Konzert Straßenmusiker machen Weltkarriere

Eine laue Sommernacht und mitreißende Musik: Die Atmosphäre im Hof Schloss Filseck ist eine besondere. Die Musiker des Wiener Trios Cobario hatten manche Überraschung für das Publikum beim Sommerfestival auf Lager. 
Eine laue Sommernacht und mitreißende Musik: Die Atmosphäre im Hof Schloss Filseck ist eine besondere. Die Musiker des Wiener Trios Cobario hatten manche Überraschung für das Publikum beim Sommerfestival auf Lager.  © Foto: Giacinto Carlucci
Uhingen / Ulrich Kernen 30.07.2018

Davon träumen alle Straßenmusikanten: Als Weltenbummler von einem Großereignis zum andern zu reisen! Die Profimusiker vom Trio Cobario  (Jakob Lackner alias El Coba und Georg Aichberger alias Giorgio  Rovere, Gitarren; Herwig Schaffner alias Herwigos, Violine und Klavier) haben es erreicht.  In ihrem Konzert beim Sommerfestival „Musik auf Schloss Filseck“ präsentierten sie exquisite Weltmusikperlen, eingepackt ein eine ziemlich lustige Show.

Dabei erzählten sie in pointenreichen Anekdoten, wie ihre Stücke aus Jazz, Pop, Folk und Klassik entstanden, komponiert oft im „Musizierhäuschen“ in Ungarn und dann ausprobiert auf der Straße: „Da merkt man dann gleich, ob eine Idee gut ist und auf Resonanz beim Publikum stößt.“

Feuriges und Zartes

Reichlich Resonanz bekamen die Jungs auf Filseck von Anfang an, denn ihre Mischung aus „Feurigem“ und „Zartem“, geschmackvoll und voller Leidenschaft entwickelt, packte das Publikum sogleich, so dass schon nach dem ersten Stück zustimmende Jauchzer zu hören waren.

Cobario steht nicht nur für fetzige Musik. Immer tut sich etwas auf der Bühne; das Publikum war dauernd eingebunden; auch manche Überraschung hatten diese urigen Typen auf Lager. Und was das laufend nachgefüllte Weinglas auf der Bühne, ein spezieller Spezial-Glasständer und die dazu gehörige Weinflasche anging, das blieb bis zum Schluss im Unklaren. In „Seven Seas“ war es dagegen mucksmäuschenstill im Schlosshof, denn dieses  süße, wehmütige Lied verzauberte alle. Da die Mehrheit bei einer spontanen Abstimmung dann doch für „Feuriges“ plädierte, entfachte Cobario mit „Nizza“ die Glut der Côte d’Azur.

Dreitägige rumänische Hochzeit

Auch die kompositorischen Nachwirkungen einer dreitägigen rumänischen Hochzeit beziehungsweise Orgie waren unüberhörbar: energiegeladen, wenn die Post abging und wenn exzessive Gefühle ausbrachen. Nach dem gepfefferten Stück „Gulasch“ wurde das inzwischen „heiße“ Publikum zu den Pausengetränken geschickt. Im zweiten Teil vermied das Trio, allzu ähnliche Stücke aneinander zu reihen. Nun waren musikalische Einzel(schmuck)stücke angesagt. Zunächst suchten die Drei die Nähe zur Filmmusik, natürlich auf ihre ganz spezielle Weise: Es gab einen „Wiener Western“ mit dem Titel „Goldrausch Variationen“ – in alter Verehrung des großen J.S. Bach, ohne jedoch den Country-Sound zu opfern.

Dem Dieb gewidmet

Zwei dramatische Nachklänge auf den Diebstahl der Geige nach einem Konzert in Nürnberg (dem Dieb gewidmet!) mündeten in die martialisch-lyrische „Reconquista“, denn die Instrumente konnten wieder beschafft werden.

Den Höhepunkt des Abends markierte „Nachtflug“: ein lang ausschwingendes Lied, zart an- und abschwellend. Das passte genau in die inzwischen laue nächtliche Atmosphäre im Schlosshof. Eigentlich hätte das Konzert nun zu Ende sein können. Aber von solcher mitreißender Musik an einem solch wunderbaren Ort kann man einfach nicht genug kriegen: „Zuuugaben“!

Der Genius von „Gipsy Classik“

Reisen Ihren Stil nennen sie „Gipsy Classik“. Die Stücke entstehen auf Reisen: Sie klingen nach südamerikanischer Wüste, irischen Wiesen, nach Geheimnissen des Orients, nach dem lauten Treiben in einer italienischen Küstenstadt oder nach ihrer Heimat: Wien.

Erlebnisse Viele Erlebnisse auf den Tourneen fanden Eingang in die Kompositionen: die Panne des Tourbusses („Tango de la Morte“), der Diebstahl einer Geige („Nemesis“), die Unterhaltung mit einer Möwe („La Gaviota“), eine Nacht am Meer („Vol de Nuit“).

Abgeschiedenheit Auch in der Abgeschiedenheit wird komponiert. Ein „Komponierhäuschen“ steht in Ungarn am Plattensee, ein zweites in Oberösterreich. Einfache Entscheidung: Was dem Publikum gefällt, wird aufgenommen, aufgeschrieben wird nichts.

Zurück zur Startseite Zum nächsten Artikel