Göppingen Streit um Erhalt des Apostel-Hotels: OB Till will Prüfung abwarten

Das Apostel-Hotel: Über die Frage, ob das Haus unbedingt erhalten werden muss, gehen in Göppingen die Meinungen auseinander.
Das Apostel-Hotel: Über die Frage, ob das Haus unbedingt erhalten werden muss, gehen in Göppingen die Meinungen auseinander. © Foto: Giacinto Carlucci
HELGE THIELE 07.08.2012
Im Herbst sollen die Entwürfe für das Apostel-Areal öffentlich vorgestellt werden. Erst dann werde entschieden, ob die Fassade des Apostel-Hotels erhalten werden kann, betonte OB Guido Till am Montag im Rathaus.

Frisch aus dem Sommerurlaub zurückgekehrt, hat sich Oberbürgermeister Guido Till am Montag zur Zukunft des Apostel-Hotels in der unteren Marktstraße geäußert. Seit mehreren Wochen wird in der Stadt darüber diskutiert, ob das Gebäude im Zuge der geplanten Neugestaltung des Apostel-Areals abgerissen werden soll oder ob sich ein Weg findet, um zumindest die Fassade zu erhalten. "Bisher ist noch nichts entschieden. Es gibt noch keinen endgültigen Entwurf", betonte Till bei einem Pressegespräch im Rathaus.

Nach den Sommerferien sollen die fünf Entwürfe, die Architekten für das Apostel-Areal erarbeitet haben, zunächst im Aufsichtsrat der städtischen Wohnbau (WGG) und kurz darauf öffentlich vorgestellt werden. "Wenn sich herausstellt, dass eine Gesamtentwicklung des Quartiers auch dann möglich ist, wenn das Apostel-Hotel beziehungsweise seine Fassade erhalten bleibt, würde ich mich sehr freuen", sagte Till. Andernfalls will der OB der Bevölkerung vermitteln, weshalb ein Abriss "ein notwendiger Schritt" sei. Investor auf dem Gelände ist die Firma Nanz, die gemeinsam mit der WGG das Projekt "Apostelhöfe" verwirklichen möchte.

Nanz ist Eigentümer der Immobilie. Das Unternehmen hatte das Apostel-Hotel samt den umliegenden Gebäuden vor einigen Jahren von einer privaten Erbengemeinschaft erworben. Till: "Seit vielen Jahren hat sich dort nichts getan, nun ist die Firma Nanz bereit, das Areal gemeinsam mit der Stadt zu entwickeln." Falls das offenbar recht marode Apostel-Hotel abgerissen werden müsste, damit eine vernünftige Neugestaltung an dieser Stelle möglich wäre, will die Stadt aber auf einer wissenschaftlichen Bestandsdokumentation bestehen, damit die Geschichte des Gebäudes nicht verloren geht.

Das 1675 errichtete Apostel-Gebäude wurde im Lauf seiner Geschichte mehrfach umgebaut und existiert in seinem heutigen Erscheinungsbild nach Angaben der Stadtverwaltung erst seit 1882. In jenem Jahr war das Haus aufgestockt worden. Ob sich heute im Apostel-Hotel, das nach wie vor ein Herbergsbetrieb ist, noch Bauteile aus dem ursprünglichen Gebäude befinden, sei unklar, betonte OB Guido Till am Montag.