Göppingen Symbolik von Pflanzen und Tieren auf Grabsteinen

"Trauerarbeit ist Liebesarbeit. Die sollte auch in der modernen Friedhofskultur erlaubt sein": Anita Halter (links) erläuterte beim Sommer der Ver-Führungen auf dem Göppinger Hauptfriedhof die Symbolik von Pflanzen und Tieren auf Grabsteinen. Foto: Margit Haas
"Trauerarbeit ist Liebesarbeit. Die sollte auch in der modernen Friedhofskultur erlaubt sein": Anita Halter (links) erläuterte beim Sommer der Ver-Führungen auf dem Göppinger Hauptfriedhof die Symbolik von Pflanzen und Tieren auf Grabsteinen. Foto: Margit Haas
Göppingen / MARGIT HAAS 08.08.2012
Mehr Mut zu Empfindungen und Gefühlen und zur Individualität - das regt Anita Halter an. Beim Gang über den Göppinger Hauptfriedhof erklärte sie Symbolik von Pflanzen und Tieren auf Grabsteinen.

Der Geist einer Gesellschaft zeigt sich auf ihren Friedhöfen. "Wir leben in vorgefertigten Wohnungen und sind Norm-Menschen geworden. Das spiegelt sich in unserer Friedhofskultur wieder", stellt Anita Halter fest. Auf Einladung des Göppinger Hauses der Familie erläuterte sie, welche Botschaften Pflanzen- oder Tierdarstellungen auf Grabsteinen vermitteln sollen. Und machte dabei gleichzeitig Mut zu mehr Individualität. "Warum nicht einen Menschen in seiner besonderen Bedeutung für die Gesellschaft ehren?", fragte sie. Und stellte gleichzeitig fest: "Wir leben in so vielen Dingen sehr bewusst. Warum führen wir dies nicht auch auf dem Friedhof fort?" Denn Trauerarbeit sei Liebesarbeit. Anita Halter: "Die sollte auch in der modernen Friedhofskultur erlaubt sein."

Freilich sei der Tod aus der heutigen Gesellschaft weitgehend verbannt, die meisten Menschen wollen sich dem Thema nicht stellen.

Und so war auch die Gruppe klein, die sich mit Anita Halter auf den Weg zu dem über 100 Jahre alten Friedhof gemacht hatte. Die Teilnehmer freilich hatten so die Möglichkeit, untereinander und auch mit der Gästeführerin eigene Erfahrungen und Empfindungen zu diskutieren. Dabei wurde deutlich, dass die Eindeutigkeit früherer Symbolik in der modernen Friedhofskunst verloren gehen kann und Raum für Interpretation lässt. In einer Skulptur für eine Frau, die nur 50 Jahre alt geworden war, sieht Anita Halter "den irdischen und himmlischen Weg", einer Teilnehmerin ist sie Anklage.

Klar ist dagegen, wofür ein Palmblatt steht. Schon den Ägyptern war es "Sinnbild für den Einzug Gottes". In frühchristlicher Kunst stand es für "Hoffnung, Frieden, Keuschheit, für die Wissenschaft und die Kirche". Auch das Lorbeerblatt ist ein uraltes Sinnbild. Es steht auch "für den Sieg über das eigene Selbst". Zum Kranz geflochten wird es zum Herrschersymbol. Der Kranz, in dem sich "das Göttliche vollendet", sei "bis heute das zentrale Element der Bestattungskultur".

Die Lilie war bereits den Griechen und Römern der Antike das Symbol für Reinheit und Jungfräulichkeit und wurde in Christentum zum Mariensymbol schlechthin. "Als Grabpflanze steht sie für den Sitz der Seele", erklärte die Expertin. Ein männlicher Trauernder, der "Todesgenius", sei der Schutzgeist der Trauernden, der aber immer distanziert wirke.

Die Jungfrau Maria gebiete über Himmel, Erde und Hölle. Sie besiege die bösen Mächte. Diese werden im Christentum von der Schlange symbolisiert. "In der modernen Friedhofssymbolik ist sie nicht mehr vertreten", wusste Anita Halter zu berichten. Und dabei habe die Schlange in allen Kulturen eine ganz zentrale Rolle in den Schöpfungsmythen gespielt, stand für Fruchtbarkeit, Klugheit, Weissagung und Sexualität. Die Häutung wurde als Bild für die Ewigkeit angesehen. Heute freilich ist sie "das Urbild des Bösen und des Teufels".

In einem Mausoleum verbindet sich eine ganze Reihe von Symbolen. Neben der Lorbeergirlande ist ein Engel mit einer abgeknickten Rose zu sehen. Die Rose verkörpert die Verbindung des Schöpfers mit dem Menschen. Je nach ihrer Farbe erhält sie im Christentum eine andere Bedeutung: Rot steht für die Liebe, Weiß für den Tod und die Demut der Gottesmutter.

Von Bedeutung seien auch die Bäume. "Sie verbinden Werden und Vergehen. In ihnen sollen die Seelen der Verstorbenen weiter leben", so Halter. Gerade die Trauerweide habe eine besondere Dimension. Im Volksglauben ging man davon aus, dass sie Krankheiten aufnehme. Das war nicht falsch. Denn Aspirin wurde ursprünglich aus der Rinde der Weide gewonnen.

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