Göppingen / SABINE HEISS  Uhr
Stauferpreisträger 2012 ist Jan Keupp. Er wurde für seine Habilitationsschrift ausgezeichnet. Der Festakt zur Preisübergabe fand im Landratsamt statt, wo auch die wissenschaftlichen Förderpreise übergeben wurden.

Im Hohenstaufensaal des Göppinger Landratsamtes fand die Preisverleihung der Stauferstiftung statt, eingebettet in die 25. Göppinger Staufertage. "An diesem Wochenende atmet Göppingen Geschichte", begrüßte Landrat Edgar Wolff die rund 60 Gäste. Der Festakt bildetete den Abschluss der Staufertage, die sich dieses Jahr mit dem Verhältnis der Staufer zu Byzanz beschäftigten.

Die Laudatio für die Träger der beiden wissenschaftlichen Förderpreise hielt der Geschäftsführer der Stauferstiftung, Stefan Lang. Die beiden vom Kuratorium der Stauferstiftung prämierten Arbeiten widmen sich der Bildungs- und Literaturgeschichte der Stauferzeit. Lang lobte die daraus resultierenden Forschungsergebnisse, die auch weiterführenden Untersuchungen zu Gute kommen könnten. Einer der Förderpreise ging an Fulvio Delle Donne. Der akademische Rat an der Universität Potenza in Italien wurde für eine Abhandlung zur Frühzeit der von Friedrich II. gegründeten Universität Neapel ausgezeichnet.

Der zweite Förderpreis ging an Robert Schöller. Der Universitätsassistent an der Universität Bern promovierte mit einer altgermanistischen Arbeit zu einem Überlieferungszweig des Parzival. In seiner Doktorarbeit, für die er den Förderpreis verliehen bekam, befasste er sich mit dem vom Minnesänger Wolfram von Eschenbach verfassten Epos um den Gralsritter Parzival. Die Preisverleihung übernahm Landrat Edgar Wolff stellvertretend für den Vorstandsvorsitzenden der Göppinger Kreissparkasse Hariolf Teufel, der erkrankt war.

Im Anschluss hielt Bernd Schneidmüller, Professor an der Universität Heidelberg, seine Laudatio auf den Preisträger des wissenschaftlichen Stauferpreises Jan Keupp. Seinen Einstieg fand Schneidmüller über die Macht der Mode. "Haben Sie sich überlegt, was sie heute Abend anziehen?", fragte er ins Publikum. Denn die Mode sei Spiegelbild jeglicher Kultur und Keupp ein Spezialist für die Gewandung in der Geschichte. Mit seiner Habilitation "Die Wahl des Gewandes. Mode, Macht und Möglichkeitssinn in Gesellschaft und Politik des Mittelalters" habe Keupp ein sehr originelles Thema in der Mittelalterforschung bedient. In dieser vielbeachteten Arbeit analysiert Keupp die Rolle von Kleidern aus sozialer Sicht. Denn auch damals wurde Kleidung nicht zufällig gewählt, sondern bildete die Ordnung der Gesellschaft ab. Der mit 5000 Euro dotierte Preis wurde von Arbeitgeberpräsident Dieter Hundt und Landrat Edgar Wolff überreicht.

Der anschließende Festvortrag des Preisträgers Keupp drehte sich um die materielle Kultur als Schlüssel zur Stauferzeit. Anhand einer Vielzahl von Beispielen referierte er darüber, dass historische Reliquien erst unter eingehender Analyse ihren Sinngehalt erfassbar machen. So können aus einem bestickten Mantel die gesamten politischen und kulturellen Umstände der damaligen Zeit abgelesen werden. Die Macht des Materiellen demonstrierte er abschließend noch am Beispiel des kleinen Prinzen. Im Werk von Antoine de Saint-Exupéry wurde einem türkischen Astronom erst Glauben über die Entdeckung eines Asteroiden geschenkt, als er seine Kleidung angepasst hatte.

Musikalisch umrahmt wurde der Festakt durch Jaroslaw Wakarecy am Flügel und Yvonne Rahnfelder mit der Querflöte. Ein Empfang im Foyer des Landratsamtes schloss sich an.