. Der Angeklagte habe gesagt: „Eigentlich tun sie mir leid, dass sie das alles angucken müssen.“

So etwas habe er in seiner Laufbahn noch nicht erlebt, sagte der Kriminalbeamte. Sehr strukturiert seien die Dateien gewesen, ergänzte er. Er habe erkennen können, dass der Täter sich intensiv mit der Materie auseinandergesetzt habe.

Auch vor Gericht war der Mann geständig. Während der Verhandlung wirkte er stellenweise verwirrt, hatte immer wieder die Augen geschlossen. Der Verteidiger sagte, dass das Verhalten seines Mandanten eine Sucht sei, verbunden auch mit gelegentlichem Alkoholmissbrauch. Seit Mitte Januar geht der Mann seinem Beruf nicht mehr nach. Er sei krankgeschrieben, unter anderem wegen einer mittelschweren Depression. Er lasse sich ambulant behandeln und bemühe sich um stationäre Behandlung, erklärte der Mann. Bisher sei er abgewiesen worden, die betreffende Klinik wolle ihn nicht zusammen mit möglichen Missbrauchsopfern unter einem Dach behandeln. Dem Alkohol habe er auch abgeschworen.

Der Angeklagte ist Vater zweier Kinder und arbeitslos

Der Angeklagte ist selbst Vater zweier Kinder, denen er nie etwas angetan habe, wie er betonte. Seit mehr als zehn Jahren ist er geschieden. Er war in der Vergangenheit immer wieder arbeitssuchend. Sein Anwalt beschreibt ihn als sozial isoliert.

Der 52-Jährige wurde zu einer Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren verurteilt, trägt die Kosten des Verfahrens und muss 2000 Euro an den Kinderschutzbund zahlen. Richterin Friederike Späth hielt ihm zwar das Geständnis zugute und auch die Einsicht, dass er zu einer Therapie muss, dennoch sei es ein „erheblicher Umfang“ an Porno-Dateien gewesen, den der Mann in seinem Besitz hatte.