Göppingen Streit: Kirchengemeinderat St. Maria droht mit Rücktritt

© Foto: Giacinto Carlucci
JOA SCHMID 20.03.2013
Der Streit unter Göppingens Katholiken eskaliert. Pfarrer Jürgen Sauter wirft enttäuscht das Handtuch und der Kirchengemeinderat droht mit Rücktritt.

Während die Kirche in Rom mit dem neuen Papst Franziskus einem Aufbruch entgegenfiebert, sorgt unter Göppingens Katholiken ein Dauerstreit für Untergangsstimmung. Jüngster Höhepunkt der Auseinandersetzung um angebliche Misswirtschaft in der Stiftung St. Stephanus: Der stellvertretende Vorsitzende des Kirchengemeinderats von St. Maria, Erhard Wetzel, droht öffentlich mit dem Rücktritt des gesamten Gremiums. Wetzel und Teile seiner Kollegen fühlen sich von der Diözese Rottenburg nicht ernst genommen. Wetzel spricht von monatelanger Hinhaltetaktik und Maulkörben, mit denen die Kirchengemeinderäte drangsaliert worden seien. Schriftliche Hilfeersuchen habe das Ordinariat nicht einmal beantwortet.

Hilfe hatte man sich im Streit zwischen Pfarrer Jürgen Sauter und Gesamtkirchenpfleger Georg Kolb erhofft. Nachdem am Wochenende bekannt wurde, dass Sauter sich um eine neue Pfarrstelle bewerben will, weil ihm der Konflikt so stark zugesetzt habe, dass für ihn ein Verbleib in Göppingen nicht mehr möglich sei, ist vollends Feuer unter dem Dach. Dabei hatte die Diözese den Streit schon für beendet erklärt. Doch die Neustrukturierung der Arbeitsfelder - Kolb wurde ein Finanzfachmann zur Seite gestellt, Sauter delegierte seine Funktion als Dienstvorgesetzter des katholischen Verwaltungszentrums an Dekan Dietmar Hermann - brachte nicht den gewünschten Erfolg.

Nur wenige Wochen, nachdem die neue Arbeitsteilung bekannt gegeben wurde, steht die katholische Kirche in Göppingen vor einem Scherbenhaufen. Nicht nur der Wechsel von Pfarrer Jürgen Sauter aus der Seelsorgeeinheit Christkönig-Sankt Maria nach Oberschwaben treibt die Katholiken um, auch der gleichzeitige Abgang von Dekan Dietmar Hermann sorgt für Zukunftsängste. Zwar hat der Wechsel von Hermann am Jahresende in die Seelsorgeeinheit Reutlingen-Nord nichts mit dem Göppinger Stiftungsstreit zu tun. Dennoch fragen sich die Gemeindemitglieder, wer, wenn nicht er, den Konflikt lösen soll.

Hermann, der sich die Rücktrittsdrohung des Kirchengemeinderats mit Emotionen erklärt, die nach dem Abschied eines Pfarrers nicht selten seien, mahnt zur Besonnenheit. Der Dekan appelliert an die Hitzköpfe, jetzt Schritt für Schritt den von der Diözese eingeleiteten Weg weiter zu gehen. Ob das funktioniert bezweifelt zumindest der Leiter der Geschäftsstelle des katholischen Ordinariats Felix Müller. Er hat Verständnis für die Verärgerung der Ehrenamtlichen: "Kolb hat weniger Arbeit und bekommt die gleiche Bezahlung und Pfarrer Jürgen Sauter geht, die beanstandeten Missstände sind aber immer noch da, wo bleibt da die Gerechtigkeit?"

Die Diözese zeigt sich überrascht von dem neuerlichen Hochkochen des Stiftungs-Streits und bietet erneut Gespräche an, wie Pressesprecher Uwe Renz gegenüber der NWZ bestätigt. "Der Konflikt ist allerdings schwer zu lösen, weil sich emotionale und sachliche Elemente vermengen." Gesprächsbedarf sieht auch Gesamtkirchenpfleger Georg Kolb. Er lässt allerdings durchblicken, dass er den von so vielen gewünschten Neuanfang durch den Weggang von Pfarrer Sauter nicht bedroht sehe. Im Gegenteil.