Göppingen Streitbare Autoren zu Gast im Mögy

Göppingen / Annerose Fischer-Bucher 13.03.2018
Über ein bedingungsloses Grundeinkommen sprachen die Autoren Friedrich und Weik im Mörike-Gymnasium.

 Die Digitalisierung wird die Mittelschicht vernichten und was machen wir mit den Menschen, die infolge der fortschreitenden Digitalisierung keine Arbeit mehr haben?“ – Unmissverständliche Antwort auf die Grundthese samt Anschlussfrage durch die Bestseller-Autoren Marc Friedrich und Matthias Weik bei ihrem Vortrag im Mörike-Gymnasium: „Nur durch ein bedingungsloses Grundeinkommen kann die Gesellschaft diese Menschen auffangen.“

Für radikale Steuerreform

Und die beiden streitbaren Ökonomen aus dem Remstal schieben gleich mehrere flankierende Forderungen nach: Die Finanzmärkte müssten streng reguliert werden, Europa müsse eine starke Wirtschaftsunion sein und es brauche eine radikale Steuerreform. Es werde Leistung besteuert, Innovation werde im Keim erstickt und das viel zu komplizierte System, ein Dschungel mit über 40 Steuern, sei regelrecht unfair, unsozial und ungerecht. Mit einer direkt zu bezahlenden Mehrwertsteuer als reiner Konsumsteuer würde Gerechtigkeit hergestellt, indem auch Reiche angemessen zur Kasse gebeten würden. Damit könne ein bedingungsloses Grundeinkommen von 1000 Euro – zunächst für Kinder und Rentner – bezahlt werden.

„Den Politikern“ stellten die beiden Autoren ein schlechtes Zeugnis aus: „Sie checken es nicht.“ Sie selbst hätten dagegen mit ihren Büchern – vor allem mit dem neuesten „Sonst knallt’s“ – ein überparteiliches Programm aufgestellt, wie der zunehmenden Altersarmut zu begegnen sei. Sie seien weder „Pessimisten, noch Optimisten, sondern Realisten“, sagten die beiden, die sich bei ihrem Vortrag in der Reihe „querdenkenermöglychen“ der Gesellschaftswissenschaften am Mögy gegenseitig die Bälle zuwarfen und das Publikum in der vollen Mensa geschickt in ihren Disput einbezogen.

Die Reduzierung der Arbeitskräfte um geschätzte 30 bis 40 Prozent bei gleichem Output lasse gar keine andere Wahl als das bedingungslose Grundeinkommen, sind Friedrich und Weik überzeugt. Heute gebe es selbstlernende Maschinen und man erschließe keine neuen Märkte mehr. Außerdem arbeiteten 25 Prozent aller Arbeitnehmer in Deutschland jetzt schon im Niedriglohnsektor.

Der Euro als Bösewicht

Zuvor hatten die beiden Autoren den Euro als Bösewicht ausgemacht, der für den Norden Europas zu schwach und für den Süden zu stark sei. Er zerstöre Europa und mache das Erstarken populistischer Parteien möglich. Sie waren auf die verschiedenen Krisen eingegangen und kritisierten die Politik des Gelddruckens und des Vollpumpens der Märkte durch die EZB. Das komme irgendwann in der Realwirtschaft an, denn mit Schulden könne man keine Schulden zurückzahlen. Friedrich und Weik prognostizierten deshalb eine schwere Krise in den kommenden fünf Jahren, wenn nicht radikal umgesteuert werde.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel