Göppingen Südamerika zu Gast auf dem Hohenstaufen

SABRINA ORTWEIN 30.03.2013
Bei der diesjährigen Kammermusik-Akademie in Hohenstaufen sind fünf Musiker aus Südamerika vertreten. Sie erzählen, wie die Bedingungen in ihren Heimatländern sind, um als Musiker bekannt zu werden.

Musiker zu werden ist für viele ein Traum, der unerreichbar scheint. Mit der Musik auch noch Geld zu verdienen scheint da fast utopisch zu sein. Doch fünf Musiker aus Kolumbien und Venezuela haben das geschafft, wovon viele nur träumen können. Wie in Südamerika die Bedingungen sind, um Musiker zu werden, haben die Talente der Kammermusik-Akademie in Hohenstaufen erzählt.

Sandra Parra ist in Kolumbien geboren und wohnt mittlerweile in der Schweiz. Für sie war es nicht ganz einfach, Musiker zu werden. "Von der Regierung in Kolumbien gibt es nicht viel Geld für junge Talente, deshalb habe ich in Venezuela studiert", erzählt die 25-Jährige. Es sei eine teure Ausbildung gewesen. Mithilfe von Professoren habe sie dort ein Stipendium bekommen. Venezuela sei für sie eine Brücke gewesen, um nach Europa zu kommen. José Gabriel Pi·a ist in Caracas, der Hauptstadt Venezuelas, geboren und wohnt mittlerweile in Wien. In Caracas seien die Bedingungen für Musiker besser, weshalb es für ihn vergleichsweise einfach gewesen sei, Teil von "El Sistema", einem wichtigen Jugendorchester Venezuelas, zu werden. Dort hatte er die Möglichkeit gehabt, Musik zu machen. Mit 19 Jahren kam der heute 21-Jährige nach Wien: "In Österreich ist meiner Meinung nach die Musik geboren. Dort ist alles mit viel Tradition verbunden. Ich habe immer davon geträumt, in Österreich zu studieren."

Auch für Ricardo Urbina, der in der zweitgrößten Stadt Venezuelas aufgewachsen ist, wurde es erst einfacher, als er ein Teil von "El Sistema" wurde. Ana Paola Alarcon wuchs ebenfalls in Caracas auf. Für sie war der Einstieg in die Musikbranche bereits früh geebnet, da sie schon als Kind im "Sistema" war. Sie ist froh, in der Hauptstadt aufgewachsen zu sein: "In Caracas sind die wichtigsten Universitäten, Professoren und Schulen." In den sechs Jahren, die Dozent Simón Gollo in "El Sistema"war, hat er mit vielen Kindern zusammengearbeitet: "Mir war es immer wichtig, den Talenten zu helfen, ihr Leben mit der Musik aufzubauen. Talente sollten jedoch nach Nordamerika oder Europa gehen, denn dort haben sie mehr Möglichkeiten." Das Projekt in Hohenstaufen sei ein guter Anfang für die jungen Künstler. Diese sind stolz und dankbar, bei der Kammermusik-Akademie dabei zu sein. Simón Gollo bringt es auf den Punkt: "Sara Rilling ist eine ganz besondere Person. Sie hat ein gutes Herz. Das Projekt ist klasse, da für die jungen Talente alles umsonst ist und weil hier viele Kulturen zusammenkommen." Dieser Ansicht stimmen die Teilnehmer zu.