Lesung Stefan Strehler liest in der Göppinger Krypta

Stefan Strehler liest in der Krypta im Stauferpark, im Hintergrund lauscht John Messer.
Stefan Strehler liest in der Krypta im Stauferpark, im Hintergrund lauscht John Messer. © Foto: Staufenpress
Göppingen / Andrea Maier 12.02.2018

Selten stehen in der Krypta, unter der Chapel im Stauferpark, Stühle aufgereiht. An diesem Freitagabend sind es über 50 – fast alle sind besetzt. John Messer vom Verein Fabrik für Kunst und Kultur (FKK) breitet sein Lammfell vor vier Didgeridoos aus und begrüßt den Autor Stefan Strehler.

In den 90er Jahren wohnten die beiden in einer Wohngemeinschaft. Strehler machte Abitur am Göppinger Hohenstaufen-Gymnasium, zog nach Berlin, studierte und verdiente Geld als Taxifahrer. Wie viele andere drängte auch John Messer den freiberuflichen Autor, seine Erzählungen über die Zeit als Taxi-Chauffeur zu veröffentlichen. Jetzt sitzt Stefan Strehler auf der Bühne und präsentiert sein erstes, 2017 erschienenes Buch „Taxiblues“.

Obgleich im öffentlichen Lesen geübt, ist ihm anzumerken, dass es hier in Göppingen „etwas ganz anderes ist“. Im Publikum sitzen Weggefährten aus fernen Tagen, Verwandte – und ehemalige Lehrer. Er nimmt einen Schluck Tee und beginnt mit „Montagmorgen.“ Nach dem akribisch beschriebenen Wunsch, in Ruhe zu frühstücken, sinniert er über den Fahrgasttypus „Anzugträger“. Klischees wecken erste Lacher, die unerwartete Wendung entzückt. Applaus. Der Bann ist gebrochen.

Stefan Strehler hat sich gutes Handwerkszeug angeeignet - die Worte sind sorgsam gewählt, er weiß um die Kniffe, die Spannung erzeugen.

John Messer spielt seit fast drei Jahrzehnten Didgeridoo, beherrscht das traditionelle Blasinstrument australischer Ureinwohner meisterhaft. Der vibrierende Klang wirkt wie ein Sog.

„Zwölf Uhr Mittag“, Stefan Strehler liest mit ruhiger Stimme. Schlingernde Gedanken werden von Fahrgästen unterbrochen, nein, eher weiter geführt, hinein in sehr persönliche Geschichten. Der Mann in Taxi 784 – oder ist‘s der Autor?– hat Mut, packt Selbstreflexion in Poesie, während der Mercedes durch die Straßen schnurrt.

John Messers Atem löst in dem Klangholz etwas wie Fauchen und Rufen aus dem fließenden Vibrieren. Klänge und Texte vertragen sich prächtig. Eine Geschichte wird in eine andere hinein geboren, sie verquicken und lösen sich. Stefan Strehler arbeitet mittlerweile als Coach, unterrichtet Schreibkunst und nutzt, was er kennt.

Nach einer Pause, gefüllt mit viel „Hallo!“ und „Weißt du noch?“, geht’s weiter. Eine der begeisterten Zuhörerinnen fürchtet, er würde „doch nicht das ganze Buch vorlesen.“ „Nein, es bleibt noch was für die, die es kaufen“, antwortet der längst entspannte Autor lachend und liest mehr vom „hoffnungslosen Romantiker.“

Mit einer Weihnachtsgeschichte, die haarscharf am Kitsch vorbei schrammt, endet er. Die Zuhörenden schätzen sich „gut unterhalten“, „bereichert von der Poesie“. Das Veranstaltungsteam sollte unbedingt in Erwägung ziehen, häufiger solch angenehme Lesungen zu veranstalten.

Andrea Maier

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