Göppingen Streit um Straßen geht weiter

Der Kreisverkehr in Rechberghausen gestern Nachmittag: Wie kann die Schurwaldgemeinde vom täglichen Verkehrskollaps befreit werden? Die Göppinger sagen: Nicht auf unsere Kosten. Das hat jetzt auch der Gemeinderat ohne Gegenstimme beschlossen.
Der Kreisverkehr in Rechberghausen gestern Nachmittag: Wie kann die Schurwaldgemeinde vom täglichen Verkehrskollaps befreit werden? Die Göppinger sagen: Nicht auf unsere Kosten. Das hat jetzt auch der Gemeinderat ohne Gegenstimme beschlossen. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Helge Thiele 03.07.2018
Die Stadt Göppingen ist gegen eine Ortsumfahrung von Rechberghausen – selbst wenn diese nicht über Göppinger Markung führen würde.

Wenn am kommenden Donnerstag in Rechberghausen um 18.30 Uhr der Gemeinderat tagt, wird es auch wieder um das Hauptärgernis im Ort gehen: die hohe Verkehrsbelastung auf der B  297. In der Sitzung unter Leitung von Bürgermeisterin Claudia Dörner soll über die „aktuellen Entwicklungen“ berichtet und die „weitere Vorgehensweise“ beraten werden. Die Rechberghäuser sehen sich mit einer klaren Botschaft aus der Nachbarstadt  konfrontiert: Bei einer Enthaltung hat der Göppinger Gemeinderat am vergangenen Donnerstag die Regionalversammlung erneut dazu aufgefordert, die im Entwurf des Regionalverkehrsplans aufgeführte Ortsumfahrung von Rechberghausen „ersatzlos“ zu streichen. Denn auch mit einer Umgehungsstraße, die nicht über Göppinger Markung führen würde, ist die Hohenstaufenstadt nicht einverstanden, da befürchtet wird, dass Göppingen und die ohnehin schon geplagten Anlieger der B 297 die Leidtragenden wären, weil noch mehr (Schwerlast-)Verkehr über die Sternkreuzung und auf der Lorcher Straße rollen würde. In der jüngsten Gemeinderatssitzung, die von zahlreichen Bürgern im Rathaus verfolgt wurde, sagte Oberbürgermeister Guido Till: „Göppingen hat eine gleich große Belastung wie Rechberghausen und Wäschenbeuren, eine Umfahrung Göppingens ist im Regionalverkehrsplan aber nicht vorgesehen. Was wir überhaupt nicht können, ist, auch noch ein Verkehrsproblem einer anderen Gemeinde zu lösen. Wir reden nicht gegen Rechberghausen. Ich appelliere aber an die Gemeinde, nach innerörtlichen Lösungen zu suchen. Wir können Ihnen nicht behilflich sein.“ Erneut kritisierte OB Till den „viel zu kleinen Kreisverkehr“ in dem Schurwaldort, durch den das „Problem hausgemacht“ sei.

Letztlich, das steht auch im Beschlussantrag, den die Göppinger Stadträte annahmen, hält Göppingen eine Entlastung des Ortskerns von Rechberghausen, aber auch von Göppingen nur durch „eine großräumige Gesamtumfahrung“ für möglich, die die B 297 von Lorch bis Göppingen beziehungsweise bis zur B 10 und A 8 beinhaltet und „die Überlastungen aller betroffenen Ortsdurchfahrten berücksichtigt“. CDU-Stadtrat Jan Tielesch, der auch Mitglied der Regionalversammlung ist, stieß ins gleiche Horn, als er feststellte: „Zu einer klugen Verkehrspolitik in der Region tragen nicht 179 Ortsumfahrungen bei.“ So viele Kommunen hat die Region Stuttgart. Besondere Bedeutung erhielt die Diskussion vergangene Woche im Göppinger Rathaus auch durch die Anwesenheit von Thomas Kiwitt, dem Leitenden Technischen Direktor des Regionalverbands. Auch er betonte, es gehe in der Verkehrsplanung um eine „regionale Gesamtschau“ und „nicht um die Betrachtung von Einzelmaßnahmen“.

Gerade die Einzelmaßnahme mit der Nummer 282, „lokale Entlastung Rechberghausen“, hatte jedoch in den vergangenen Wochen für viel Aufregung und politischen Zündstoff gesorgt. Der ursprüngliche Entwurf des Regionalverkehrsplans enthielt eine Rechberghäuser Ortsumfahrung mit einer Trasse auch über Göppinger Gemarkung. Nach der Intervention durch die Stadt Göppingen wurde diese Umgehung aus dem Entwurf herausgenommen. Auf Antrag der Fraktion der Freien Wähler, der auch der ehemalige Rechberghäuser Bürgermeister Reiner Ruf angehört,  wurde die Umfahrung im Verkehrsausschuss der Regionalversammlung wieder mit höchster Priorität im Entwurf aufgenommen – allerdings ohne eine konkrete Trassenführung. Das letzte Wort hat nun am 18. Juli die Regionalversammlung.

Am 18. Juli entscheidet die Regionalversammlung

Die Region Stuttgart mit ihren insgesamt 179 Städten und Gemeinden umfasst zehn Prozent der Landesfläche, aber 25 Prozent der Bevölkerung und 30 Prozent der baden-württembergischen Wirtschaftskraft. Die Verkehrsplanung ist eine der wichtigsten gesetzlichen Aufgaben des Verbands Region Stuttgart. Der neue Regionalverkehrsplan, den die gewählten Mitglieder der Regionalversammlung am 18. Juli endgültig beschließen, beinhaltet 300 Einzelmaßnahmen. Davon fallen 211 in eine der fünf Dringlichkeitsstufen. Der Regionalverkehrsplan ist jedoch kein Bau- oder Finanzierungsplan – und auch kein Trassenplan.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel