Göppingen Strebt OB Till im Kreistag Fraktionsvorsitz an?

Guido Till will sich für eine "vernünftige Finanzlage" des Landkreises einsetzen.
Guido Till will sich für eine "vernünftige Finanzlage" des Landkreises einsetzen.
Göppingen / HELGE THIELE 28.05.2014
Gibt es einen Wechsel an der Spitze der CDU-Kreistagsfraktion? Äußerungen des Göppinger Oberbürgermeisters Guido Till nähren Spekulationen.

Guido Till kam, sah und siegte. Auch am Tag zwei nach der Kreistagswahl stand Göppingens Oberbürgermeister die Freude ins Gesicht geschrieben: Der Rathauschef ist auf Anhieb Stimmenkönig des Kreisparlaments geworden. 10 709 Stimmen bekam der CDU-Politiker im Wahlkreis Göppingen - das war kreisweit spitze. Zum Vergleich: Der langjährige Fraktionschef der Christdemokraten im Kreistag, Wolfgang Rapp aus Geislingen, holte 2185 Stimmen - allerdings in einem deutlich kleineren Wahlkreis. Dennoch nährte Till gestern Spekulationen, er könnte für den Vorsitz der neuen 23-köpfigen CDU-Fraktion kandidieren. Im Gespräch mit unserer Zeitung wollte er "nichts ausschließen". Stattdessen sagte er diplomatisch: "Das wird die Fraktion entscheiden."

Sollte Till tatsächlich seinen Hut in den Ring werfen, würde er sicher nicht nur Beifall ernten. Der bisherige Fraktionschef Rapp hatte bereits am Montag angekündigt, die CDU werde auch künftig "eine geschlossene Mannschaft" präsentieren. War das schon ein Plädoyer gegen eine Personaldebatte? Tills Gegner könnten außerdem ins Feld führen, dass der Göppinger OB, der vor fünf Jahren aus der SPD ausgetretenen war, erst seit vergangenem Oktober CDU-Mitglied ist. So oder so: Eine gewisse Genugtuung verspürt Till darüber, dass ihn die CDU-Wähler in seinem Wahlkreis zum Sieger gekürt haben. Bei der Nominierung hatte sich der Göppinger CDU-Politiker Jan Tielesch zwar dafür ausgesprochen, den OB zum Spitzenkandidaten zu machen, doch am Ende wurde Till auf Platz vier durchgereicht. Im Kreistag will sich der neue Stimmenkönig auf jeden Fall für eine "vernünftige Finanzlage" des Landkreises einsetzen. Man werde genau hingucken, wo "Konsolidierungspotenziale stecken und auch über Mehreinnahmen reden".

Im Göppinger Rathaus wird unterdessen mit Spannung erwartet, wie die Stadt auf die Absage des bei der Gemeinderatswahl am Sonntag siegreichen Piraten Rainer Bendig reagiert. Bendig, der auf Platz zwei der Piraten-Liste kandidiert hatte, will sein Mandat nicht annehmen und kündigte bereits an, dass stattdessen Spitzenkandidat Michael Freche ins Stadtparlament "nachrücken" werde. Darüber entscheide jedoch ausschließlich der Gemeinderat, betonte OB Till gestern. Rathaus-Sprecher Olaf Hinrichsen erinnerte daran, dass ein Mandat im Gemeinderat ein "verpflichtendes Ehrenamt" darstelle. Für einen Verzicht müsse es zwingende Gründe geben. Deshalb gelte Bendig für die Stadt weiterhin als gewählt.